Coronavirus: 35 Infizierte in NRW - Entwarnungen in Witten und Duisburg

Lungenkrankheit

In NRW sind 35 Menschen am Coronavirus erkrankt. In Düsseldorf wurde inzwischen der erste Fall gemeldet. Für die Verdachtsfälle in Duisburg und Witten hat es Entwarnung gegeben.

NRW

28.02.2020, 11:38 Uhr / Lesedauer: 3 min
Alle Besucher und ihre Familien der Karnevalsveranstaltung müssen für 14 Tage in häusliche Quarantäne.

Alle Besucher und ihre Familien der Karnevalsveranstaltung müssen für 14 Tage in häusliche Quarantäne. © picture alliance/dpa

Es scheint wie Alltag an einem regnerischen Februartag: In Cafés sitzen einige Gäste. Die Geschäfte sind geöffnet. Aber hinter den Fassaden wird deutlich, dass die Vorsichtsmaßnahmen vor dem Coronavirus tief in den Alltag der 12.500 Einwohner zählenden Gemeinde Gangelt an der deutsch-niederländischen Grenze eingreifen. In einem Supermarkt stehen im Nudelregal nur noch wenige Packungen und eine Kassiererin meint, dass deutlich mehr gekauft werde als sonst üblich.

1000 Menschen im Kreis Heinsberg in Quarantäne

Es ist Tag zwei nach dem ersten Coronavirus-Nachweis in NRW. Der Kreis Heinsberg geht von schätzungsweise 1000 Menschen in vorsorglicher häuslicher Quarantäne nach den ersten Infektionsfällen mit dem neuartigen Coronavirus aus. Schulen und Kindergärten im Kreis sind vorerst geschlossen, auch alle Kreisbehörden und Gerichte sind für den Publikumsverkehr dicht.

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Virus in Düsseldorf nachgewiesen

Wie am Abend bekannt wurde, sind 14 weitere Personen nachweislich mit dem neuartigen Coronavirus infiziert. Der Kreis Heinsberg und das NRW-Gesundheitsministerium teilten mit, dass sich die Zahl der bestätigten Covid-19-Fälle im Kreis Heinsberg damit auf 20 erhöht habe.

Am Freitagnachmittag vermeldete NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU), dass die Zahl der Infizierten auf 35 gestiegen sei.

Von den neu Infizierten leben neun in Gangelt. Zwei Erkrankte stammen aus Selfkant, einer aus Heinsberg, einer aus Herzogenrath – und einer lebt in Düsseldorf. Damit hat das Virus zum ersten Mal in NRW eine Großstadt erreicht.

Wie die Rheinische Post berichtet, wurde am Freitag (28. Februar) auch in Düsseldorf der erste Coronavirus-Patient bestätigt. Demnach handelt es sich um einen Mitarbeiter der Unternehmensberatung Ernst&Young. Die junge Frau aus Düsseldorf hingegen, die sich mit dem Coronavirus infiziert hat, war seit neun Tagen nicht mehr in der Stadt. Das hat ein Sprecher der Stadt Düsseldorf am Freitag mitgeteilt. Sie sei seit über einer Woche bei ihrem Freund in Heinsberg und habe mit ihm dort Karneval gefeiert. Ihr Freund sei ebenfalls erkrankt. Die beiden befänden sich in Heinsberg in häuslicher Quarantäne.

Karnevalsverein gilt als Corona-Quelle

Gangelt und der Kreis Heinsberg sind ländlich geprägt, nicht vergleichbar mit Ballungsgebieten. Der Bürgermeister von Gangelt, Bernhard Tholen (CDU), steht bei einem Telefonat am Donnerstag noch hörbar unter dem E indruck der Ereignisse.

