Caritas zu Tönnies: Konzern-Erfolg durch Ausbeutung

Der Caritasverband im Kreis Gütersloh hat bei Arbeits- und Corona-Schutzmaßnahmen schwere Vorwürfe gegen den dortigen Schlachtbetrieb Tönnies erhoben. Der Branchenriese in Rheda-Wiedenbrück habe sich „höchst fahrlässig“ verhalten, sagte Caritas-Vorstand Volker Brüggenjürgen der Deutschen Presse-Agentur. Viele der 7000 Beschäftigten in der Produktionsstätte seien Werkvertragsarbeiter, deren teils unzumutbare Arbeits- und beengte Wohnbedingungen schon lange angeprangert würden. Sie hätten die Virusausbreitung begünstigt.

23.06.2020, 12:31 Uhr / Lesedauer: 1 min

Für den gesamten Kreis Gütersloh mit rund 370 000 Einwohnern verhängte das Land Nordrhein-Westfalen am Dienstag einen Lockdown. Das öffentliche Leben wird bis Ende Juni drastisch heruntergefahren. Die Schutzmaßnahmen von Tönnies seien völlig unzureichend gewesen. „Die Leute werden in Transportern zur Arbeit gekarrt. Sie wohnen, essen, arbeiten immer dicht an dicht“, sagte Brüggenjürgen. „Man hat die Arbeiter sehenden Auges in dieses Desaster hineingeschickt.“ Seit einigen Tagen ist die Produktion des Marktführers nach einem Corona-Großausbruch gestoppt. Mehr als 1550 Beschäftigte wurden inzwischen positiv getestet.

Der Aufstieg zu einem Konzern mit Milliardenumsatz ist nach Worten Brüggenjürgens nur möglich gewesen, weil Tönnies auf das System mit Werkvertragsbeschäftigten gesetzt habe, die von Subunternehmen deutlich schlechter bezahlt würden als die Tönnies-Stammbelegschaft. Die Gruppe kündigte nun am Dienstag an, bis Ende 2020 sollten Werkverträge „in allen Kernbereichen der Fleischgewinnung“ abgeschafft, die Mitarbeiter in der Tönnies-Unternehmensgruppe eingestellt werden.

Rund 90 Prozent der Bundesbürger fordern einen radikalen Wandel in der Fleischindustrie. Das ergab eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey für das Nachrichtenportal „t-online“. Unter fast 5100 online befragten Personen sahen nur knapp sechs Prozent keinen Bedarf für deutliche Reformen bei Arbeitsschutz und Nachhaltigkeit. Fünf Prozent waren unentschieden.

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