Bluttat in der Nikolausnacht: Verteidigerin überrascht mit Antrag

dz21-jähriger Lüner vor Gericht

In der Nacht auf den Nikolaustag soll ein 21-jähriger Mann in Lünen-Süd seine Mutter getötet haben. Der Prozess vor dem Dortmunder Schwurgericht begann am Donnerstag mit einer Überraschung.

Lünen

, 05.06.2020, 20:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Den Ermittlern muss sich am Tatort ein grausiges Bild geboten haben. Mitten in der Nacht soll der offenbar psychisch kranke Beschuldigte mit einem Messer auf seine Mutter losgegangen sein und ihr eine Vielzahl von Schnitt- und Stichwunden zugefügt haben. Die 53-Jährige verstarb schließlich an den Folgen eines massiven Blutverlustes. Ihr eigener Sohn muss ihr die Kehle durchgeschnitten haben.

Sohn ist psychisch krank

Der 21-Jährige hatte sich Stunden nach der Tat auf der Polizeiwache in Neumünster (Schleswig-Holstein) gestellt und die Bluttat zugegeben. Sein Vater konnte dem Opfer nicht helfen. Der Mann hatte zur Tatzeit Nachtschicht.

Herauszufinden, was hinter der brutalen Attacke steckt, ist eine der großen Aufgaben, die der Prozess lösen muss.

Tatsache ist, dass der Beschuldigte derzeit nicht in einem normalen Gefängnis, sondern in einer geschlossenen forensischen Klinik untergebracht ist. Ein Gutachter hat bei ihm eine paranoide Schizophrenie diagnostiziert und erklärt, dass der 21-Jährige zum Zeitpunkt der Tat wohl komplett schuldunfähig war.

Damit ist klar, dass es auch in der Verhandlung nicht darum gehen wird, ob und wie der Beschuldigte für die Tat zu bestrafen ist. Die Richter werden alleine die Frage beantworten müssen, ob der junge Mann als Gefahr für die Allgemeinheit eingestuft werden und daher für unbestimmte Zeit in eine geschlossene Psychoklinik eingewiesen werden muss. Ein Gefängnis wird der Lüner niemals von innen sehen.

Beschuldigter soll in Psychiatrie

Fest steht aber auch, dass die Aufklärung sämtlicher Fragen im Dortmunder Schwurgericht ohne Zuschauer und Zuhörer stattfinden wird. Unmittelbar nach Verlesung der Antragsschrift zog Verteidigerin Kathrin Nunnemann am Donnerstag ein Papier aus der Tasche, auf das sie einen Antrag auf Ausschluss der Öffentlichkeit geschrieben hatte. Da in diesem Verfahren die Unterbringung des Beschuldigten in der Forensik im Raum stehe, sei dies angebracht, so Nunnemann.

Überraschend schloss sich Staatsanwalt Jörg Schulte-Göbel dem Antrag umgehend an. „Ich habe kein Problem damit“, erklärte er. Immerhin sei der Beschuldigte mit seinen 21 Jahren noch sehr jung. Da seien die individuellen Persönlichkeitsrechte besonders stark zu gewichten.

Der Vorsitzende Richter Thomas Kelm kommentierte die Einigkeit zwischen Verteidigerin und Staatsanwalt schließlich so: „Ich mache das zwar nicht gerne, aber in diesem Fall ist das vielleicht richtig so.“ Nach einer kurzen Beratung aller Richter verkündete er schließlich tatsächlich den Beschluss: „Die Öffentlichkeit wird für die Dauer der Verhandlung ausgeschlossen.“ Die Öffentlichkeit wird dann erst wieder am Ende des Prozesses zur Urteilsverkündung informiert.

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