Nach Sturz von Betonblock auf A3: Fehlkonstruktion war „Absicht“

Tödlicher Unfall

Nach dem tragischen Unfall auf der A3 bei dem eine Autofahrerin von einem Betonteil der Lärmschutzwand getötet wurde, sind die Gutachter zu einem Ergebnis gekommen. Und das ist erschreckend.

Köln

17.11.2020, 20:18 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die Gutachter sind nach dem tödlichen Unfall auf der A3 bezüglich der Lärmschutzwände zu einem erschreckenden Ergebnis gekommen.

Die Gutachter sind nach dem tödlichen Unfall auf der A3 bezüglich der Lärmschutzwände zu einem erschreckenden Ergebnis gekommen. © picture alliance/Feuerwehr Köln/dpa

Nach dem tödlichen Unfall mit einer Betonplatte aus einer Lärmschutzwand auf der A3 bei Köln geht Straßen.NRW von einem „mit Absicht herbeigeführten Mangel“ aus. Bei der Montage 2007 sei die Platte aus Platzgründen nicht fachgerecht angebracht worden, teilte der Landesbetrieb nach ersten Untersuchungen mit.

Dabei gehen die Experten nicht von kriminellem Vorsatz, sondern einer bewussten Improvisation aus. Da beim Einbau offenbar etwas nicht passte, wurde es nach ersten Erkenntnissen mit Absicht und ohne Rücksicht auf bauliche Vorgaben passend gemacht.

Höhenunterschied überbrückt

So sollte offensichtlich ein Höhenunterschied bei der Montage überbrückt werden, sagte ein Sprecher des Landesbetriebs am Mittwoch. Bei der gewählten Konstruktion mit einem Winkel habe eine angeschweißte Schraube die Zugkräfte des vier bis fünf Tonnen schweren Teils aus Stahlbeton aber auf Dauer nicht getragen.

Die Betonplatte hatte sich am Freitag gelöst und war auf das Auto einer 66-jährigen Kölnerin gestürzt, die noch am Unfallort starb. Laut Landesbetrieb zufolge war die Platte bereits bei der Montage im Jahr 2007 nicht richtig verankert worden.

Gleiche Konstruktion an sechs weiteren Wänden verbaut

Die Konstruktion entspreche nicht den vorherigen Plänen, so die Straßenbaubehörde. Die gleiche Konstruktion sei an sechs weiteren Lärmschutzplatten verbaut worden, die nun schnellstmöglich ausgebaut würden. Wann dies passieren würde, konnte der Sprecher am Mittwochmorgen noch nicht sagen.

Bis es soweit ist, sollen die beiden äußeren Fahrspuren gesperrt bleiben. Straßen.NRW wies zudem daraufhin, dass der Baumangel aufgrund seiner verdeckten Lage bei Kontrollen nicht auffallen konnte.

Den Baupfusch haben laut Bericht der WAZ (WAZ+) offenbar zwei Firmen zu verantworten, die bereits insolvent sind, eine davon stammt aus Gelsenkirchen. Das berichtete NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst (CDU), über den Fall soll an diesem Mittwoch im Fachausschuss des Landtags beraten werden.

Verfahren wegen fahrlässiger Tötung

Es sei nicht davon auszugehen, dass bei ähnlichen Bauwerken akute Gefahr bestehe, hatte es am Dienstag geheißen. Gleichwohl überprüfe die Behörde, ob es weitere Lärmschutzwände mit ähnlichen Konstruktionen in NRW gibt. Laut WAZ sollen auch bundesweit Überprüfungen stattfinden.

Die Staatsanwaltschaft hat ein Verfahren wegen fahrlässiger Tötung eingeleitet - zunächst gegen Unbekannt.

dpa/kar

Lesen Sie jetzt
Meistgelesen