Caritas Lünen appelliert: Das schlimme Schicksal der Flüchtlingskinder nicht vergessen

Corona-Krise

Im Moment beherrschen Schlagzeilen zur Corona-Krise die Medien. Doch die Caritas Lünen appelliert, das Schicksal der Flüchtlingskinder auf den griechischen Inseln nicht zu vergessen.

Lünen

, 29.03.2020, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Caritas-Vorstand Hans-Peter Benstein sieht es angesichts der „humanitären Katastrophe" als menschliche Pflicht an, unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in deutsche Städte zu holen.

Caritas-Vorstand Hans-Peter Benstein sieht es angesichts der „humanitären Katastrophe" als menschliche Pflicht an, unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in deutsche Städte zu holen. © Beate Rottgardt

Hans-Peter Benstein ist besorgt. Der Vorstand des Caritasverbandes Lünen-Selm-Werne befürchtet, dass das schlimme Schicksal der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge, die auf den griechischen Inseln Zuflucht gesucht haben, immer mehr in Vergessenheit gerät.

Vor zwei Wochen hatte Benstein die Initiativen von Caritasverbänden aus verschiedenen Städten vorgestellt, durch die mittelgroße Städte jeweils bis zu zehn unbegleitete minderjährige Flüchtlinge aufnehmen sollen. Doch dann kam Corona. „In dieser Zeit tut sich dort, wo 40.000 Menschen in völlig überfüllten Lagern leben müssen, auf den griechischen Inseln, schlicht nichts“, so Benstein.

„Wir lassen niemanden zurück,“ hieß es aus dem Auswärtigen Amt. Dabei geht es allerdings um deutsche Urlauber, die derzeit aus dem Ausland zurück geholt werden. Benstein: „Natürlich muss diesen Menschen geholfen werden, nach Hause zu kommen.“ Dennoch dürfe man auch das Schicksal der Flüchtlinge nicht aus den Augen verlieren.

Mehr als 140 deutsche Kommunen haben zugesagt

Neben der Stadt Lünen erklärten sich bereits mehr als 140 deutsche Kommunen bereit, minderjährige Flüchtlinge aufzunehmen. Benstein: „Doch trotz des Koalitionsbeschlusses vom 9. März, wenigstens ein paar geflüchtete Kinder von den Inseln zu evakuieren, ist nicht einmal das bislang umgesetzt.“

Der Lüner Rat hatte am 12.3. einstimmig den Vorschlag, bis zu zehn unbegleitete minderjährige Flüchtlinge aus griechischen Flüchtlingscamps aufzunehmen, gebilligt. Damit folgten die Ratsmitglieder der ebenfalls einstimmig gefassten Empfehlung des Jugendhilfeausschusses vom 10. März.

Der Koalitionsausschuss des Bundes hatte sich in der Nacht vom 8. auf den 9. März darauf geeinigt, gemeinsam mit anderen EU-Staaten, die aufnahmewillig sind, 1000 bis 1500 dringend behandlungsbedürftige oder unbegleitete Kinder aus den griechischen Lagern aufzunehmen.

„Nur ein Gnadenakt zur Gewissensberuhigung“

Deutschland war danach bereit, 350 Kinder aufzunehmen. Benstein kritisiert, wie auch der Verein „Pro Asyl“, dass sich Bundespolitiker dafür selbst lobten. Obwohl, so „Pro Asyl“, es sich nur um einen „Gnadenakt zur Beruhigung des eigenen schlechten Gewissens“ handele.

Doch selbst die 350 kranken Flüchtlingskinder seien nach zwei Wochen immer noch nicht evakuiert worden. Caritas International schätzt die Zahl der unbegleiteten Kinder allein auf den griechischen Inseln auf 5000 bis 6000.

Wie die Evakuierung erfolgen soll, wollte das Bundesinnenministerium „in den nächsten Tagen klären“, hieß es am 9. März. Danach wurde dort verlautbart, dass die EU-Kommission in den nächsten Tagen die Übernahme angesichts der aktuellen Corona-Lage besprechen wolle.

Lage in den Flüchtlingslagern hat sich weiter verschlechtert

Seit dem Koalitionsbeschluss vom 9. März habe sich, so Benstein, die Lage in den Flüchtlingslagern weiter verschlechtert. Inzwischen gebe es auch auf der griechischen Insel Lesbos erste Corona-Fälle. Im Flüchtlingslager Moria auf Lesbos existieren keine Möglichkeiten, sich und andere zu schützen.

Benstein: „Die Rede bei den Initiativen war von dringend behandlungsbedürftigen - also schwer kranken - oder unbegleiteten Kindern.“ Auf Nachfrage bei der Bundesregierung, dem Bundesinnenministerium und der deutschen Vertretung der EU-Kommission gebe es keine Auskunft.

Allerdings verweise das Ministerium von Bundesinnenminister Horst Seehofer darauf, dass beim Treffen der EU-Innenminister am 13. März die EU-Kommission zugesagt habe, „bei der Aufnahme von besonders schutzbedürftigen Kindern eine starke koordinierende Rolle zu übernehmen“. Derweil, so der Vorstand des Caritasverbandes Lünen-Selm-Werne, verschlimmere sich die Situation auf den griechischen Inseln weiter.

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