Ausbruch des Coronavirus: Wie sich Selm dagegen wappnet

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Das Coronavirus ist in NRW angekommen. Auch in Selm sorgen Menschen vor. Mundschutz ist in der Stadt nahezu ausverkauft. Wie bereiten sich Mitarbeiter von Schulen und Kitas vor?

Selm

, 26.02.2020, 17:29 Uhr / Lesedauer: 2 min

Erkelenz ist rund 139 Kilometer von Selm entfernt. Dort zeigt ein Ehepaar Symptome des Coronavirus. Erst China, dann Italien, jetzt NRW. Was bedeutet es für Selm, wenn die Gefahr durch das neuartige Virus immer näher rückt? Wir haben stichpunktartig bei Apotheken, Schulen und Kindertageseinrichtungen nachgefragt. Gibt es besorgte Menschen?

Volker Brüning ist Apotheker in Lünen und Selm, gleichzeitig Sprecher der Apotheker im Nordkreis Unna. Haben die Apotheken genügend Vorrat in Sachen Mundschutz? Wie sieht es mit Medikamenten aus? „Als die Meldungen aus China kamen, war die Nachfrage nach Mundschutz groß“, berichtet Brüning. „Aber mittlerweile ist es ja so, dass der einfache Flies-Mundschutz nicht wirksam sein soll.“ Und der wirksamere Schutz sei derzeit nicht zu bekommen.

Nachfrage nach Mundschutz groß

Auch bei den Bären-Apotheken in Selm bemühen sich Chefin Tanja Adick und ihr Team „jeden Tag, bei unseren Großhändlern was zu kriegen, aber es ist nichts zu bekommen“. Allerdings sei Mundschutz, wenn er nicht gerade virenundurchlässig sei, keine Garantie gegen das Coronavirus. Gleichwohl sei die Nachfrage der Kunden nach Mundschutz groß.

Fieber und Husten? Arzttermin holen!

Welche Fragen stellen die Kunden? „Die Leute werden schon nervös“, sagt Volker Brüning. Die meist gestellte Frage sei: „Was kann ich tun?“ Da gibt es erst einmal den Tipp: Den Arzt aufsuchen, falls Fieber oder Husten auftreten. Sollte der Arzt das Coronavirus diagnostizieren, werde der betroffene Patient in Quarantäne genommen. Sollte es aber kein Coronavirus sein und es zum Beispiel nur darum gehen, das Fieber zu senken, werde der Arzt entsprechende Medikamente wie Paracetamol oder Ibuprofen verschreiben.

Die heimischen Apotheken raten gerade in dieser Zeit zu verstärkter Beachtung von eigentlich ganz  normalen Hygiene-Maßnahmen. Dazu gehört derzeit sicher auch die Desinfektion der Hände.

Die heimischen Apotheken raten gerade in dieser Zeit zu verstärkter Beachtung von eigentlich ganz normalen Hygiene-Maßnahmen. Dazu gehört derzeit sicher auch die Desinfektion der Hände. © Brüning-Apotheken

Sind denn genügend Medikamente vorrätig? „Es hat eine höhere Nachfrage gegeben, als die Meldungen aus China und jetzt auch aus Italien kamen. Aufgrund dessen haben wir für unsere Apotheken eine größere Menge der fiebersenkenden Medikamente gesichert, falls es bei uns los geht.“ Auch die Apotheker im ganzen Nordkreis Unna bemühen sich um Nachschub, sagt Brüning.

Vorbeugenden Impfstoff gibt es noch nicht

Gibt es eigentlich vorbeugende Maßnahmen? „Nein, einen Impfstoff gibt es ja noch nicht“, sagt der Selmer Apotheker.

Die Berichterstattung über das Corona-Virus verfolgen auch die Mitarbeiter der Kindertageseinrichtungen und Schulen Selms. Wie reagieren Eltern? Äußern sie Sorge? „Nein“, sagen übereinstimmend Martina Martini, Leiterin des Familienzentrums St. Martin, und Andrea Dabrowski, Konrektorin der Ludgerischule. Es seien bisher keine besorgten Eltern an sie herangetreten. Auch seien bisher keine Kinder mit Mundschutz in die Einrichtungen gekommen, sagen Martina Martini und Andrea Dabrowski.

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Beide Einrichtungen - auch da sind die beiden Frauen einig - propagieren quasi das alltägliche Einmaleins der Hygiene: Hände waschen, nicht offen niesen, Hände desinfizieren, falls es, etwa in Zeiten der Grippewelle, nötig ist. Apothekerin Tanja Adick rät zudem, auf das höfliche Händeschütteln bei der Begrüßung zu verzichten.

„Man sollte nicht in Panik verfallen“, fasst Apotheker Volker Brüning die Lage in Sachen Coronavirus in Selm zusammen. „Abwarten und Hände waschen“ könnte das Motto der Kindertageseinrichtungen und Schulen lauten.

In der Tat: Das Kreisgesundheitsamt Unna als zuständige Behörde in Sachen Gesundheitsschutz und Abwehr von Epidemien sehe derzeit keinen Anlass zu Handlungsempfehlungen, sagt Kreis-Pressesprecherin Constanze C. Rauert auf Anfrage. Heißt: Zum Beispiel über eventuelle Schließungen von Schulen und Kitas zu reden, „wäre rein spekulativ“. Und selbst für den Fall der Fälle, dass das Coronavirus den Kreis Unna erreichen würde, sei zum jetzigen Zeitpunkt nicht absehbar, ob tatsächlich solche restriktiven Maßnahmen notwendig wären.

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