Corona-Hotspot Tönnies: Drosten lobt Strategie von Laschet

Coronavirus

Armin Laschet schließt einen regionalen Lockdown nach dem Corona-Ausbruch bei Tönnies nicht mehr aus. Das sagt Virologe Christian Drosten zum drastischen Durchgreifen der Verantwortlichen.

von Alexander Krenn

, 20.06.2020, 12:46 Uhr / Lesedauer: 2 min
Christian Drosten befürwortet die sogenannte vor-Test-Quarantäne für Tönnies-Mitarbeiter.

Christian Drosten befürwortet die sogenannte vor-Test-Quarantäne für Tönnies-Mitarbeiter. © picture alliance/dpa

Der Corona-Ausbruch in Nordrhein-Westfalen auf dem Gelände des Schlachtbetrieb Tönnies in Gütersloh zeigt, wie schnell sich das Coronavirus unter bestimmten Voraussetzungen verbreiten kann.

Laschet: Das größte, bisher nie dagewesene Infektionsgeschehen in NRW.”

Vermutlich wenig Abstand, viele Menschen, geschlossene Räume und eine entsprechende Luftzirkulation haben dazu geführt, dass sich mehr als 800 Mitarbeiter des Betriebs infiziert haben. Die viel zitierte neue “Normalität” ist eben alles andere als normal.

Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) spricht mittlerweile von einem massiven Ausbruchsgeschehen: “Das größte, bisher nie dagewesene Infektionsgeschehen in Nordrhein-Westfalen.” Worte, die schwer wiegen, angesichts dessen, dass der Kreis Heinsberg (ebenfalls in NRW) als einer der Startpunkte der deutschen Epidemie bezeichnet werden kann. Was daraus folgte ist bekannt: Die Kreisstadt wurde zu einem der größten Corona-Hotspots des Landes. Einen regionalen Lockdown will Laschet daher nicht mehr ausschließen.

Vor-Test-Quarantäne: Alle Tönnies-Mitarbeiter in Quarantäne

Um die Infektionsketten so schnell wie möglich zu unterbrechen, wird nun eine sogenannte vor-Test-Quarantäne durchgesetzt. Egal ob ein Testergebnis vorliegt oder nicht, alle Tönnies-Mitarbeiter müssen sich demnach in häusliche Isolation begeben. So soll etwa auch der Lebensmitteleinkauf untersagt bleiben. Die örtlichen Behörden würden sich jedoch um die Versorgung der isolierten Personen kümmern, so Laschet.

Die Quarantäne-Regeln betreffen auch die Verwaltung, das Management und die Konzernspitze von Tönnies, teilte der Kreis Gütersloh am Freitagabend mit. Einige Mitarbeiter können den Angaben nach aber in sogenannte Arbeitsquarantäne. Das heißt, dass sie sich nur zwischen Arbeits- und Wohnort bewegen dürfen.

Das gilt auch für Clemens Tönnies, Gesellschafter von Deutschlands größtem Schlachtbetrieb, wie ein Konzernsprecher der Deutschen-Presse Agentur sagte.

Drosten lobt vor-Test-Quarantäne

Einer der Top-Virologen Deutschlands, Christian Drosten, hält das drastische Durchgreifen der Politik für gerechtfertigt. Er gibt zu bedenken: “Angesichts eines Problems dieser Größenordnung wird wieder einmal klar, welche Aufgaben vor der Politik und den Gesundheitsbehörden liegen.” Die vor-Test-Quarantäne sei deswegen eine “sehr gute Entscheidung”, twitterte der der Chefvirologe der Berliner Charité.

Drosten erklärte in seinem NDR-Podcast zudem, dass er das vermehrte Zusammensein in geschlossenen Räumen im Winter für einen entscheidenden Faktor beim Ausbreitungsrisiko hält. Studien haben gezeigt, dass die Coronavirus-Konzentration innerhalb von Gebäuden meist höher ist als an öffentlichen Plätzen.

Kritisch wird es also vor allem, wenn Menschen sich wieder mehr drinnen als draußen treffen - was letztlich natürlich auch ein Temperatureffekt ist. Ob es im Herbst und Winter zu einem rasanten Anstieg der Fallzahlen kommen wird oder nicht, hängt Experten zufolge vor allem von der Zahl der Infizierten im Spätsommer ab, davon, wie gut es gelingt, Infektionsketten früh aufzuspüren und zu unterbrechen - und von unser aller Verhalten. Abstand bleibt das Gebot, so lange sich die Pandemie nicht durch Impfungen stoppen lässt.

Laschet appelliert an Vernunft der Menschen

Das NRW-Landeskabinett will sich am Sonntag in einer Sondersitzung mit dem Corona-Ausbruch bei Tönnies beschäftigen. Dort werde die Landesregierung die Lage erneut bewerten, sagte Laschet. Gesundheitsminister Jens Spahn und Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (beide CDU) hätten zugesagt, so viel Personal bereitzustellen, wie erforderlich ist. “Es wird alles getan, was nötig ist - auch mit Unterstützung des Bundes”, sagte Laschet.

Der Ministerpräsident appellierte an die Menschen vor allem in der Region Gütersloh, Hygieneregeln “ganz streng” einzuhalten. “Jeder einzelne ist jetzt gefordert, auch der nicht in der Fleischindustrie beschäftigt ist”, sagte Laschet. Jeder solle sich unter anderem an die Maskenpflicht halten und Abstand zu anderen Menschen wahren.

RND/mit dpa