Als der Bergbau Dortmund das Wasser abgegraben hatte, begann die Wassergewinnung im Ruhrtal. Und so sorgte die Steinkohle indirekt auch für ein Veranstaltungszentrum in der Ruhrstadt.

Schwerte

, 22.10.2018, 17:37 Uhr / Lesedauer: 4 min

Seit fast 150 Jahren kommt das Trinkwasser der Nachbarstadt Dortmund aus Schwerte. Und das obwohl die Dortmunder bis ins 17. Jahrhundert für ihr Wasser bekannt waren. Das schöpften sie aus Quellen und Brunnen in der Stadt. Das Wasser der Dortmunder war sogar so gut, dass man 1667 den kühnen Plan hatte, die Stadt zu einem Badeort zu ernennen. Das schreibt zumindest die DEW in ihrer Chronik. Warum aus dem Plan nichts wurde, ist nicht bekannt. Fest steht, dass Dortmund 200 Jahre später dringend Wasserzufuhr aus dem Ruhrtal brauchte.

Dortmund grub sich selbst das Wasser ab

Das lag an der Industrialisierung und vor allem am immer tiefer in die Erde vordringenden Bergbau. Der ließ nicht nur den Grundwasserspiegel sinken, sondern zog auch immer mehr Menschen in die Region. Kleine Arbeitersiedlungen entstanden und immer mehr Menschen brauchten Trinkwasser. Und was noch fataler war: Die althergebrachte Abwasserentsorgung über Rinnen und kleine Bäche in den nächsten Bachlauf war dieser Menge an Menschen nicht gewachsen. Und weil auch die Gewerbebetriebe ihr Abwasser so entsorgten, waren viele Oberflächengewässer nicht mehr für die Trinkwassernutzung zu gebrauchen.

Gleichzeitig pumpten die neuen Tiefbauzechen das Grubenwasser ab und ließen so den Grundwasserspiegel in Dortmund deutlich sinken. So mancher beliebte Trinkbrunnen versiegte, ein Ersatz war auf dem Stadtgebiet nicht vorhanden. Zumal die Stadt den einzigen nennenswerten Flusslauf auf eigenem Stadtgebiet, die Emscher, bereits seit dem Mittelalter zum Abtransport des Abwassers nutzte.

Schwerte hatte kein Interesse am Wasserwerk

Am 18. November 1865 fasste der Magistrat der Stadt Dortmund den Beschluss, eine öffentliche Wasserversorgung einzurichten und die siedelte man in Villigst an. Am 19. Januar 1870 war der Baubeginn und am 2. Oktober 1872 nahmen die Grundwassergewinnungsanlage dort und eine Pumpanlage, die das Wasser über den Haarstrang pumpte, den Betrieb auf. Seitdem wird Dortmund mit dem Wasser aus der Ruhr versorgt.

Die Stadt Schwerte hatte übrigens damals nicht ausreichend Geld und auch kein „besonderses Interesse an dem Unternehmen“, so ein Beschluss des Magistrats der Stadt Schwerte.

Erst ein Jahr später gab es Wasser für Privathaushalte

Allerdings kam das Ruhrwasser zunächst nicht bei den Dortmunder Privatleuten aus dem Hahn. Die Wasserwerke versorgte ausschließlich Großkunden, wie Zechen und Stahlwerke. Denn der Bergbau, der ja dafür gesorgt hatte, dass immer weniger Wasser in der Stadt gab, war selbst ein Großverbraucher, wenn es um Wasser ging, zum Beispiel für die Wäsche der Kohle.

Doch bereits seit 1873 wurden die ersten Privathaushalte an das Wassernetz angeschlossen. Und schon drei Jahre später kam Villigster Wasser aus nahezu jedem Wasserhahn in Dortmund.

Hochbehälter im Schwerter Wald

Damit das Wasser dort auch ankam, musste der 113 Meter hohe Haarstrang, die Hügelkette zwischen Dortmund und der Ruhr überwunden werden. Außerdem liegen die Ruhrauen gut 13 Kilometer von der Dortmunder Innenstadt entfernt. Deshalb bauten die Dortmunder Wasserwerke im Schwerter Wald ein großes Wasserbassin, von dem aus dann der Höhenunterschied genutzt wurde, um das Wasser nach Dortmund zu bringen. Heute gibt es eine ganze Reihe solcher Hochbehälter im Schwerter Wald.

