Brand bei Thyssenkrupp in Turin: Haftantritt von Managern

Vor zwölfeinhalb Jahren starben bei einem Feuer in einem italienischen Stahlwerk von Thyssenkrupp sieben Menschen. Zwei ehemalige Manager aus Deutschland werden demnächst ihre Haft antreten. Sie kommen in den offenen Vollzug.

18.06.2020, 13:31 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nach dem Brand in einem Thyssenkrupp-Stahlwerk in Turin 2007 mit sieben Toten müssen die beiden verurteilten ehemaligen Manager bald ihre Haftstrafen in Deutschland antreten. „Beide sind geladen, sich zum Strafantritt zu stellen“, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Essen, Anette Milk, am Donnerstag. Sie hätten nach der Ladung eine Frist von einem Monat, ihre Haft anzutreten. Beide müssen wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Brandstiftung für fünf Jahre ins Gefängnis. Einer der beiden ist der ehemalige Italien-Chef von Thyssenkrupp. Die Staatsanwaltschaft Essen ist die zuständige Strafvollstreckungsbehörde.

Beide kommen in den sogenannten offenen Vollzug. „Das bedeutet, dass die beiden normal in einer Justizvollzugsanstalt untergebracht sind und diese verlassen dürfen, um ihrer Arbeit nachzugehen“, sagte Milk. Dahinter stehe der Gedanke, „dass die Resozialisierung besser gelingt, wenn die Verurteilten ihren Arbeitsplatz nicht durch den Vollzug verlieren“. Nach Arbeitsende kämen die Inhaftierten wieder zurück. Auch am Wochenende seien sie in der JVA. Mit fortschreitender Vollzugsdauer seien aber Lockerungen wie etwa ein Wochenendausgang möglich.

Nach der endgültigen Entscheidung durch das Oberlandesgericht Hamm vom Januar, dass die beiden ihre Haft antreten müssen, hatte sich der Haftantritt verzögert. Ein Grund sei gewesen, dass die planmäßig vorgesehene Haftanstalt mehr als 100 Kilometer vom Arbeitsort entfernt gewesen sei. Mittlerweile hätten sich aber Anstalten des offenen Vollzugs „in einer noch als vernünftig zu bezeichnenden Nähe“ zum Arbeitsort gefunden, so Milk.

Die beiden Manager waren in Italien 2016 zu 9 Jahren und 8 Monaten beziehungsweise 6 Jahren und 10 Monaten Haft verurteilt worden. Das Landgericht Essen hatte die Haftstrafen für vollstreckbar erklärt und die Höhe des Strafmaßes auf deutsches Recht angepasst. In Deutschland gilt für die Tatvorwürfe ein Höchst-Strafmaß von fünf Jahren.

Bei dem Brand in dem Turiner Stahlwerk am 6. Dezember 2007 waren sieben Menschen gestorben. Die Anklage hatte dem Unternehmen „bewusste Fahrlässigkeit“ und fehlende Investitionen in den Brandschutz vorgeworfen. Neben den beiden Deutschen wurden vier italienische Thyssenkrupp-Manager verurteilt.

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