Briefzusteller versetzte Cola mit Schlafmittel und vergewaltigt Mädchen

Prozess

Ein 55-Jähriger aus Datteln hat reihenweise Mädchen und Frauen betäubt und missbraucht. Die Taten nahm er auf Video auf. Jetzt ist er verurteilt worden - als gefährlicher Hangtäter.

Bochum

03.04.2020, 21:18 Uhr / Lesedauer: 2 min
Der Angeklagte aus Datteln soll zahlreiche Mädchen betäubt, missbraucht und gefilmt haben.

Der Angeklagte aus Datteln soll zahlreiche Mädchen betäubt, missbraucht und gefilmt haben. © picture alliance/dpa

Das Schlafmittel war in Cola oder Milchshakes gemischt: Jahrelang hat ein Vater aus Datteln Mädchen und Frauen betäubt und anschließend sexuell missbraucht. Am Freitag ist der 55-jährige Deutsche verurteilt worden. Die Richter am Bochumer Landgericht haben elfeinhalb Jahre Haft verhängt und außerdem die anschließende Sicherungsverwahrung angeordnet.

„Es liegt auf der Hand, dass Sie ein gefährlicher Hangtäter sind“, sagte Richter Stefan Culemann bei der Urteilsbegründung. Dafür müsse man nicht einmal Psychologie studiert haben. Die Neigung des Angeklagten, Frauen und Mädchen sexuell zu missbrauchen sei so stark, dass es immer wieder zu weiteren Taten kommen könne.

Opfer waren zum Teil Freundinnen seines Sohnes

Der angeklagte Briefzusteller hat laut Urteil zwischen 2013 und 2018 mindestens sieben Mädchen und zwei Frauen betäubt, vergewaltigt oder anderweitig sexuell missbraucht. Dazu benutzte er Schlafmittel oder Antidepressiva, die ihm selbst verschrieben worden waren. Die Opfer waren Freundinnen seines Sohnes oder Kinder von Frauen, die er über das Internet kennengelernt hatte.

Drohten sie während der Missbrauchstaten wachzuwerden, wurde nachdosiert. Dazu benutzte der 55-Jährige eine Spritze. „Das war lebensgefährlich“, so Richter Culemann. Aufgrund ihrer Bewusstlosigkeit hätten die Opfer keinen Schluckreflex mehr gehabt. Dadurch hätte die Flüssigkeit leicht in die Atemwege gelangen können.

Einige der jüngeren Opfer wissen bis heute nicht, was überhaupt mit ihnen passiert ist. Dass die Taten stattgefunden haben, steht allerdings fest. Der Angeklagte hatte alles auf Video aufgezeichnet. Darauf ist auch er selbst zu sehen - zum Teil splitterfasernackt. „Der Grund für die Sedierung war die Angst vor der Entdeckung“, hieß es im Urteil.

Vor Gericht hatte der Angeklagte ein weitreichendes Geständnis abgelegt

Aufgefallen war die Missbrauchsserie nachdem eines der betroffenen Mädchen am Tag nach einem Übernachtungsbesuch in der Wohnung des Angeklagten noch immer stark benommen war. Die Eltern waren mit ihrer Tochter daraufhin zum Krankenhaus gefahren. Dort wurden große Mengen eines Schlafmittels im Körper des Kindes festgestellt.

Bei der anschließenden Durchsuchung der Wohnung des 55-Jährigen waren dann die Videos gefunden und sichergestellt worden. Vor Gericht hatte der Angeklagte ein weitreichendes Geständnis abgelegt. Einzelheiten sind jedoch nicht bekannt geworden. Zum Schutz der Opfer hat der Prozess vor der 8. Strafkammer fast komplett unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattgefunden.

Das Urteil lautet auf Vergewaltigung, sexuellen Missbrauch, gefährliche Körperverletzung und Herstellung kinderpornografischer Schriften. Mit ihrer Strafe bleiben die Richter leicht unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die 13 Jahre Haft plus Sicherungsverwahrung beantragt hatte. Die Verteidigung hatte sieben Jahre Haft für ausreichend gehalten.

dpa/jh

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