Absagen wegen Coronavirus: Schwerter Betriebe bleiben auf Produkten sitzen

dzWirtschaft in Schwerte

Das Coronavirus bremst die Geschäftsbeziehungen von Schwerter Unternehmen. Kundenbesuche und Messen fallen aus. Vorbereitungskosten von fast 100.000 Euro können da schnell verloren sein.

Schwerte

, 06.03.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Handy-App bleibt grün. Deshalb können Chinesen noch unbesorgt in die Ruhrstadt reisen. Aber wehe, sie würden sich Heinsberg nähern, wo das Virus schon aufgetreten ist. Dann würde die Ampel per Satellitenortung sofort auf Rot springen und den Behörden in der Heimat automatisch signalisieren: Wiedereinreise nach China derzeit untersagt. Diese Nachricht macht derzeit unter Betrieben die Runde, die Geschäftskontakte in das fernöstliche Land pflegen. Und diese Kontakte werden durch die um sich greifende Corona-Angst deutlich erschwert.

Ausgaben für Stände und Hotel-Reservierungen sind verloren

So sagten die chinesischen Kunden des Westhofener Maschinenbauers RSA ihre Einladung zu der größten Rohr-Fachmesse Tube in Düsseldorf ab. Kurz darauf nahmen auch die Amerikaner und Mexikaner ihre Zusagen zurück. Schließlich wurde die komplette Messe gestoppt, die vom 30. März bis zum 3. April Besucher aus aller Welt anlocken sollte.

„Wir haben 400 bis 450 Kunden erwartet“, sagt RSA-Geschäftsführer Thomas Berg. Mit ihnen fehlt jetzt der Ertrag, aber die Kosten bleiben. Rund 90.000 Euro hätten vor allem die Standgebühren, Auf- und Abbau und die gebuchten Hotel-Übernachtungen gekostet, rechnet Thomas Berg vor. Wie gut, dass er diesmal wegen der konjunkturellen Lage ohnehin schon eine Nummer kleiner geplant hatte. In früheren Jahren war schon mal das Doppelte in den Messeauftritt investiert worden.

Das Recycling von alten Kunststofffenstern zählt zum Kerngeschäft des Westhofener Entsorgungs-Unternehmens Biotrans. Dafür wollte man auf der abgesagten Messe werben.

Das Recycling von alten Kunststofffenstern zählt zum Kerngeschäft des Westhofener Entsorgungs-Unternehmens Biotrans. Dafür wollte man auf der abgesagten Messe werben. © Reinhard Schmitz (A)

Auch der Westhofener Entsorger Biotrans, der sich mit dem Recyceln von Fenstern und anderen Baustoffen wie Holz beschäftigt, wurde von einer Messe-Absage kalt erwischt. Die Firma hatte sich auf die Teilnahme an der „Fensterbau Frontale“, der Welt-Leitmesse für Fenster, Türen und Fassaden Mitte März in Nürnberg vorbereitet. „Alle, die mit Fenstern zu tun haben, sind da“, berichtet Mitarbeiter Manfred Bille. Und verdeutlicht die Bedeutung des Branchentreffens mit den Zahlen aus dem Vorjahr, wo man allein „40 bis 50 Neukunden auf der Messe geworben“ habe: „Das ist schon enorm.“

Japanische Universitäts-Delegation sagte bei Biotrans ab

Biotrans hat allerdings Glück im Unglück. Die „Fensterbau Frontale“ wird nicht komplett abgesagt, sondern nur verschoben, so dass sich die Verluste für die Firma in Grenzen halten.

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Der Stand werde dann eben zu einem anderen Zeitpunkt aufgebaut, sagt Manfred Belle. Und auch die Akquise von neuen Kunden könne dann später geschehen. Nachgeholt wird auch der Besuch einer japanischen Universitäts-Delegation in dem Betrieb an der Hagener Straße 400, der eigentlich am vergangenen Freitag stattfinden sollte – bevor Corona dazwischen kam.

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Von den Auswirkungen der Virus-Ausbreitung betroffen ist bereits mehr als die Hälfte der regionalen Wirtschaft, wie die Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Dortmund bei einer Umfrage unter ihren Mitglieds-Unternehmen festgestellt hat. Drei Viertel der befragten Betriebe leide schon jetzt unter Lieferverzögerungen, heißt es in der Auswertung. Und zwei Drittel hätten angegeben, von Einschränkungen bei Dienstreisen betroffen zu sein.

Chinesen kommen nicht zur Anlagen-Abnahme bei RSA

Davon kann auch RSA-Chef Thomas Berg berichten. Die Tätigkeit im Vertrieb werde eingeschränkt, da viele Kunden Termine absagten – auch im Außendienst. In Skandinavien sei beispielsweise eine Reise seit drei Wochen geplant gewesen: „Aber der Mitarbeiter darf die Betriebe jetzt nicht betreten.“

Umgekehrt kämen Geschäftspartner aus China nicht zur Abnahme fertiger Anlagen nach Westhofen, was die Auslieferung erheblich in die Länge zieht.

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Mit diesem Problem steht RSA nicht allein. Im IHK-Bereich rechnen 60 Prozent aller Firmen in naher Zukunft mit Lieferverzögerungen und Umsatzeinbußen. 44 Prozent von ihnen befürchten auch einen Rückgang der Auftragslage durch das Coronavirus.

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