Von Schulalltag kann in Corona-Zeiten keine Rede sein. Nach Home-Schooling gibt es nun zeitweise schulischen Unterricht in Kleingruppen. Montag ist das vorbei: Dann sind alle in der Schule.

Selm, Bork, Cappenberg

, 09.06.2020, 14:20 Uhr / Lesedauer: 3 min

Hausarbeiten, Abstandsregeln, Hygienevorschriften, Kleingruppen: Der Schulalltag für Grundschüler hat sich seit Beginn der Corona-Pandemie gravierend verändert. Ab kommenden Montag, 15. Juni, soll jedoch für die 14 Tage bis zu den großen Ferien wieder alles normal laufen - zumindest fast normal: Alle Schüler sollen wieder täglich zur Schule kommen, mit der gesamten Klasse unterrichtet werden und fast so einen Schulalltag erleben wie vor der Coronakrise. So will es das Land. Die Schulen stellt das wieder einmal vor große, logistische Herausforderungen.

Schüler sind diszipliniert und kommen gern zur Schule

Die erste Rückkehr der Selmer Schülerinnen und Schüler zum Präsenzunterricht in der Schule - allerdings in Kleingruppen und an einzelnen Tagen - hatten die Grundschulen sehr gut gemeistert. Auch die Schüler zogen mit. Sie beherzigen die Abstandsregeln, waschen sich regelmäßig die Hände und haben vor allem Spaß am Unterricht. „Ich war überrascht, dass alle Kinder auch wirklich da waren“, sagt Christine Jücker, Leiterin der Overbergschule in Selm, rückblickend. Und sie hat einen positiven Effekt des Chaos bemerkt: „Die Kinder kommen wirklich gerne zu Schule“, ist sie froh.

So lief der Grundschulunterricht in Zeiten von Corona bisher: Die Kinder haben Einzeltische und sitzen in ausreichendem Abstand zueinander.

So lief der Grundschulunterricht in Zeiten von Corona bisher: Die Kinder haben Einzeltische und sitzen in ausreichendem Abstand zueinander. © Marie Rademacher (Archiv)

Die positiven Erfahrungen der letzten Wochen geben den Schulleitungen der Selmer Grundschule daher Rückenwind, sich den neuen Herausforderungen zu stellen - und alle drei Schulleitungen wollen und können auf vielen Dingen aufbauen, die sich inzwischen etabliert haben. Doch es ist auch noch einiges zu tun. „Die Aufstellplätze müssen ausgeweitet werden, dazu müssen wir weitere Plätze finden. Für die Pausenzeiten müssen wir den Schulhof in noch mehr Abschnitte unterteilen und vier Pausenzeiten einführen, damit sich die Schüler nicht durchmischen“, erklärt Andrea Dabrowski, Leiterin der Ludgerischule.

Angst vor Durchmischung und um die eigene Gesundheit

Gerade diese Durchmischungsgefahr ist das, wovor die Lehrer am meisten Angst haben. Auch wegen der eigenen Gesundheit. „Ich hoffe, dass wir alle gesund in die Ferien kommen“, sagt Dabrowski. Dazu wird an der Ludgerischule viel getan: Nicht nur während des Unterrichts bleiben die Kinder im Klassenverband in ein und demselben Raum, auch während der Pause bleiben sie zusammen. Und endet die Schule und geht es in die OGS, bleiben auch hier die Kontakte gleich und die OGS findet im Klassenzimmer statt. „Das ist eine personelle Herausforderung“, sagt Dabrowski, denn selbst wenn nur ein Kind pro Klasse die OGS nutzt, muss dafür eine Betreuungsperson bereitgestellt werden.

Schilder an Wänden und Türen weisen auf den einzuhaltenden Abstand hin.

Schilder an Wänden und Türen weisen auf den einzuhaltenden Abstand hin. © Marie Rademacher (Archiv)

Vor allem an der Overbergschule, wo es 14 Klassen gibt, hätte das zum Kraftakt werden können, der erst einmal hätte gestemmt werden müssen. Doch die Dritt- und Viertklässer gehen hier nach Hause und nutzen die OGS nicht, die ersten beiden Schuljahre bleiben im Klassenverband. „Da stocken wir das OGS-Personal mit den Vollzeitlehrern auf“, erklärt Schulleiterin Christine Jücker. Denn auch wenn nur rund ein Viertel der OGS-Schüler das Angebot derzeit in Anspruch nimmt, zusammengelegt werden können die Gruppen nicht. Dann gäbe es wieder eine Durchmischung, die es unbedingt zu vermeiden gilt.


Christine Jücker hat „Bauchschmerzen“

“Mit Bauchschmerzen“ schaut Christine Jücker eher auf den klassischen Unterricht. „Die Kinder sind fit, die stellen sich mit Abstand auf, die sind unglaublich diszipliniert in den Klassenräumen, aber jetzt haben wir sechs Gruppen am Tag hier, ab Montag sind es 14 Klassen, da wird es einfach eng in den Klassenzimmern und der Mindestabstand kann nicht mehr eingehalten werden.“

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Die Selmer Grundschulen haben sich daher mit dem Schulträger abgesprochen, dass auf dem Schulhof und im Schulgebäude Mundschutz getragen wird - und im Unterricht immer dann, wenn ein Lehrer etwas am Platz des Kindes erklären muss. „Dann heißt es ‚Maske auf, ich komme‘“, schildert Jücker.

Zwei Standorte sind ein Segen für Anja Knipping

Was an vielen Tagen im Jahr eher Fluch, ist in diesen Tagen für Schulleiterin Anja Knipping ein Segen: Die zwei Standorte der Grundschule Auf den Äckern. „Ich habe mehr Eingänge, mehr Schulhöfe, mehr Platz“, schildert sie. Und weil zudem noch zu gestaffelten Zeiten mit dem Unterricht begonnen wird, werden sich auf die 210 Kinder in Bork und 90 in Cappenberg, die ab Montag wieder zeitgleich kommen werden, gut verteilen. „Ich brauche nicht so stark zu staffeln.“

Doch Anja Knipping weiß, dass Kinder und Eltern große Angst vor dem kommenden Montag und der Zeit danach haben: „Die ganze Gesellschaft ist auf Abstand getrimmt, und hier werden plötzlich wieder große Gruppen gebildet“, sagt Knipping. Der möglicherweise drohenden Gefahr könne man nur begegnen, indem die Hygienestandards weiter hoch gehalten werden und alle Verhaltensregeln nochmal geschärft werden.

Reinigung der Gebäude wird ein großer Knackpunkt

“Das größte Problem ist auch die Reinigung“, sagt Anja Knipping, denn die Stadt komme mit dem erforderlichen Putzen nicht nach. „Ich hoffe, dass das funktioniert“, sagt Knipping. Denn wenn alle Schüler wieder in der Schule sind, müssen auch alle Räume tagtäglich geputzt und desinfiziert werden - und nicht nur die, die von den Kleingruppen im Wechsel genutzt wurden.

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