Die Kraniche ziehen normalerweise über Schwerte hinweg - doch diesmal landeten sie auch

dzKranichzug

Kraniche über Schwerte, das ist zwei Mal im Jahr ein gewohnter Anblick. Doch in diesem Jahr legten die Vögel hier auch eine längere Rast ein. Warum das so ist, weiß Dieter Ackemann.

Schwerte

, 28.02.2020, 11:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Thomas Sauer von der Schwerter Arbeitsgemeinschaft Ornithologie und Naturschutz (kurz AGON) staunte nicht schlecht als er am Morgen des 26. Februar etwa 180 Kraniche in den überschwemmten Ruhrwiesen in Schwerte-Ergste vorfand.

Sofort rief er den Vogelexperten Dieter Ackermann an. Als Ackermann um 12 Uhr mit seiner Frau Ursula an den Ruhrwiesen eintraf, waren die Kraniche zu ihrer Überraschung immer noch vor Ort.

Ein sehr seltener Glücksfall

„Das ist ein echter Glücksfall“, erklärt Dieter Ackermann, der schon seit über 30 Jahren den Zug der Kraniche über Schwerte beobachtet. „In den letzten Jahren kam dieses Schauspiel nur sehr selten vor.“ Und wenn ein paar wenige Kraniche sich Schwerte als Rastplatz aussuchten, dann nur auf den überschwemmten Röllingwiesen in Westhofen oder im anliegenden Wasserwerksgelände.

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Normalerweise flögen die Kraniche auf ihrem Weg von Südfrankreich und Spanien in den Norden über Schwerte hinweg – und das am liebsten bei Tage, ohne zu landen. Grund dafür ist, dass sie besonders früh an ihren Brutplätzen in Nord- und Ostdeutschland, sowie Skandinavien und Polen ankommen wollen, um die bestmöglichen Brutplätze zu ergattern. In diesem Fall scheinen die Vögel aber nachts geflogen zu sein. Dabei orientieren sie sich an den Sternen, bei bedecktem Himmel am Magnetfeld der Erde.

Grund war der Kälteeinbruch

„Schuld daran war wohl der plötzliche Kälteeinbruch mit Schneeregen“, vermutet der Schwerter Vogelexperte Dieter Ackermann. „Wahrscheinlich waren die Vögel im Zweifel, ob das Weiterfliegen bei dem Wetter überhaupt Sinn macht.“ Daher seien die Kraniche für eine Rast in Schwerte gelandet und füllten vor dem Weiterflug noch einmal ihre hungrigen Mägen auf. Kraniche fressen nämlich neben Getreid und Beeren vor allem auch Larven, kleine Fische und sogar klein Säugetiere.

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Veränderte Klimabedingungen sorgen für frühen Vogelzug

Dass die Vögel sich schon jetzt auf die Heimreise machten, hat auch mit den veränderten Klimabedingungen der letzten Jahre zu tun. Während vor wenigen Jahrzehnten die Kraniche erst im März in den Brutgebieten Mitteleuropas eintrafen, kehren sie heutzutage schon im Februar zurück.

Beendet wurde das Schauspiel dann erst gegen fünf Uhr am Nachmittag. Ackermann erklärt sich das so: „Bis dahin scheint noch niemand mit einem frei laufenden Hund am überschwemmten Wanderweg vorbei gekommen zu sein. Sonst hätten die Kraniche wohl die Flucht ergriffen.“

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