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In kürzester Zeit hat das Virus in seiner Gemeinde eine beachtliche Dramatik entfaltet: Am 15. Februar feiern 300 Jecken bei der Kappensitzung des Karnevalsvereins „Langbröker Dicke Flaa“. Die Stimmung sei gut gewesen, erinnert sich Präsident Wilfried Gossen. Dass der kleine Verein nun plötzlich überregional als eine mögliche Coronavirus-Quelle gelte, sei natürlich nicht schön. „Aber es ist nun mal so, wir können ja nichts daran ändern“, sagt Gossen.

Unter den Feiernden ist der 47-jährige Mann, bei dem das Virus zum ersten Mal in NRW nachgewiesen wird. Außerdem seine Ehefrau. Beide werden in der Uniklinik Düsseldorf behandelt. Der Zustand des 47-Jährigen Mannes ist den Angaben nach weiterhin ernst. Nach dem Nachweis der Infektion geht es darum, rasch Kontaktpersonen und damit potenzielle Virusträger festzustellen und zu isolieren. Die 300 Jecken der Kappensitzung sind aufgerufen, sich beim Kreis zu melden. Sie und ihre Familien werden noch am Mittwoch unter häusliche Quarantäne gestellt.

Rund 70 Kinder aus Kita getestet

Ebenso die Kinder und das Personal des Kindergartens, in dem die ebenfalls infizierte Ehefrau arbeitet. Die Quarantänezeit beträgt in der Regel 14 Tage. In dieser Zeit müssten sich bei einer Infektion Symptome bemerkbar machen. Noch am Donnerstag sollten 65 bis 70 Kinder der Einrichtung sowie deren Eltern auf das neuartige Coronavirus getestet werden.

Die Quarantäne-Maßnahmen führen in der Gemeindeverwaltung zu einem Personalengpass, wie Bürgermeister Tholen schildert: „Die Maßnahmen ziehen natürlich Kreise. Das führt jetzt dazu, dass sich drei Löscheinheiten der Feuerwehr abmelden mussten.“ Vier Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung, die bei der Kappensitzung mit dabei waren, mussten zuhause bleiben, „die aber bis gestern noch kerngesund gearbeitet hatten“, betont der Gemeindechef. 20 von 40 Mitarbeitern fehlten, inclusive ein paar Urlaubern. „So wird das natürlich immer schwieriger, den Betrieb aufrecht zu erhalten und den Menschen zu helfen“ - Menschen, die erst einmal nicht mehr raus dürfen.

Freunde, Verwandte, Nachbarn - grundsätzlich sei das auf dem Land nicht schwer, Helfer zu finden, die für die isolierten Menschen einkaufen gingen, sagt Kreis-Sprecher Ulrich Hollwitz. Im Notfall würden Organisationen wie das Deutsche Rote Kreuz einspringen. In Gangelt hat der Bürgermeister aber einfach auch ein paar Händler angerufen mit der Bitte, den Lieferservice auszuweiten. Aber: „Wenn das so weitergeht, dann wären wir bald so weit, dass wir alle unter Quarantäne stehen“, sagt er.

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Gute Nachrichten aus Heinsberg - Verdachtsfälle entkräftet

Den vier Neuinfizierten geht es den Umständen entsprechend gut, verkündet der Heinsberger Landrat Stephan Pusch (CDU) am Donnerstagnachmittag. Endlich eine gute Nachricht. Am Morgen hat er das infizierte Ehepaar vor Social-Media-Debatten in Schutz nehmen müssen: „Sie verdienen unser Mitgefühl, nicht Vorwürfe.“ Jeden „von uns“ hätte es treffen können. „Wer von uns hätte auf fest gebuchte Karnevalsveranstaltungen verzichtet, weil er etwas erkältet ist?“, fragte Pusch in einer Facebook-Videobotschaft.

Wie die WAZ berichtet, haben sich die Verdachtsfälle in Duisburg und Witten nicht bestätigt. Demnach seien die Proben der „ernsthaften Verdachtsfälle“ in Witten negativ ausgefallen. Gleiches gelte für das isolierte Paar aus Duisburg. Dafür stehe ein italienisches Paar, das zu Gast in Duisburg ist, unter Infektionsverdacht.

dpa/kar

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