Brauer-Bund befürchtet herbe Rückschläge durch Corona-Krise

Exporte stocken, besucherstarke Messen sind abgesagt, gesellige Runden sollen vermieden werden - und dann fehlt auch noch der Umsatztreiber Fußball. Die Corona-Krise hat mit ihren Einschränkungen massive Folgen für die Bierbrauer in NRW.

17.03.2020, 05:50 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Braubranche droht durch die Corona-Krise ein doppeltes Absatzproblem: Der Deutsche Brauer-Bund berichtet von deutlichen Auswirkungen der Corona-Schutzmaßnahmen auf die wichtigen Exportmärkte. Zugleich drückten innerhalb Deutschlands die massiven Einschränkungen für Restaurants und die Schließung der Kneipen den Bierausschank. Zudem schwinden die Hoffnungen auf die Effekte der Fußball-EM, über deren mögliche Verlegung am Dienstag entschieden werden sollte.

„Schon heute steht fest, dass die Corona-Pandemie massive Auswirkungen auf die 1500 Brauereien in Deutschland haben wird“, sagt der Hauptgeschäftsführer des deutschen Brauer-Bundes Holger Eichele. Für die wichtigsten Auslandsmärkte Italien und China müssten die Planungen drastisch nach unten korrigiert werden, stellenweise seien Lieferketten und Geschäftsbeziehungen völlig zum Erliegen gekommen.

Der Herausgeber des Branchenmagazins „Inside“, Niklas Other, unterstreicht, dass für viele Brauer im Gastronomiegeschäft nicht nur Absatzmenge, sondern vor allem Marge auf dem Spiel steht. An der Gastronomie werde nämlich vergleichsweise gut verdient, auch wenn diese hohe finanzielle Risiken berge. „Die Krise dürfte sich für die Brauwirtschaft deshalb auf die Ergebnisse auswirken, mehr als auf die Absätze“, sagte er. Die Gastronomie stehe für knapp 20 Prozent des Absatzes.

Die Bochumer Privatbrauerei Moritz Fiege reagiert und setzt ihre für den 1. April an die Gastronomie angekündigte Bierpreiserhöhung bis zum 1. August aus. „Wir wollen auf diese Weise ein Zeichen der Solidarität und des Miteinanders setzen“, heißt es in einem Brief an die Brauereikunden. „Die Einschnitte für die Gastronomie sind schneller eingetreten als erwartet. Wir wissen, dass dies nur eine kleine Hilfe sein kann, die wir aber nicht unterlassen wollen“, erklärte das Management weiter.

Das Fassbiergeschäft sei in weiten Teilen zum Erliegen gekommen, heißt es bei der im Hochsauerlandkreis beheimateten Privatbrauerei Veltins. Der Absatz von Flaschenbier laufe hingegen unverändert, sagte Veltins-Sprecher Ulrich Biene.

Nach Beobachtung des Branchenkenners Other gibt es sogar Hamsterkäufe auch beim Bier. Die Bevorratungskäufe vieler Verbraucher in der vergangenen Woche zeigten, dass „neben lange haltbaren Artikeln wie Tütensuppe, Dosennahrung oder Hygienepapier auch Bier eingebunkert wird“, sagte Other. Getränkefachmärkte und Lebensmittelhandel berichteten über deutliche Zuwächse vor allem bei Mineralwasser, aber auch bei Bier.

Die Oetker-Biersparte Radeberger Gruppe erklärte, die Auswirkungen auf Veranstaltungen und Gastronomie und so auch auf die Getränke- und Brauwirtschaft seien noch nicht kalkulierbar. „Das gilt sowohl für den Inlandsmarkt als auch darüber hinaus“, sagte eine Sprecherin des Biermarktführers, der einen großen Standort in Dortmund hat und unter anderem Altbier herstellt und Kölsch-Marken führt. „Wir müssen auch davon ausgehen, dass sich diese Situation in den nächsten Wochen, möglicherweise sogar Monaten, nicht nennenswert entspannen wird.“

„Wir brauchen jetzt dringend Frühling“, meint Veltins-Sprecher Biene. Mit steigenden Temperaturen und Sonnenschein werde der heimische Garten wieder zum Grillen genutzt. Wichtiger Test für die Branche sei das Ostergeschäft im April. Schönes Wetter könne einiges auffangen.

Fußballabsagen treffen die Branche erheblich, sagte Other. Im Umfeld von Bundesligaspielen aber auch in unteren Ligen werde viel Bier getrunken. Wieviel in den heimischen Konsum verlagert werde, sei offen. Eine Fußball-EM mit gutem Abschneiden der Nationalmannschaft habe in Vor-Coronazeiten bis zu 1 Prozent Absatzplus für den deutschen Jahres-Bierabsatz bedeutet.

Die Brauereien in Nordrhein-Westfalen leiden nicht nur unter den Krisenfolgen, sie müssen - wie viele andere Unternehmen - auch im eigenen Haus auf die Krise reagieren; etwa mit aufwendigen Hygienemaßnahmen oder Absagen von Kundenbesuchen.

Die Privatbrauerei Warsteiner im Kreis Soest hat etwa als eine Vorsichtsmaßnahme die Besichtigungstouren auf ihrem Gelände seit dem 10. März bis aus Weiteres ausgesetzt. 2019 hätten 50 000 Menschen das Besucherzentrum „Warsteiner-Welt“ besucht, sagte eine Sprecherin.

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