Comedy- und Musikstars mit Hilferuf an die Politik

Carolin Kebekus, Luke Mockridge, die Band Die Ärzte, Peter Maffay und andere Comedy- und Musikstars fordern ein Hilfsprogramm für die Veranstaltungsbranche. „Diese Forderung bezieht sich dabei ganz explizit nicht auf uns wenige Topverdiener der Branche, sondern auf die vielen finanziell angeschlagenen privatwirtschaftlichen Kulturstätten, denen die Schließung droht oder die bereits schließen mussten“, schreiben „die freischaffenden Humorist*innen und Musiker*innen“. Ihr am Mittwoch veröffentlichter Offener Brief richtet sich unter anderem an Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) und Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD).

28.10.2020, 15:22 Uhr / Lesedauer: 1 min
Ein Mikrofon steht in einem Theater vor einem roten Vorhang. Foto: Britta Pedersen/dpa/Archivbild

Ein Mikrofon steht in einem Theater vor einem roten Vorhang. Foto: Britta Pedersen/dpa/Archivbild

Kaum eine Branche habe seit Beginn der Pandemie härter an Hygienekonzepten gearbeitet als der Kultursektor, schreiben die Künstler. Zu ihnen gehören unter anderem Michael Mittermeier, Bülent Ceylan, Paul Panzer, Eckart von Hirschhausen, Dieter Nuhr, Niedeckens BAP, Atze Schröder, Bastian Pastewka, Gaby Köster, Gerburg Jahnke, Max Giermann und Micky Beisenherz. Der politische Dank für diese konstruktive Haltung sei jedoch ausgeblieben.

Mittlerweile sei die Situation so ernst, dass sich manche Selbstständige aus purer Verzweiflung das Leben genommen hätten. Kulturveranstaltungen seien mit so weitgehenden Verboten belegt worden, dass dies „faktisch einem Berufsverbot“ gleichkomme. „In den letzten Monaten gaben Sie uns das Gefühl, weniger wert zu sein als Autos, Flugzeuge und Fußballspieler“, halten die Unterzeichner den Politikern vor.

Kulturschaffende fielen in den meisten Fällen durch das Raster der Hilfsmaßnahmen, argumentieren sie. Es nütze Künstlern zum Beispiel nichts, wenn der Staat Büromiete erstatte - denn diese falle bei ihnen meist gar nicht an. Was ihre Existenz bedrohe, seien private Ausgaben wie Wohnungsmieten und Krankenversicherungsbeiträge.

„Die gesamte Veranstaltungsbranche ist in Deutschland der sechstgrößte Wirtschaftszweig“, heißt es weiter. „Hier sind etwa 1,7 Millionen Menschen beschäftigt, und es werden knapp 130 Milliarden Euro direkt umgesetzt. Unsere Spezialisten haben Corona-Konzepte erarbeitet, die auch bei den wenigen Veranstaltungen, die es seit Pandemiebeginn gab, erwiesenermaßen einwandfrei funktioniert haben.“ Dennoch seien Kulturveranstaltungen ein ums andere Mal verboten worden.

Die Comedians, Kabarettisten und Musiker fordern stattdessen Szenarien, um den Kulturbetrieb wieder in Gang zu setzen. Die Politik müsse verstehen, dass auch größere Veranstaltungen sicher aufgezogen werden könnten. „Helfen Sie jetzt!“, so der Appell. „Sonst werden wir in ein paar Monaten kulturell ein ärmeres Land sein. Vieles von dem, was dann verschwindet, wird nicht wiederkommen.“

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