Es gibt wieder Bier aus Schwerte: Ostermann-Brauerei neu gegründet

dzBier aus Schwerte

Vor 100 Jahren wurde die Ostermann-Brauerei am Bahnhof geschlossen. Drei Schwerter haben nach Hinweisen aus Archiven ihr Rezept rekonstruiert. Die ersten 15 Hektoliter werden bald verkauft.

Schwerte

, 21.02.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Drei Dinge, so meinte mal ein Dichter, sollte ein Mann tun: einen Baum pflanzen, ein Buch schreiben, ein Kind zeugen. Doch eine Lebensaufgabe hat er dabei wohl vergessen: ein Bier brauen. „Was kann man als Mann Besseres machen“, sagt Michael Nehring augenzwinkernd. Und deshalb möchte er - jetzt mal Scherz beiseite - der Ruhrstadt ihren eigenen Gerstensaft wiedergeben. Quasi als Dankeschön für die herzliche Aufnahme beim Neubürgerempfang, als der Werbefilmer im Jahr 2000 aus Herdecke zugezogen ist.

Die ersten 15 Hektoliter sind gerade gebraut worden

Genau 100 Jahre, nachdem Wilhelm Ostermann seine Brauerei an der Beckestraße geschlossen hat, lässt Michael Nehring deren Tradition mit der Gründung der Ostermann Braumanufaktur wieder aufleben. Zusammen mit Jens Kan und Dr. Axel Brune, den weiteren Gesellschaftern, hat er sogar schon nach rekonstruierten Originalrezepten das erste Kellerbier entwickelt.

Das „Ostermann-Urtyp“ wurde gerade erstmals in größerer Menge von 15 Hektolitern gebraut: bernsteinfarben, leicht naturtrüb, mit malziger Karamellnote bei feinherbem Antrunk. Testen können es die Schwerter beim Verkaufsoffenen Sonntag, 1. März, auf dem Postplatz aus 0,33-Liter-Flaschen. Als passende Grundlage dazu wird „Extrawurst“-Standbetreiber H. Peter Dunke noch „Ostermanns Pfefferpotthast“ anbieten. Denn das neue, historische Bier ist mit 5,6 Prozent Alkohol etwas stärker als die üblichen Industriemarken.

Vor 100 Jahren wurde die Brauerei Ostermann gegenüber vom Bahnhof geschlossen. Das Stadtarchiv Schwerte hütet eine der seltenen Ansichten auf einer Werbeanzeige.

Vor 100 Jahren wurde die Brauerei Ostermann gegenüber vom Bahnhof geschlossen. Das Stadtarchiv hütet eine der seltenen Ansichten auf einer Werbeanzeige. © Repro: Reinhard Schmitz

Schon lange hatte sich Michael Nehring in seinem Ergster Wohnhaus mit dem Bierbrauen beschäftigt. „Der erste Sud schmeckte gut, aber ich hatte nie die Idee, das professionell zu machen“, erzählt er. Doch jetzt, im Alter von 48 Jahren, war für ihn die Zeit reif. Mithilfe von Heimatvereins-Vorsitzendem Uwe Fuhrmann machte er sich auf die Suche nach Hinweisen auf die längst abgerissene Ostermann-Brauerei. Die hatte in der Hungerzeit nach dem Ersten Weltkrieg, als die Zuteilung von Braugerste knapp war, aufgegeben und ihre Kontingente an die Dortmunder Stifts-Brauerei verkauft.

Historische Einkaufslisten im Archiv verrieten das Rezept

Doch im umfangreichen Brau-Archiv bei der Pott´s-Brauerei in Oelde waren nicht nur Braumeister-Listen und Inserate der Ostermann-Brauerei aufbewahrt, sondern auch deren Einkaufslisten für die Zutaten. Ein Volltreffer. Denn zusammen mit dem erfahrenen Braumeister Daniel Hefele ließ sich daraus das Urtyp entwickeln, das der originalen Rezeptur von 1900 so nahe wie möglich kommt. „Das letzte Quäntchen ist Anpassung an die heutigen Geschmäcker“, sagt Michael Nehring und schwärmt von dem Gerstensaft, dessen malzig-süßlicher Abgang die eigentliche Herbe sofort vergessen lässt.