Zweite Pumpstation baute Kreiswasserwerk in Schwerte

Auch Hörde, dass damals noch eine eigene Stadt war, hatte längst Schwierigkeiten mit der Wasserversorgung. Das Kreiswasserwerk Hörde kaufte deshalb 1889 ein Grundstück in Schwerte unweit der Ruhr. 1890 wurde auf dem Grundstück eine Pumpstation in Betrieb genommen, die auch zwei große Wasserbassins zur Gewinnung von Trinkwasser enthielt. Bis 1924 wurde die Station genutzt, dann lohnte sich der Betrieb aus wirtschaftlichen Gründen nicht mehr.

Die Dortmunder Kohle und das Schwerter Trinkwasser

Heute ist die Rohrmeisterei ein modernen Kultur- und Veranstaltungszentrum. © Bernd Paulitschke

Die Pumpwerke wurden entfernt, der Kamin abgerissen. Die Halle wurde durch das Unternehmen und seine Nachfolger anderweitig genutzt. Unter anderem diente die Halle den Dortmunder Stadtwerken zur Reparatur von Rohren. Im Volksmund wurde das Gebäude mit dem markanten Tonnendach deshalb auch „Rohrmeisterei“ genannt. Erst 1976 gaben die Dortmunder Stadtwerke die Halle auf. 1990 kaufte die Stadt das damals schon sehr verfallene Gebäude, dass 2000 an den Kunstverein und den Theaterverein 5,4, aus denen die Bürgerstiftung Rohrmeisterei hervorging.

Schwerte kauft das eigene Ruhrwasser von Dortmund

Die Stadt Schwerte, die sich damals nicht am ersten Wasserwerk beteiligen wollte, schloss bereits 1880 einen Liefervertrag mit der Stadt Dortmund ab und kaufte seitdem das Schwerter Wasser wieder zurück. Der Wasserverbrauch der Schwerter war damals allerdings sehr bescheiden. Etwa 23 Liter pro Kopf und Tag nahm man dem Wasserwerk ab, heute liegt der Verbrauch bei etwa 120 Litern. Ein Großteil der Schwerter blieb trotz des neuen Wassernetzes bei der gewohnten Versorgung mit dem kühlen Nass durch den eigenen Brunnen. Auch wenn die Zusammenarbeit mit den Dortmundern nicht immer reibungslos verlief, blieb es bis heute bei der kuriosen Tatsache, dass die Schwerter Trinkwasser von den Dortmundern kaufen, das in Schwerte gewonnen wird.

Dortmunder wollten aus der Stadt eine Talsperre machen

Die Zusammenarbeit mit der großen Nachbarstadt im Norden hätte beinahe die Stadt die Ruhrauen gekostet. Denn schon an der Wende zum 20. Jahrhundert war die Wasserversorgung aus der Ruhr an den Grenzen ihrer Kapazität angelangt. Die immer größer werdenden Ruhrgebietsstädte und ihre Industrie verlangten immer mehr Wasser. Und auch der in Bau befindliche Dortmund-Ems-Kanal sollte möglichst mit Ruhrwasser befüllt werden. Der war gebaut worden, weil man zum einen die Kohle zu den Häfen in Norddeutschland transportieren und im Gegenzug Erz aus Schweden ins Ruhrgebiet bringen wollte. Das führte zu dem Plan der Dortmunder in Schwerte die Ruhr aufzustauen, um sich mit einer Talsperre ein Wasserreservoir anzulegen. 1,5 Millionen Mark hatte man dafür zur Verfügung und etliche Schwerter Grundstückeigentümer waren sich mit den Dortmundern bereits einig.

Doch die Stadt Schwerte und viele ihrer Einwohner gingen auf die Barrikaden. Sie wehrten sich aus ökologischen, aber auch aus ökonomischen Interessen. Schließlich entnahmen etliche Schwerter Betriebe ihr Brauchwasser direkt aus der Ruhr. In dem Rechtsstreit setzten sich die Schwerter gegen die großen Nachbarn durch.

Der 1899 gegründete Ruhrtalsperrenverein sorgte durch den Bau von Talsperren an anderen Orten des Ruhtals dafür, dass der Wasserstand in der Ruhr gehalten werden konnte. Die Geschichte des Bergbaus in Dortmund endete 1987, die Wasserversorgung aus Schwerte dauert bis heute an.

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