Corona-Krise in Lünen: Erste Haushalte können Miete nicht mehr zahlen

dzMietrückstände durch Corona

Einige Mieter geraten wegen Corona in Finanznöte. Sie bitten um Ratenzahlungen und Stundungen. Die Lüner Wohnungsanbieter reagieren bislang entspannt - trotz „schwarzer Schafe“.

Lünen

, 21.05.2020, 09:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Im Zuge der Corona-Krise können die ersten Privathaushalte und Gewerbetreibende in Lünen ihre Miete nicht mehr bezahlen. Das ergab eine Umfrage unserer Redaktion unter den in der Lippestadt aktiven Wohnungsanbietern.

„Wir haben im Stadtgebiet Lünen zum Stichtag 14. Mai zehn Stundungs- und elf Ratenzahlungs-Vereinbarungen geschlossen“, sagte eine Sprecherin der Vivawest Wohnen GmbH (Gelsenkirchen) am Dienstag (19. Mai) im Gespräch mit unserer Redaktion. Vivawest bewirtschaftet in Lünen 7313 Wohnungen.

„Im April genügte es, wenn die Kunden glaubhaft versichern konnten, dass ihre Zahlungsschwierigkeiten auf die Folgen der ‚Corona-Pandemie‘ zurückzuführen sind. Auf Nachweise haben wir - aus Rücksicht auf die besondere Situation - zunächst verzichtet“, sagte die Vivawest-Sprecherin.

Inzwischen würden die Kunden jedoch um Nachweise gebeten. „Liegen solche vor, bestätigen wir die geschlossene Zahlungsvereinbarung. Wir berücksichtigen dabei besondere Einzelfälle und reagieren entsprechend“, erklärte die Sprecherin.

Weil ein Ende der Corona-Krise nicht abzusehen ist, bietet Vivawest, wie es Dienstag hieß, seinen „Kunden an, sich vertrauensvoll an uns zu wenden, wenn sie aufgrund der Corona-Krise Schwierigkeiten im Zusammenhang mit der Mietzahlung bekommen“.

Hintergrund der Stundungs-Aktion ist ein vom Bundestag und Bundesrat im März verabschiedetes Gesetz, wonach Mietern nicht gekündigt werden darf, wenn diese wegen der Corona-Krise die Miete nicht mehr zahlen können. Das gilt zunächst für Mietschulden aus dem Zeitraum vom 1. April bis zum 30. Juni dieses Jahres. Im Grundsatz bleibt die Verpflichtung der Mieter zur Zahlung der Miete laut Gesetz jedoch bestehen.

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„Es gibt ein paar private und gewerbliche Mieter, denen wegen der Corona-Krise die Einnahmen weggebrochen sind und die deshalb ihre Miete nicht mehr zahlen können“, erklärte Rainer Heubrock, Vorstand der Wohnungsbaugenossenschaft Lünen (WBG Lünen) am Dienstag (19. Mai) auf Anfrage unserer Redaktion. Die WBG bewirtschaftet in der Lippestadt 4.300 Wohnungen.

Als Gründe dafür, dass Mieter ihren Zahlungsverpflichtungen im April und Mai nicht mehr nachkommen konnten, nannte Heubrock Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit: „Oder denken Sie an den kleinen Grillbetreiber, der seinen Laden dicht machen musste und nichts mehr verdiente.“ In der Summe beliefen sich die bisher aufgelaufenen Mietschulden auf 19.300 Euro.

Auch schwarze Schafe unterwegs

Heubrock rechnet damit, dass zu den bisherigen Fällen noch einige dazu kommen werden. „Das Thema Corona wird uns alle noch länger beschäftige.“ Grundsätzlich bleibe es bei der Ansage, dass kein WBG-Mieter wegen Corona seine Wohnung verlieren soll. „Wir suchen mit den Betroffenen nach einer für beide Vertragsparteien einvernehmlichen Lösung.“ Wobei die WBG auch seine „schwarzen Schafe“ nicht aus den Augen verliert: „Es gibt einige, die wollten auf den Corona-Zug aufspringen, obwohl sie schon vorher über längere Zeiträume ihre Miete nicht bezahlt haben“, sagte Rainer Heubrock: „An den Räumungsklagen halten wir natürlich fest.“

Mieter erbringen Nachweise

„Wir haben bisher wenig Schwierigkeiten mit unseren privaten Mietern beziehungsweise deren Mietzahlungen“, sagte Andreas Zaremba, Vorstand des Bauverein zu Lünen. Der Bauverein bewirtschaft in der Lippestadt 4500 Wohnungen.

Bisher gebe es lediglich acht Privathaushalte, die aufgrund von Corona in Zahlungsverzug gekommen sind, sagte Zaremba: „Alle haben entsprechende Nachweise eingereicht, sodass die Miete zu einem späteren Zeitpunkt gezahlt werden kann.“ Die Mietschulden für die Monate April und Mai beliefen sich auf rund 3000 Euro. Daneben seien Stundungs- und Ratenzahlungsvereinbarungen mit 35 gewerblichen Mietern getroffen worden. Deren Mietschulden lägen mittlerweile bei rund 100.000 Euro.

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