Jens Kan (l.) und Michael Nehring genießen den ersten Probetrunk des frisch gebrauten Ostermann Urtyp.

Mit der Gründung der Ostermann Braumanufaktur wollen (v.l.) Dr. Axel Brune, Jens Kan und Michael Nehring die Schwerter Brauerei-Tradition wiederbeleben. In ihrer Mikro-Brauerei haben sie dem Kellerbier „Ostermann Urtyp“ die letzte Geschmacksnote gegeben. Er wurde nach einem Originalrezept der vor 100 Jahren stillgelegten Ostermann-Brauerei am Bahnhof entwickelt. © Reinhard Schmitz

Den letzten Schliff erhielt das Urtyp bei mehreren Probsuden zu Hause in der Mikro-Brauerei. „Schwerter Bier“ durfte es allerdings nicht heißen. Das Markenrecht an diesem Namen hatte sich schon die Meißener Schwerter Brauerei gesichert. Beim Namen Ostermann gab das Deutsche Patent- und Markenamt aber grünes Licht. Das Logo mit den drei Jahreszahlen 1863 (Gründung), 1920 (Schließung) und 2020 (Wiederbelebung) konnte entworfen werden.

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Ganz professionell gehen die neuen „Ostermänner“ ihre Sache an. Anders als andere Brauer, deren Pläne für eine teure Braustätte an der Rohrmeisterei eine Vision blieben, setzen sie zunächst einmal auf einen gangbareren Weg. Wie viele Craft-Brauereien nutzen sie das feine Brau-Atelier der Pott´s-Brauerei in Oelde: „Wenn es ankommt, werden wir die Menge steigern.“ Man ist schon in Gesprächen mit Gastronomen und Spezialitäten-Läden, die das Bier „von Schwertern für Schwerter“ anbieten könnten. Folgen soll auch die Entwicklung weiterer Sorten. Und mittel- bis langfristig könnte auch wieder ein Brauhaus in der Ruhrstadt entstehen.

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Der erste Sud vom "Ostermann Urtyp"

"Ostermann Urtyp" heißt das Kellerbier, das nach dem rekonstruierten Originalrezept der früheren Ostermann-Brauerei Schwerte gebraut worden ist. Den ersten Sud von 15 Hektolitern produzierte Michael Nehring mit seinen Mitgesellschaftern der Ostermann Braumanufaktur im Brauatelier der Pott´s Brauerei im münsterländischen Oelde.
20.02.2020
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Vor dem Brauen gibt es eine Besprechung mit Braumeister Daniel Hefele (r.).© Peter Dunke
Die Brauanlage im Brauatelier bei der Pott´s Brauerei in Oelde.© Peter Dunke
Die Gerste wird zum Schroten in die Schrotmühle geschleppt.© Peter Dunke
Verschiedene Malze tragen zu einem besonderen Aroma bei.© Peter Dunke
Riechprobe am Malz.© Peter Dunke
Vor dem Einmaischen wird der Brauprozess besprochen.© Peter Dunke
So sieht das Ostermann Urtyp beim Einmaischen aus.© Peter Dunke
Der Hopfen wird vorbereitet.© Peter Dunke
Der Hopfen wird zugegeben.© Peter Dunke
Die Farbe des Biers wird kontrolliert. Leucht-dunkel bernsteinfarben soll das Ostermann Urtyp sein.© Peter Dunke
Mit den Spindel steuern die Braumeister die Vorgänge im Brauatelier.© Peter Dunke
Das Ostermann Urtyp wird in den Gärtank umgefüllt.© Peter Dunke
Die Gährung wird kontrolliert.© Peter Dunke

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