„Ungeschützt an die Front“: Hausärzte beklagen fehlende Schutzartikel

Coronavirus

Der Coronavirus breitet sich in NRW aus - und mit ihm die Unsicherheit, was zu tun ist. Das betrifft auch Hausärzte. In einem Brief beklagen sich nun einige, dass es an Schutzartikeln fehle.

Witten

03.03.2020, 16:22 Uhr / Lesedauer: 2 min
Mediziner Arne Meinshausen und einige weitere Hausärzte im Ruhrgebiet beklagen mangelnde Ausstattung mit Schutzkleidung, Masken und Desinfektionsmittel.

Mediziner Arne Meinshausen und einige weitere Hausärzte im Ruhrgebiet beklagen mangelnde Ausstattung mit Schutzkleidung, Masken und Desinfektionsmittel. © picture alliance/dpa

Angesichts der steigenden Zahl von Coronavirus-Infektionen beklagen Hausärzte aus dem Ruhrgebiet in einem Brandbrief mangelnde Ausstattung mit Schutzkleidung und Desinfektionsmitteln. Die Haus- und Kinderärzte sollen „ungeschützt an die Front geschickt werden“, heißt es in dem Schreiben, das die Ärztliche Qualitätsgemeinschaft Witten (ÄQW), ein Zusammenschluss der meisten Ärzte aus der Ruhrgebietsstadt, an Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und seinen nordrhein-westfälischen Amtskollegen Karl-Josef Laumann (beide CDU) geschickt hat. Die Zeitung „WAZ“ hatte zuvor berichtet.

„Der derzeitige Mangel ist bekannt“, hieß es auf Anfrage aus dem NRW-Gesundheitsministerium. Allerdings sei es Aufgabe der Arbeitgeber - also Arztpraxen und Krankenhäusern - entsprechende Schutzausrüstungen in ausreichendem Maße vorzuhalten. Zusammen mit den Kassenärztlichen Vereinigungen und der Ärztekammer prüfe das Ministerium derzeit zahlreiche Möglichkeiten, vorhandenes Material besser zu verteilen und zusätzliches zu beschaffen.

Entnahme von Proben ohne Schutzkleidung „hochgefährlich“

Aktuell fühlen sich einige Ärzte alleingelassen: Ohne ausreichend Schutzkleidung und Masken sei eine Probengewinnung in den Praxisräumen „hochgefährlich“, betonte der Mediziner Arne Meinshausen, der als ÄQW-Geschäftsführer das Schreiben unterzeichnet hat, am Dienstag. „Da kommt doch kein Patient mehr in die Praxis. Und wenn nur einer meiner Mitarbeiter erkrankt, ist der ganze Laden zwei Wochen lang dicht“, sagte er.

Die Gemeinschaftspraxis, in der er arbeitet, sei daher auch zur „Coronafreien-Zone“ erklärt worden: Verdachtsfälle würden nicht getestet, sondern an das Gesundheitsamt verwiesen. Ursprünglich sahen die Empfehlungen von Ärztekammern, Kassenärztlichen Vereinigungen und Landesgesundheitsministerium vor, dass Ärzte bei einem Hausbesuch einen Abstrich nehmen sollten.

Patienten sollen angeleitet werden, den Test selbst durchzuführen

Inzwischen habe die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen Lippe reagiert und empfohlen, die Patienten sollten angeleitet werden, den Abstrich im Rachen für den Test selbst oder zuhause durchzuführen, sagte Meinshausen. „Ob so aussagekräftige Proben gewonnen werden können, bleibt dahingestellt“, sagte Meinshausen. Das Problem der fehlenden Schutzartikel bleibe. „Das Zeug ist ja da und der Staat muss Sorge tragen, dass es so umverteilt wird, damit es da ankommt, wo es gebraucht wird“, sagte Meinshausen.

Der Hausärzteverband Nordrhein sieht keinen Anlass zur Sorge, was die Ausrüstung mit Schutzartikeln betrifft. „Eine Notsituation, die über den Einzelfall hinausgeht, ist uns nicht bekannt“, sagte eine Sprecherin. Um das Risiko einer Ansteckung und Ausbreitung des Virus einzugrenzen, bedürfe es auf lokaler Ebene einer guten Abstimmung zwischen Gesundheitsbehörden, Krankenhäusern und Ärzten. „Dann kriegen wir das auch gut bewältigt“, sagte Monika Baaken, Sprecherin des Hausärzteverbandes.

dpa

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