Coronavirus in Selm: Wie läuft der Alltag jetzt eigentlich in der Flüchtlingsunterkunft?

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70 Menschen leben zusammen in der Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge an der Industriestraße in Selm. Welche Auswirkungen haben die Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus dort?

Selm

, 29.03.2020, 14:20 Uhr / Lesedauer: 2 min

In der kommunalen Flüchtlingsunterkunft an der Industriestraße in Selm gibt es eigentlich Platz für 200 Menschen. Im April 2017 hat die Unterkunft unter Trägerschaft des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) den Betrieb aufgenommen - und lief dabei nicht immer unter „Vollbesetzung“. 98 Menschen lebten dort im August 2019, jetzt gerade sind es 70 Menschen. Eigentlich wenig für diese Einrichtung. Mit Blick auf das sich gerade immer weiter ausbreitende Coronavirus aber doch ziemlich viel: die 70 Menschen leben an der Industriestraße in einer Gemeinschaftsunterkunft, teilen sich Küche und Essbereich oder Gemeinschaftszimmer.

Corona hat den Alltag in der Unterkunft genauso wie im Rest der Stadt deutlich verändert, wie Stefanie Krampe von den DRK-Betreuungsdiensten Westfalen-Lippe

auf Anfrage der Redaktion erklärt. Die Bewohner, so sagt sie, verhalten sich aber vorbildlich. „Sie halten Abstand und verlassen das Gelände in der Regel nicht. Die Tische in der Küche stehen nicht mehr beisammen, sondern haben einen deutlichen Abstand von mehr als drei Metern zueinander“, erklärt sie.

Jeder Bewohner in einem eigenen Raum

Es gebe Markierungen auf dem Boden, an denen sich die Bewohner orientieren können. Den Info-Point dürfen nur noch zwei Personen zugleich betreten. „Die Bewohner halten sich in der Regel im Familienverbund auf, gemeinsame Aktivitäten wie zum Beispiel TV-Abende, gibt es nicht mehr. Jeder Bewohner lebt zurzeit in einem eigenen Raum - ausgenommen Familien“, so Stefanie Krampe. Besucher dürfen das Gelände außerdem nicht mehr betreten.

Die Bewohner sind in Einzelgesprächen über das Virus und die Vorbeugungs- und Hygienemaßnahmen aufgeklärt worden, erklärt sie außerdem. „Es gibt zusätzlich Erklärungen und Piktogramme in allen relevanten Sprachen, die an mehreren Stellen auf dem Gelände ausgehängt sind. Damit soll auch hier eine Bildung von Menschenansammlungen vermieden werden.“

Kinderbetreuung läuft gerade nicht

Innerhalb der Unterkunft gelten die Bewohner der Einrichtung als Gemeinschaft, erklärt Stefanie Krampe vor dem Hintergrund der Regeln, die zur Verlangsamung der Verbreitung des Virus aufgestellt worden sind. Das Kontaktverbot sieht ja zum Beispiel vor, dass in einem Haushalt lebende Menschen gemeinsam spazieren oder einkaufen gehen können. So ist das auch bei den Bewohnern der Flüchtlingsunterkunft. „Außerhalb des Geländes greift der Familienbegriff“, so Stefanie Krampe.

Wie auch im Rest von Selm (und von Deutschland) läuft auch die Kinderbetreuung in der Unterkunft gerade ein bisschen anders. „Bei dem Angebot an der Industriestraße handelt es sich nicht um eine Kita, sondern um ein zeitweises, niederschwelliges pädagogisches Angebot für einzelne Bewohner-Kinder. Das findet zurzeit nicht statt“, erklärt Stefanie Krampe. Vier bis fünf Kinder nutzen dieses Angebot sonst im Regelfall, sagt sei. Eine Notbetreuung gibt es für die Corona-Zeit nicht. Denn: „Die Eltern sind vor Ort.“

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