Corona: Nahverkehr-Nachfrage weiterhin deutlich geringer

Die Verkehrsunternehmen in NRW sind noch weit davon entfernt, wieder so viele Fahrgäste wie früher in Bussen und Bahnen zu transportieren. Doch die Zahlen steigen, sagt das Verkehrsministerium. Eine Kampagne soll die Bürger ermutigen, wieder häufiger den Nahverkehr zu nutzen.

27.07.2020, 06:22 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der öffentliche Nahverkehr hat weiterhin mit den Folgen der Corona-Pandemie zu kämpfen. Die Auslastung von Bussen und Bahnen in Nordrhein-Westfalen ist immer noch deutlich geringer als üblich. „Ganz grob sind wir ungefähr bei der Hälfte im Vergleich zu Vor-Corona-Zeiten“, sagte der Geschäftsführer des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen NRW, Volker Wente, in Köln auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. Berücksichtigt werden müsse zwar die Ferienzeit, in der viele in Urlaub seien und keine Schüler transportiert würden. Dennoch rechnet er damit, dass nach den Sommerferien „immer noch 20 bis 25 Prozent fehlen“.

Coronabedingte Einschränkungen im Angebot gebe es praktisch keine mehr, betonte Wente. „Es war unser Ansatz, dass wir das Angebot so weit als möglich aufrecht erhalten.“ Entsprechend hofft der Verband, dass die Auslastung bis zum Jahresende wieder bei rund 90 Prozent im Vergleich zu Vor-Corona-Zeiten liegt. Zum Vergleich: Laut Wente lag die Auslastung auf dem Höhepunkt der Corona-Krise nur bei 10 bis 20 Prozent. Der VDV ist der Interessenverband der öffentlichen Verkehrsunternehmen.

Obwohl die Fahrgastzahlen laut NRW-Verkehrsministerium mittlerweile „wieder kontinuierlich“ steigen, ist eine bundesweite Werbekampagne geplant. Unter dem Titel „#BesserWeiter“ wollen die Verkehrsunternehmen bei den Bürgern dafür werben, wieder mehr Bus und Bahn zu fahren. Die Kampagne startet an diesem Dienstag. NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst (CDU) stellt sie am Mittwoch in Düsseldorf offiziell vor.

Auch die Rheinbahn in Düsseldorf verzeichnet wieder mehr Nachfrage. „Die Nutzerzahlen von Bus und Bahn sind in den letzten Wochen spürbar angestiegen. Mittlerweile liegt die Fahrgastauslastung bei etwa 60 Prozent des Normalverkehrs“, sagte Rheinbahn-Sprecherin Heike Schuster. Auch sie geht davon aus, dass die Zahlen nach den Sommerferien weiter steigen.

Im NRW-Zugverkehr ist ebenfalls noch Luft nach oben: Laut Verkehrsministerium meldeten die Aufgabenträger im Schienenpersonennahverkehr Ende Juni Fahrgastzahlen, die bei etwa 60 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum lagen. Aktuell nennen zwei große Player allerdings niedrigere Zahlen. So hieß es bei der Deutschen Bahn: „Momentan verzeichnet DB Regio NRW in ihren Zügen eine Nachfrage, die etwas über der Hälfte im Vergleich zu Nicht-Corona-Zeiten liegt.“ Beim privaten Eisenbahnanbieter Abellio liegen nach Angaben von Sprecherin Julia Limia y Campos die gut frequentierten Linien wie RE 1 oder RE 11 bei 50 Prozent. „Alle anderen bei 30 bis 50 Prozent. Es fehlt das Stück Normalität.“

Der Nachfrage-Einbruch hat massive Auswirkungen auf die Finanzen der Unternehmen. „Extrem weggebrochen ist der Einzelkartenverkauf. Die Abonnenten sind uns weitestgehend treu geblieben“, sagte Wente. Die pandemiebedingten Kündigungsquoten hätten bei fünf bis zehn Prozent gelegen. Mitte Juni wandten sich die NRW-Aufgabenträger daher in einer Resolution an Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) und baten um Hilfe. Darin sagten sie Einnahmeverluste von mehr als einer Milliarde Euro voraus. Die Landesregierung versprach wenig später den geforderten Rettungsschirm - zunächst 700 Millionen Euro groß. 500 Millionen Euro trägt der Bund, 200 Millionen Euro in einer ersten Tranche das Land. Im Herbst will das Land entscheiden, ob weitere Landesmittel nötig sind.

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