Blumen im Frühling: ein Spaziergang durch die Natur, ohne das Haus verlassen zu müssen

dzFrühling in Zeiten von Corona

Dieser Frühling ist anders. Keine Ausflüge, kein Deko-Kauf, keine Gartenparty. Hier geht es ansteckungsfrei zu den Frühlingsblumen, die gerade ganz ohne menschliches Zutun blühen.

Selm, Cappenberg

, 28.03.2020, 15:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ausgerechnet zum Frühlingsanfang ist es so kalt geworden wie fast den ganzen Winter nicht. Das kann die Blumenuhr aber auch nicht mehr zurückdrehen: Wildpflanzen, die erst im April blühen sollten, sorgen schon seit Wochen für Farbtupfer auf der Schafsweide.

Was blüht denn da? Weil in Zeiten von Corona der Frühlingsspaziergang besser ausfällt, bringen wir Ihnen auf diesem ansteckungsfreien Weg die erwachte Natur ins Haus.

Das Scharbockskraut: sein Name sagt etwas über die frühere Verwendung.

Das Scharbockskraut: sein Name sagt etwas über die frühere Verwendung. © Sylvia vom Hofe

Gelb schimmert es unter den noch kahlen Laubbäumen: Scharbockskraut. Der Name verrät bereits die einstige Verwendung. Scharbock ist eine alte Bezeichnung für die Vtamin-C-Mangelkrankheit Skorbut.

Nach einem Winter ohne frisches Obst und Gemüse litt früher die Landbevölkerung oft an dieser Krankheit. Und damals waren die Winter - anders als jetzt - noch lang und verdienten ihren Namen als kalte Jahreszeit. Die kleine Eiszeit, die fast 400 Jahre lang das Wetter in Europa prägte, endete schließlich erst um 1850.

Vitamin-C-reich und schwach giftig

Im Frühjahr, wenn die Gelenke schmerzten und die Zähne ausfielen, gab es damals noch kein Obst und Gemüse. Um den schwachen Patienten wieder auf die Beine zu helfen, haben die Angehörigen das würzig-herb schmeckende Scharbockskraut gesammelt - am besten, bevor die Blüte begann. Denn inzwischen weiß man: Die Pflanze enthält nicht nur Vitamin C, sondern auch schwachgiftiges Alkaloid, dessen Konzentration zur Blüte zunimmt.

Zarte Blüte, rustikal klingender Name: Gundermann.

Zarte Blüte, rustikal klingender Name: Gundermann. © Sylvia vom Hofe

Essbar ist auch das zarte Blümchen mit dem rustikalen Namen Gundermann. Die Pflanze war ein wichtiger Bestandsteil der Gründonnerstagssuppe, die in manchen Regionen aus neunerlei Kräutern am Gründonnerstag zubereitet wurde. Auch als Bierwürze war das herbe Kraut bis ins 17. Jahrhundert beliebt. Römer und Germanen haben einst das Kraut genutzt, um Wunden zu heilen und Würmer loszuwerden.

Tief bücken zum blau blühenden Gundermann

Man muss sich schon tief bücken, um die Gundelrebe mit ihren kleinen blauen Blüten zu entdecken. Die Blütezeit ist laut Naturschutzbund Deutschland (Nabu) eigentlich erst zwischen April und Juni. In diesem Jahr zeigen sich die blauen Farbtupfer auf der Weide aber bereits einen Monat früher. Bienen und Schmetterlinge freut das. Sie schätzen den Nektar aus den filigranen Blüten.

Das Hirtentäschelkraut verrät etwas über die einstigen Taschen der Hirten.

Das Hirtentäschelkraut verrät etwas über die einstigen Taschen der Hirten. © Sylvia vom Hofe

Farbloser kommt das Hirtentäschelkraut daher, das sich auf der Schafsweide im Wind wiegt. Schon vom Namen her passt es gut zu Schafen. Sein Samen hat offenbar die gleiche Form wie die einst üblichen kleinen Ledertaschen der Schäfer. Daher stammt die Bezeichnung. Aus Irland ist überliefert, dass Hirten ihren Schafen das Hirtentäschelkraut umgehängt haben. Sie sollen dann unsichtbar gewesen sein für die Wölfe, hieß es. Das Ist nicht verbürgt, die blutstillende Wirkung des Krauts aber schon.

Taubnessel: die Berührung ist schmerzfrei - anders als bei der Brennnessel.

Taubnessel: die Berührung ist schmerzfrei - anders als bei der Brennnessel. © Sylvia vom Hofe

Nicht zu übersehen ist die Purpur-Taubnessel, die schon in großer Zahl blüht und hier und da auf der Weide für kleine pupurfarbene Teppiche sorgt. Das sagt eine Menge über die Bodenbeschaffenheit aus. Die Taubnessel gilt als Stickstoffanzeiger: Wo sie wächst, ist der Boden nährstoffreich. Bienen und Hummeln schätzen die Taubnessel, Menschen ebenfalls - manche auch auf dem Teller. Denn alle Teile der Taubnessel sind ungiftig und genießbar.

Gänseblümchen: Manche sagen auch Tausendschön dazu.

Gänseblümchen: Manche sagen auch Tausendschön dazu. © Sylvia vom Hofe

Das Gänseblümchen ist die bekannteste Blume auf der Weide. Sie ist nicht nur schön – mancherorts trägt sie den Namen „Tausendschön“ –, sondern auch widerstandsfähig. Laut Nabu ist sie sogar in der Lage, ihre Wuchshöhe an die Schnitthöhe des Rasens anzupassen, so dass sie den Besuch des Rasenmähers nicht zu fürchten braucht.

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