Drohender Ärztemangel: Kreis Unna lockt künftige Mediziner mit Geld

dzStipendium

Ein Drittel der Hausärzte in Lünen und Selm ist über 60. Viele Praxen suchen Nachfolger. Damit es angehende Mediziner nicht nur in Großstädte zieht, macht ihnen der Kreis Unna ein Angebot.

Lünen, Selm

, 18.06.2020, 11:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wer in Münster, Bochum oder Köln Medizin studiert, der sieht seine berufliche Zukunft nicht unbedingt in den Städten des Kreises Unna. Deshalb lockt die Politik angehende Ärzte mit einem speziellen Angebot. 500 Euro im Monat zahlt die Kreisverwaltung Studenten als Stipendium. Dafür verpflichten sich die Studenten, nach dem Studium fünf Jahre im Kreis Unna zu arbeiten oder eine Weiterbildung zum Facharzt im Kreis Unna zu absolvieren. So will man dem drohenden Ärztemangel vorbeugen.

Versorgung statistisch gesehen stabil

In Lünen und Selm sind 31 Prozent der Hausärzte über 60. Die beiden Städte zählen planerisch zum so genannten Mittelbereich mit insgesamt 111.988 Einwohnern. Schon heute ist absehbar, dass Praxen bald Nachfolger suchen. Momentan liegt der Versorgungsgrad mit Hausärzten laut Jana Elbert, Sprecherin der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL), bei 104,3 Prozent. Damit sei die Versorgung statistisch gesehen stabil. Ist die Relation von Arzt und Patienten mit den gesetzlichen Vorgaben ausgewogen, liegt der Versorgungsgrad bei 100 Prozent.

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„Eine gute Option“

In den nächsten Jahren werden viele Hausärzte in den Ruhestand gehen. Deshalb will der Kreis Unna Anreize schaffen. Zum 2. Mal legt er ein Medizinstipendium auf. Matthias Schlösser profitiert davon. „Es ist eine Unterstützung, die ich gut gebrauchen kann.“ Der 35-Jährige begann nach der Ausbildung zum Krankenpfleger noch ein Medizinstudium. Er kommt aus Unna und will dort bleiben. „Wenn sich jemand dem Kreis verbunden fühlt, ist das eine gute Option“, sagt er.

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Beworben haben sich im vergangenen Jahr acht Interessierte, die Förderung ist für drei ausgelegt. „Es meldeten sich gleich viele Frauen und Männer“, so Thekla Pante vom Kreis Unna. Sie nennt Bergkamen als Stadt, die Probleme mit der ärztlichen Versorgung habe. Lünen sei durch das Katholische Klinikum Lünen-Werne, das auch akademisches Lehrkrankenhaus der Uni Münster ist, attraktiv für angehende Mediziner.

Bewerbung bis 30. September

Die Chance auf ein Stipendium gibt es für drei Studierende für ein Jahr zum Wintersemester 2020/2021. Im zweiten Förderjahr sollen sechs Studierende, im dritten neun und im vierten zwölf gefördert werden. Die Bewerbung läuft bis zum 30. September. Das bestandene Physikum ist Voraussetzung. Bewerber müssen neben dem Antrag auch einen Lebenslauf, eine beglaubigte Kopie vom Physikum-Zeugnis (oder Anmeldebescheinigung zur Prüfung) und eine aktuelle Immatrikulationsbescheinigung mitschicken: Kreis Unna,

Fachbereich Gesundheit und Verbraucherschutz, Platanenallee 16, 59425 Unna.

Ansprechpartnerin ist Thekla Pante. Bewerbungen sind auch per E-Mail thekla.pante@kreis-unna.de möglich.

Information

Kampagne Praxisstart

Auch die KVWL fördert junge Ärzte, beispielsweise mit der Kampage Praxisstart. Ziel sei es, die ambulante Versorgung stärker in den Fokus von Klinikärzten, Weiterbildungsassistenten und Medizinstudierenden zu rücken, so Jana Elbert. Die Kampagne bündele alle Fördermaßnahmen sowie Informations- und Beratungsleistungen der KVWL. „Unter dem Motto ´Nach der Theorie kommt die Praxis` suchen beispielsweise Experten der KVWL regelmäßig den Austausch mit Medizinstudierenden an den Universitäten der Region.“ So können sich Interessierte über ihre beruflichen Perspektiven im ambulanten Sektor und die Fördermöglichkeiten der KVWL informieren sowie Fragen rund um die Niederlassung klären.
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