Die Neuentdeckung der Sonaten von Ludwig van Beethoven

Konzert im Rathaus

Viktor Valkov (Piano) und Lachezar Kostov (Cello) ließen sich trotz Pandemie nicht davon abhalten, im Alten Rathaus gleich zwei Beethoven-Konzerte zu spielen - und das auf besondere Weise.

Werne

, 25.10.2020, 07:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Viktor Valkov (Piano) und Lachezar Kostov (Cello)

Viktor Valkov (Piano) und Lachezar Kostov (Cello) interpretierten Beethoven im Alten Rathaus in Werne. © Elvira Mesiel-Kemper

Für die Musiker, die seit 15 Jahren bereits sehr erfolgreich zusammen auftreten, bedeutete das eine besondere Herausforderung. Beethoven hat in den Jahren 1796 bis 1815 fünf Sonaten für Cello und Klavier komponiert. Es sind seine einzigen Sonaten für diese Instrumentierung und wahrhaftig keine Stücke für Anfänger. Die Musiker reduzierten das Programm auf die Sonaten Nr. 1 F-Dur, op.5 Nr. 1 von 1796, die Sonate Nr. 4, C-Dur op. 102 Nr. 1 aus dem Jahr 1815 und auf die Sonate A-Dur op.69 von 1807/08. Jeweils 90 Minuten dauerte jedes Konzert, das ohne Pause stattfand.

Beethoven betrat damit Neuland, denn das Cello rückte als Soloinstrument erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts in den Fokus der Komponisten und der damals gängigen Konzertpraxis. Die Sonate Nr. 1 von 1796 widmete Beethoven dem preußischen König Friedrich Wilhelm, der ganz passabel Cello spielte. Die hohe Spielintensität der beiden Musiker strahlte auf das Publikum zurück, das atemlos und immer wieder begeistert reagierte.

Harmonisches und punktgenaues Spiel im Alten Rathaus

Kostov verschmolz mit seinem Saiteninstrument, lockte jeden Ton heraus, begeisterte durch eine sehr schnelle Fingertechnik und war dennoch nach rasanten Passagen bereit für lyrisch-sanfte Klänge, die wunderbar positiv und beruhigend den Raum erfüllten. Das minderte nicht die Leistung von Valkov, der am Piano punktgenau mit dem Cello harmonierte, perlende Klangkaskaden mit sanftem Anschlag zauberte und im nächsten Augenblick hart und fordernd in die Tasten greifen konnte.

Einen totalen Kontrast stellte die Sonate Nr. 4 dar, die Beethoven bereits mit fortgeschrittener Taubheit 1815 komponierte. Der Stempel der sehr expressiven Musik wurde von beiden Künstlern in berührender Weise herausgearbeitet. Buchstäblich fühlbar war die Verzweiflung von Beethoven über sein nachlassendes Hörvermögen. Nicht umsonst würzte er diese Sonate mit freien und polyphonen Elementen, die wie Improvisationen klangen.

Reichlich Applaus für ein tonales Feuerwerk

Ausgeglichener und ungleich melodischer verfasste Beethoven die mittlere Cello-Sonate Nr. 3 aus dem Jahr 1807/08. Sie wird heute noch am meisten gespielt. Nach zartem lyrischen Auftakt entwickelte auch diese Sonate ein tonales Feuerwerk. Zwischendurch musste Kostov seine linke Hand schon mal entkrampfen. Er hielt aber mit bewundernswerter Leichtigkeit durch.

Auch Valkov wurde nicht müde, bis zum letzten Ton die wunderbare Melodik von Beethovens dritter Sonate mit Kostov zusammen herauszuarbeiten. Da war es nach dem begeisterten Applaus nur zu verständlich, dass es keine Zugabe gab.

Flexible Künstler und Veranstalter

  • Die Flexibilität der Gesellschaft der Musikfreunde Werne als Veranstalter und der Musiker Viktor Valkov (Piano) und Lachezar Kostov (Cello) machten es möglich, dass das Konzert des Duos im Saal des Alten Rathauses in Werne in Corona-Zeiten doch noch stattfinden konnte.
  • Dabei wurden die Besucher auf zwei identische Konzerte mit gekürztem Programm verteilt.
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