CDU bringt einen Klon von Lothar Christ an den Start

dzKolumne Klare Kante

Drei, möglicherweise vier Bewerber um das Bürgermeister-Amt. Die Bürger der Kleinstadt Werne haben am 13. September eine echte Wahlmöglichkeit. Das kann nicht schlecht sein, oder?

Werne

, 06.06.2020, 06:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Lothar Christ ist kein schlechter Bürgermeister. Das vorab. Natürlich ist das meine persönliche Meinung.

Seit einem Jahrzehnt verfolge ich als Lokaljournalist in Werne das Wirken der Parteien, des Stadtrates und eben auch des ersten Bürgers der Stadt. Christ arbeitet effizient, fakten-orientiert und unaufgeregt. Er gleicht darin der ersten Frau an der Spitze der Bundesregierung. Manchen ist er ein wenig zu emotionslos, wirkt unnahbar. Auch da passt der Vergleich mit Angela Merkel.

Band der Harmonie zwischen Christ und Christdemokraten gerissen

Auch wenn viele Jahre ein Band der Harmonie zwischen Christ und Christdemokraten gezogen war, hat er seine Parteilosigkeit hochgehalten. Lothar Christ sucht den Kompromiss, den Ausgleich, setzt auf wechselnde Mehrheiten. Das ist ein Politikstil, der sich nicht am Parteiprogramm, sondern an Sachfragen entlang hangelt. Das kam bisher unserer Stadt zugute.

Manchem Parteifreund war es aber schon länger ein Dorn im Auge, dass die CDU als dominierende Partei in einer konservativ geprägten Kleinstadt bei zwei Wahlen keinen eigenen Kandidaten nominiert hatte. Nun soll‘s also Dominik Bulinski richten. Welche Chancen hat er?

Fangen wir mit dem größten Manko an. Kein Mensch kennt außerhalb der Partei (und vielleicht sogar innerhalb der CDU) den 41-Jährigen. Wenn er, wie Parteichef Willi Jasperneite sagt, „schon seit vier oder fünf Jahren im Vorstand der Werner CDU“ sitzt, ist das gut und schön. Aber warum ist er in den vier oder fünf Jahren nicht nachhaltig aufgetaucht?

Das liegt daran, dass der Kandidat zwar in Werne seine politische Heimat, seinen Lebensmittelpunkt aber derzeit am Niederrhein hat. Bei seiner Vorstellung verwies Bulinski intensiv darauf, dass das Haus seiner Eltern mitten in der Innenstadt stehe, um so einen Lokalbezug herzustellen. Fakt bleibt dennoch: Er ist ein großer Unbekannter.

Bulinskis Unbekanntheit: Gefahr und zugleich Chance

Das ist Gefahr und Chance zu gleich. Die Gefahr seiner weitgehenden Unbekanntheit lässt sich durch intensive Kampagnen einer großen Partei leicht umschiffen. Die Chance: Als frischer, neuer Kandidat kann er diejenigen ansprechen, die sich mehr Agilität, mehr Neuerungen an der Spitze der Stadt wünschen. Denen ein mittlerweile Über-50-jähriger Amtsinhaber zu alt und zu verbraucht erscheint.

CDU-Parteichef Willi Jasperneite ist nicht der Gefahr erlegen, einen möglicherweise höchst präsentablen, aber in Verwaltungsdingen unerfahrenen Bewerber ins Licht zu rücken. Mit Dominik Bulinski hat die Partei einen ausgesprochenen Verwaltungs-Fachmann vorgestellt. Schließlich schüttelt der Bürgermeister nicht nur Hände, sondern steht als Hauptamtlicher an der Spitze der Verwaltung.

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Der studierte Bau-Assessor Bulinski ist in verschiedenen Verwaltungen im Baubereich tätig gewesen. Derzeit als Stadtrat und erster Beigeordneter der Stadt Goch. Damit tritt er aus einer ähnlichen Position in den Wahlkampf um das Bürgermeisteramt wie vor elf Jahren Lothar Christ. Er ist mit 41 Jahren auch ähnlich alt, wie es Christ bei seinem Wahlkampf 2009 war. Liefert die CDU also einen Klon von Lothar Christ ab?

Genau das scheint der Fall. Dominik Bulinski wirkt wie die jüngere, frischere, agilere Ausgabe des in der Vergangenheit schon einmal amtsmüde wirkenden Christ. Und so wird sich die Wahl am Sonntag, 13. September 2020, zwischen zwei Verwaltungs-Experten abspielen. Der Grüne Benedikt Striepens und ein etwaiger FDP-Kandidat bilden den schmückenden Rahmen des Duells.

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