Überbrückungshilfe: Selmer Betriebe zwischen Erleichterung und Zweifeln

dz130-Milliarden-Euro-Paket

Mit 25 Milliarden Euro aus einem Konjunkturpaket will die Bundesregierung Unternehmen und Selbstständigen in der Corona-Krise helfen. Selmer Betriebe reagieren mit gemischten Gefühlen.

Selm

, 05.06.2020, 20:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein „Kraftpaket“ mit „Wumms“ soll es laut Vizekanzler Olaf Scholz sein: das 130-Milliarden-Euro-Konjunkturpaket der Bundesregierung, um die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise abzufedern. Allein 25 Milliarden Euro aus diesem Paket sollen bundesweit unter anderem angeschlagenen Unternehmen und Selbstständigen aus der Gastronomie-, Hotel- und Reisebüro-Branche zur Verfügung stehen.

Antragsberechtigt sind Unternehmen, deren Umsätze Corona-bedingt im April und Mai dieses Jahres um mindestens 60 Prozent gegenüber den Vorjahres-Monaten zurückgegangen sind und deren Umsatzrückgänge in den Monaten Juni bis August 2020 um mindestens 50 Prozent fortdauern.

„Überbrückungshilfe wird ungemein helfen“

Kaira Eistel, Inhaberin des An-Hotels und der An-Bar in Selm, ist dankbar für die finanzielle Unterstützung. Sie geht davon aus, dass sie antragsberechtigt ist, lässt dies durch einen Steuerberater prüfen. „Die Überbrückungshilfe wird schon ungemein helfen, da das Hotel zurzeit weitestgehend leer ist. Viele Veranstaltungen sind in den letzten Monaten ausgefallen und daher Einnahmen weggebrochen“, sagt sie.

Ob die Unterstützung für drei Monate ausreicht? Das könne sie noch nicht sagen. Sie setzt auf jeden Fall alles daran, weiter Umsätze zu generieren. Das schafft sie zurzeit in erster Linie über den Cocktail-Taxi-Service der An-Bar.

Astrid Vogt würde es lieber „aus eigener Kraft“ schaffen

Auch Astrid Vogt, Inhaberin des Restaurants Zum alten Feld an der Werner Straße, ist erfreut über das Hilfspaket. Sie geht ebenfalls stark davon aus, dass sie antragsberechtigt ist. „Ich halte sehr viel von der Überbrückungshilfe“, sagt sie, „auch wenn wir unsere Gaststätte wieder geöffnet haben - die Gäste sind noch sehr verhalten. Daher wird uns die Unterstützung der Regierung sehr helfen.“

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Vogt räumt ein, dass sie die nicht auf Biegen und Brechen in Anspruch nehmen möchte. „Ganz ehrlich“, sagt sie, „am liebsten würde ich es ohne die Hilfe von Vater Staat schaffen. Aber aus eigener Kraft aus dieser Misere heraus zu kommen, ist zurzeit einfach schwierig.“

Viele Betriebe sind um jede Hilfe dankbar

Die Anträge für die finanzielle Unterstützung können Unternehmen bis Ende August stellen, bis Ende November sollen die Gelder dann ausgezahlt werden. „Bis dahin halten wir durch. Ich hoffe ja, dass die Gäste irgendwann wieder zahlreicher zu uns kommen werden“, so Vogt weiter. Existenzängste habe sie nicht. Sie weiß aber, dass das bei vielen Betrieben anders ist. „Viele sind um jede Hilfe dankbar“, sagt sie.

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Joachim Horn vom gleichnamigen Reisebüro an der Kreisstraße in Selm will auch nichts unversucht lassen, diese Hilfe wahrzunehmen. Er steht dem Konjunkturpaket jedoch deutlich skeptischer gegenüber. Er sagt: „Auch für uns ist es sinnvoll, den Antrag auf Überbrückungshilfe zu stellen, welche zwar gut gemeint, aber deutlich zu kurz ausgelegt ist.“ Was er meint: Für drei Monate würde diese sicherlich helfen, „aber sie stellt keine nachhaltige Lösung der Probleme dar.“ Zudem würde die verzögerte Auszahlung bis November „vielen das Genick brechen“.

Reisebüro-Inhaber äußert Bedenken

Das Paket ist auf den Maximalbetrag von 25 Milliarden Euro begrenzt. Auch diese Tatsache sieht Horn kritisch: „Daher hat man als Unternehmen überhaupt keine Garantie, den beantragten Zuschuss zu erhalten.“ Für Horn sind zudem viele Fragen noch ungeklärt. „Wie und in welcher Reihenfolge werden die Anträge bearbeitet? Ist dann Schluss bei 25 Milliarden Euro und den letzten beißen die Hunde? Oder wird bei Antragsstellung für eventuell 40 Milliarden Euro vielleicht bei jedem Antragsteller etwas abgezogen?“

All das sei laut Horn noch unsicher, das Konjunkturpaket an sich zu schwammig formuliert. Er hofft daher, dass die Formulierungen noch einmal angepasst werden. So wie die Überbrückungshilfe jetzt durchgesetzt wurde, „wird sie für viele Betriebe nur eine Verlängerung des Leidens sein“, so Horn.

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