Der Kita-Mordfall und die Suche nach Antworten

Kriminalität

Nach dem mutmaßlichen Mord an einem Kita Kind geht es um die Frage, wie es so weit kommen konnte - und wie sich das in Zukunft verhindern lässt. Die Kinderhilfe fordert Sicherheitsüberprüfungen für Kitas.

Viersen/Berlin

03.06.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Zum Fall einer Erzieherin, die in Viersen ein dreijähriges Kita-Kind ermordet haben soll, hat der Landtag für den 4. Juni eine Sondersitzung des Familienausschusses einberufen.

Zum Fall einer Erzieherin, die in Viersen ein dreijähriges Kita-Kind ermordet haben soll, hat der Landtag für den 4. Juni eine Sondersitzung des Familienausschusses einberufen. © picture alliance/dpa

Nach dem Tod eines Kita-Kindes und dem Mordverdacht gegen eine Erzieherin in Viersen hat die Deutsche Kinderhilfe Sicherheitsüberprüfungen in den Einrichtungen gefordert. Dabei sollten externe Experten in Kitas und Tagespflegestellen regelmäßig analysieren, was Straftaten, Unfälle oder auch Krankheiten begünstigen könnte, stellte der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Kinderhilfe, Rainer Becker, am Dienstag fest: Um Kinder besser zu schützen, „brauchen wir mehr Verbindlichkeit und eine höhere Kontrolldichte, um die Wahrscheinlichkeit einer Aufdeckung von Schwachstellen im System zu erhöhen.“

Auf Antrag der SPD ist für diesen Donnerstag (4. Juni) eine Sondersitzung des Familienausschusses im Landtag zu den Vorgängen in der Viersener Kita einberufen. Die Landesregierung will darin mündlich berichten, wie am Dienstag aus der Tagesordnung hervorging.

Vorkommnisse auch in anderen Einrichtungen

Bei den Ermittlungen wegen Mordes gegen die 25 Jahre alte Erzieherin waren die Behörden auf Vorkommnisse auch in anderen Einrichtungen gestoßen, in denen die Frau vorher gearbeitet hatte. Das NRW-Familienministerium hatte das Landesjugendamt um einen Bericht gebeten. Das Ministerium wollte klären, ob ernsthafte Frühwarnzeichen ignoriert wurden und ob die Vorfälle dem zuständigen Jugendamt nicht gemeldet und keine Anzeigen erstattet wurden.

Das Landesjugendamt teilte auf Anfrage mit, ihm sei der Fall im Zusammenhang mit der dreijährigen Greta in Viersen gemeldet worden. Zu den Vorfällen mit drei Kindern in drei anderen Einrichtungen, in denen die Erzieherin vorher gearbeitet hatte, habe es dagegen keine Meldungen gegeben. Laut einer Handreichung des Landschaftsverbands Rheinlands als Landesjugendamt sind unter anderem alle sogenannten „besonderen“ Vorkommnisse meldepflichtig.

Gemeldet werden soll demnach auch, wenn es Hinweise auf mangelhafte Eignung von Mitarbeitenden gebe. Nach dem Tod des Kita-Kindes in Viersen wird gegen eine 25-jährige Erzieherin wegen Mordverdachts ermittelt.

Überprüfung des Personals und der Ausstattung von Räumen

Die dreijährige Greta war am 21. April von einem Notarzt wegen Atemstillstands aus dem Kindergarten ins Krankenhaus gebracht worden. Am 4. Mai starb das Kind dort. Rechtsmediziner fanden Spuren, die auf Gewalteinwirkung hindeuteten. Eine hundertprozentige Sicherheit für Kinder werde es zwar nie geben, aber die Sicherheit könne weiter erhöht werden, stellte die Deutsche Kinderhilfe fest: Alle zwei Jahre sollte es so etwas wie ein Sicherheits-TÜV in den Einrichtungen geben, forderte sie.

Überprüft werden sollte demnach die Qualifikation des Personals, aber auch die Ausstattung von Räumen. Denkbar sei der Einsatz von Webcams dort, wo Erzieher allein mit Kindern seien. Die Aufzeichnung könne dann versiegelt 24 Stunden aufbewahrt werden. „Und so lange keine Anzeige erstattet wird, so lange kein Zwischenfall bekannt geworden ist, wird die dann wieder überspielt“, sagte Becker.

dpa

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