Corona-Epidemie schränkt öffentliches Leben immer mehr ein

Nach der Absage aller Großveranstaltungen im Land wegen der Corona-Krise streichen immer mehr Städte auch kleinere Konzert- und Theatershows. Ministerpräsident Laschet mahnt unterdessen gemeinsames Handeln der Länder an. Die Zahl der Fälle ist abermals gestiegen.

12.03.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Zur Eindämmung der Corona-Epidemie werden in Nordrhein-Westfalen immer mehr Bereiche des kulturellen und öffentlichen Lebens lahm gelegt. Zahlreiche Theater und Konzerthäuser im Land sagten am Donnerstag Veranstaltungen ab - darunter auch solche die keine Teilnehmerzahlen von mehr als 1000 Menschen erreicht hätten.

Am Donnerstag stiegen die nachgewiesenen Erkrankungen mit dem Erreger Sars-CoV-2 im bevölkerungsreichsten Bundesland auf 1041, wie das Gesundheitsministerium am Nachmittag (Stand: 16.30 Uhr) mitteilte. Am Mittwochnachmittag waren es 801 gemeldete Infektionen gewesen. Besonders betroffen bleibt der Kreis Heinsberg mit 483 registrierten Fällen. Deutschlandweit wurden einer Auswertung der Deutschen Presse-Agentur zufolge bislang mehr als 2400 Infektionen gemeldet. Fünf mit dem Virus infizierte Erkrankte sind bislang bundesweit gestorben, drei davon in Nordrhein-Westfalen.

Eltern- und Lehrerorganisationen forderten landesweite Schulschließungen. Es sei inkonsequent, Veranstaltungen mit mehr als 1000 Besuchern abzusagen, den Betrieb an Schulen mit weit mehr Schülern aber weiterlaufen zu lassen. „Wir bekommen viele Anrufe besorgter Eltern“, sagte die NRW-Elternvereins-Vorsitzende Andrea Heck.

„Es wäre vernünftig, wie in Österreich, Dänemark, Polen und Italien die Schulen zu schließen“, sagte Heck. Die „Rheinische Post“ hatte zuerst berichtet. „Schulschließungen dürfen kein Tabu sein“, forderten auch die drei größten Lehrerorganisationen in NRW - GEW, Philologen-Verband und VBE.

Um die Ausbreitung zu verlangsamen, stoppten etwa in Düsseldorf Oper, Schauspielhaus und Tonhalle den Spielbetrieb bis zum 2. April. Dort fallen weit über hundert Veranstaltungen aus. Ähnlich in Köln: Das Kölner Schauspielhaus, die Oper und die Philharmonie sagten wegen der Corona-Epidemie bis einschließlich Karfreitag alle Veranstaltungen ab.

In Paderborn erklärte das Heinz Nixdorf Museumsforum, es bleibe bis zum 30. März geschlossen. Es sei ein besonders interaktives Museum, in dem es viel zum Berühren und Ausprobieren gebe. „Was ansonsten eine große Attraktion ist, birgt nun die Gefahr der Virenübertragung“, erklärte das Computermuseum.

Wegen der Maßnahmen gegen das Coronavirus sagte die Philharmonie Essen beispielsweise ein für Freitag geplantes Konzert mit dem Royal Concertgebouw Orchestra aus Amsterdam ab. Das Orchester habe mitgeteilt, dass eine Einreise nach Nordrhein-Westfalen wegen einer ministerialen Empfehlung nicht infrage komme, berichtete die Philharmonie. Auch in der Stadt Dortmund fallen bis Mitte April alle öffentlichen Kulturveranstaltungen aus. „Dazu gehören auch die Veranstaltungen des Theater Dortmund und des Konzerthaus Dortmund“, hieß es. Das Schauspielhaus Bochum strich zunächst alle Vorstellungen bis einschließlich 15. März. Das Theater Aachen sagte alle Vorstellungen im Großen Haus und in der Kammer bis einschließlich 10. April ab.

Inzwischen beginnt das Virus auch die Vorbereitungen der Parteien auf die Kommunalwahlen im Herbst zu behindern: Die Kölner Grünen sagten ihre für das kommende Wochenende geplante Kreismitgliederversammlung ab. An dem Termin sollte eigentlich die Ratsreserveliste für die Wahl aufgestellt werden. Die CDU in Köln sagte wegen der „Bedrohungslage“ durch das Coronavirus ihren am Samstag geplanten Kreisparteitag mit der Wahl eines neuen Parteivorstandes ab.

Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) warnte am Donnerstag vor Alleingängen von Ländern in der Coronavirus-Krise. „Die Ausbreitung des Virus können wir nur durch gemeinsames, abgestimmtes Handeln im Länderkreis und kluges, konsequentes Vorgehen verlangsamen“, sagte Laschet der Deutschen Presse-Agentur vor Beratungen der Ministerpräsidenten am Donnerstag in Berlin.

Zur Lösung der Corona-Krise brauche es starke Länder, die bereit seien, Verantwortung zu übernehmen. „Wir setzen auf eine enge Abstimmung. Alleingänge helfen nicht, sondern verunsichern nur“, sagte Laschet. „Gerade in einer solchen Krisensituation zeigt sich: Der Föderalismus ist eine Chance, und er fordert uns zugleich. Länder und Kommunen können vor Ort am besten beurteilen und entscheiden, was notwendig ist für das öffentliche Leben in Abwägung mit dem Schutz der Gesundheit.“

Gleichzeitig brauche es einen sehr engen Austausch, auch mit dem Bund. Nordrhein-Westfalen sei mit Bayern und Schleswig-Holstein zusammen vorangegangen. „Aber es braucht eine abgestimmte Haltung. Ein Abwälzen von Entscheidungen ist in dieser Krise nicht angemessen. Es ist jetzt Übernahme von Verantwortung gefordert.“

Als Reaktion auf die Ausbreitung waren bereits zuvor Maßnahmen beschlossen worden, die spürbare Einschnitte in das Leben zur Folge haben: Am Mittwoch erging der Erlass der Landesregierung, dass in NRW alle Veranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern ausfallen sollen. Als Konsequenz daraus finden auch Profi-Fußballspiele bis auf Weiteres ohne Zuschauer statt. Auch wurden wegen des Coronavirus in NRW alle Schulausflüge und Klassenfahrten bis zu den Osterferien abgesagt. Die Schulferien beginnen am 6. April.

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