Coronavirus: Pfarrer Themann sagt bis auf Weiteres alle Gottesdienste und Veranstaltungen ab

dzLungenkrankheit

Gemeinde bedeutet Gemeinschaft. Die dürfen Kirchengemeinden in Zeiten von Corona aber nicht mehr pflegen. Pfarrer Themann hat alle Gottesdienste, Treffen und andere Zusammenkünfte abgesagt.

Selm

, 17.03.2020, 07:20 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind ... So lautet der Refrain eines modernen Kirchenliedes. Eine solche Zusammenkunft - ob zu zweit oder zu dritt oder zu hundert - darf es seit dem Wochenende (14./15. 3.) aber gar nicht mehr geben: aus Sorge um eine Übertragung des Coronavirus.

„Wir haben sämtliche Veranstaltungen auf unbestimmte Zeit abgesagt“, sagt Claus Themann, der Pfarrer der Selmer Kirchengemeinde St. Ludgerus. Eine Entscheidung, die ihm und den anderen Verantwortlichen sehr schwer gefallen sei. Aber besondere Zeiten erforderten besondere Maßnahmen: „Wir müssen alle dafür sorgen, dass sich das Coronavirus nicht weiterhin so schnell ausbreitet.“

Pfarrer Themann musste die Notbremse ziehen: Alle Veranstaltungen fallen aus.

Claus Themann ist froh, dass nun mit dem Pfarrheimbau begonnen wird. © Foto: Theo Wolters

Den vorerst letzten Gottesdienst hat die Kirchengemeinde am Samstag um 17 Uhr in St. Ludger gefeiert. Die Messe um 18.30 Uhr in der neuen Kapelle von St. Josef war bereits ausgefallen - die Sonntagsgottesdienste ebenso. Die Gläubigen seien nicht allein gelassen worden vor den verschlossenen Kirchentüren, sagt Claus Themann. Mitglieder des Seelsorgeteams hätten jeweils erklärt, warum der Schritt unvermeidlich sei. Kirchenbesucher nach Hause schicken zu müssen: „Das ist schon eine seltsame Situation.“

Die meisten zeigen Verständnis

Bei den meisten sei die Absage auf Verständnis gestoßen. „Zu den Gottesdiensten waren ohnehin deutlich weniger gekommen“, sagt der Pfarrer. Normalerweise seien es rund 100, die sich Samstag abends in St. Ludger versammelten, „jetzt waren es vielleicht noch 35“. Und in St. Josef hätten keine zehn vor der Tür gestanden: ein Zeichen, dass die bundesweiten Appelle, soziale Kontakte auf ein Minimum einzuschränken Gehör finden würden - wenn auch nicht bei allen.

„Natürlich“, sagt Themann, „gibt es auch einige wenige, die sich wundern.“ Wer glaube, dass Gott auf seiner Seite sei, brauche nichts zu fürchten, sagten diese und meinten, mit dem Verzicht aufs Händeschütteln sei es schon getan. Themann: „Denen ist noch nicht der Ernst der Situation klar geworden“ - anders als den Verantwortlichen des Bistums.

Bistum hat strenge Vorgaben gemacht

Bischof Felix Genn hat nicht nur mitteilen lassen, dass Gottesdienste und weitere Veranstaltungen vorerst nicht stattfinden können. In einer Dienstanweisung an die Verantwortlichen der Gemeinden schreibt er, Taufen, Trauungen und Beerdigungen seien nur erlabt, „wenn sie nicht verschiebbar sind und unter strengen Auflagen“. Die für die kommenden Wochen anstehenden Firmungen hatte das Bistum bereits abgesagt.

Die Kirche St. Ludgerus bleibt vorerst geschlossen - genauso wie die anderen Gotteshäuser auch.

Die Kirche St. Ludgerus bleibt vorerst geschlossen - genauso wie die anderen Gotteshäuser auch. © Carina Strauß

Die Dienstanweisung des Bistums reicht offiziell nur bis zum 4. April. Der Ausblick darüber hinaus ist aber wenig hoffnungsfroh: „Auch die Gottesdienste in den Kar- und Ostertagen müssen vermutlich entfallen.“ Das befürchtet auch schon Claus Themann. Ostern, das Hochfest der Christen, ohne Gottesdienst zu feiern - das mag er sich zwar nicht vorstellen, „aber es sieht ganz danach aus.“Der Vatikan hatte bereits am Wochenende angekündigt, Ostern ohne Besucher zu feiern.

Über Beerdigungen ist noch zu reden

In den vergangenen Tagen hatten sich auch für Themann und seine Kollegen die Ereignisse überschlagen. Noch Ende vergangener Woche war nicht die Rede von einem Ausfall der Gottesdienste. Die Situation sei eben ernster als zunächst gedacht.

Beerdigungen, die bereits besprochen sind, finden statt, wie Themann betont. Zu künftigen Sterbefällen könne er noch nichts sagen. In Italien ist die Zahl der Teilnehmer einer Beerdigung streng limitiert - auf weniger als zehn Personen.

Die Gemeindebüros in St. Josef und St. Stephanus sind ab sofort geschlossen. Das Pfarrbüro St. Ludger ist aber telefonisch aber erreichbar; montags, dienstags mittwochs und freitags in der Zeit von 10 bis 12 Uhr, sowie montags, mittwochs und donnerstags von 15 bis 17 Uhr unter 02592/1353.
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