Betreiber widersprechen Veranstalter: „Kinofest hätte stattfinden können“

dzCineworld Lünen

Nicht glücklich ist die Cineworld Lünen über die Absage des Kinofestes. Noch unglücklicher findet man die Begründung der Absage. Denn das Geschäft läuft schon schlecht genug.

Lünen

, 16.08.2020, 08:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Corona-Krise macht den Kinos zu schaffen: Zum einen starten kaum Blockbuster, die Massen in die Lichtspielhäuser locken könnten. Zum anderen sorgen die Corona-Auflagen dafür, dass der Betrieb nur eingeschränkt und damit kaum kostendeckend laufen kann.

„Es gibt Tage, an denen wir nicht einmal die Stromkosten wieder reinholen“, sagt Lutz Nennmann, neben Meinolf Thies Betreiber der Cineworld in Lünen, im Gespräch mit unserer Redaktion. Dabei gebe es ausschließlich positives Feedback: „Wir hören von Besuchern und in den Sozialen Netzwerken, dass der Kino-Besuch auch in Corona-Zeiten Spaß macht und sich die Gäste vor allem sicher fühlen.“

Weder enges Foyer, noch vermeidbares Risiko

Genau deshalb waren die Cineworld-Chefs auch überrascht, als sie von der Absage des Kinofestes erfuhren: „Wir respektieren natürlich die Entscheidung der Absage. Allerdings begegnen wir den aus unserer Sicht maximal mit Halbwissen und teils völlig haltlos angeführten Argumenten mit Unverständnis“, heißt es in einer offiziellen Stellungnahme. „Weder haben wir ein enges Foyer, noch ist ein Besuch in der Cineworld ein zusätzliches vermeidbares Risiko, wie Pro Lünen in einer Pressemitteilung die Absage zu erklären versucht.“

Der Verein hatte als Veranstalter des Kinofestes die Absage öffentlich gemacht, allerdings offenbar ohne vorher auch die Cineworld-Geschäftsführung zu informieren. „Wir haben das durch die Medien erfahren. Das ist sicher eine eher unglückliche Kommunikation“, kommentiert Lutz Nennmann.

Der Geschäftsführer betont, dass man bis zuletzt davon ausgegangen sei, zumindest ein Online-Festival durchzuführen. Stattdessen sei von einer möglichen

Gefahr für Besucher die Rede gewesen, die zurzeit nicht ausreichend eingeschätzt werden könne. Das weist Nennmann zurück: „Ein Kinofest mit reinem Festivalbetrieb ohne große Eröffnungsfeier hätte ohne weiteres stattfinden können, was von den Kinofest-Verantwortlichen vor der nun erfolgten Absage ja auch diskutiert wurde.“

Dass der Betrieb möglich ist, hätten die vergangenen Wochen - seit Pfingsten ist die Cineworld wieder geöffnet - gezeigt. „Die Masken können am Platz abgenommen werden, der Mindestabstand ist stets gewährleistet“, so Nennmann gegenüber unserer Redaktion. Es gebe auch keinen Ärger mit Masken-Verweigerern: „Der Betrieb läuft reibungslos und die Kinogänger sind sehr entspannt.“

Blockbuster im Herbst muss funktionieren

Wirklich entspannt können die Betreiber allerdings nicht sein. „Wir haben uns finanzielle Unterstützung und Kredite gesichert - alles in der Hoffnung, dass wir es letztlich nicht brauchen.“ Doch diese Hoffnung ist bedroht: „Die Verleiher lassen uns hängen, in einer Phase, in der die Stimmung in der Branche ohnehin schwierig ist.“ Prominentestes Beispiel sei der Film „Mulan“, den Disney direkt ins Digitalgeschäft geschoben habe - die Kinos gucken in die Röhre. „Erste Betreiber haben bereits aufgegeben“, weiß Nennmann.

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Davon ist die Cineworld noch entfernt. Allerdings müssen die nächsten Filme sitzen. Große Bedeutung misst Lutz Nennmann dabei dem Film „Tenet“ von Regisseur Christopher Nolan zu. Er soll Ende August starten und sei der erste Film seit des Corona-Ausbruchs, der Blockbuster-Potenzial habe: „Der Film könnte ein Symbol für die Wende im Herbst sein“, so der Cineworld-Betreiber.

Das muss er auch sein, denn sonst wird es eng: „Wenn wir im Herbst die Kurve kriegen, dann haben wir riesiges Glück gehabt.“ Klappt das nicht und bleiben die Blockbuster weiterhin aus, sieht es weniger rosig für die Kinolandschaft aus: „Die Filme, die bisher laufen, holen zwar einige Leute in die Kinos. Aber das wird nicht reichen.“

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