Betreiber der Nachtschicht bangt um Zukunft der Disko: „Lange können wir nicht mehr durchhalten“

dzVeranstaltungsbranche in Corona-Krise

Die „Nachtschicht“ steht vor dem Aus: Die einzige Diskothek in Werne ist geschlossen in der Corona-Krise. Der Betreiber bangt um die Zukunft der Disko. Deshalb muss er zu drastischen Maßnahmen greifen.

Werne

, 27.03.2020, 15:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ans Ausgehen ist in Zeiten der Corona-Krise nicht zu denken. Neben Restaurants und Kneipen hat auch die einzige Diskothek in Werne geschlossen. Ob die Nachtschicht an der Kamener Straße überhaupt wieder öffnen kann, ist ungewiss. Der Betreiber Markus Buchwald (38), der mit seiner Frau Nicole die Disko seit 2016 führt, bangt um seine Existenz. Die Zukunft der einzigen Disko in Werne steht aufgrund der Corona-Krise auf dem Spiel.

„Die Aussichten sind sehr trostlos“, sagt Markus Buchwald. Seit Mitte März ist seine Nachtschicht geschlossen. Das stellt ihn vor große Herausforderungen und Existenzängste. „Wir müssen irgendwie schauen, dass wir durchhalten“, sagt der 38-Jährige.

Finanzspritze des Landes als einziger Hoffnungsschimmer

Doch wie lange kann das noch gut gehen? Etwa vier bis sechs Wochen könne er es ohne jegliche Einnahmen noch schaffen. Er hofft wie viele andere aus der Veranstaltungs- und Gastronomiebranche auf das von der Landesregierung aufgesetzte Programm „Soforthilfe NRW 2020“. Markus Buchwald schätzt, dass er aus dem Hilfspaket, für das man sich seit Freitag, 27. März, anmelden kann, 5000 bis 9000 Euro einmalig bekommen kann.

Doch wann und ob das Geld aus Düsseldorf überhaupt fließt, ist noch unklar. „Das ist keine Garantie-Zahlung. Es kommt darauf an, wie unser Antrag bewertet wird und ob unsere Disko es wert ist, erhalten zu bleiben, Wir hoffen, dass schnell Geld fließt“, erklärt Buchwald.

Disko in Werne von Geld aus Düsseldorf abhängig

Für ihn ist die Finanzspritze existenziell. Ohne die staatliche Unterstützung werde er seine Diskothek schließen müssen. Davon ist Buchwald überzeugt. „In der Vergangenheit konnten wir keine üppigen Rücklagen bilden. In der Erlebnisgastronomie ist es sowieso nicht leicht, sodass man sich die Taschen voll machen könnte.“

Großer Andrang bei der Eröffnung der Nachtschicht im September 2016

Großer Andrang bei der Eröffnung der Nachtschicht im September 2016 © Kirsten Voss (A)

Die Zukunft der Disko hängt also von dem Programm „Soforthilfe NRW 2020“ ab. „Wenn wir da kein Geld bekommen, ist es nur noch eine Frage der Zeit bis zur Insolvenz. Wir halten dann vielleicht noch vier bis sechs Wochen durch“, erklärt Buchwald.

Fixe Kosten müssen weiter bezahlt werden

Mit der Finanzspritze des Landes könne er wohl zwei bis drei Monate überbrücken. Die fixen Kosten laufen schließlich weiter, auch wenn die Nachtschicht geschlossen ist. Das seien mehrere Tausend Euro monatlich, wie Buchwald erklärt. Dort, wo es möglich war, habe er bereits die monatlichen Kosten minimiert.

Dazu gehören allerdings auch die Personalkosten. Der einzige festangestellte Mitarbeiter macht derzeit Kurzarbeit. Den zwölf Minijobbern, bei denen keine Kurzarbeit rechtlich möglich ist, muss Buchwald hingegen kündigen. „Da führt leider kein Weg dran vorbei. Dort, wo kein Umsatz ist, kann auch nichts bezahlt werden.“

Viel Herzblut in Nachtschicht gesteckt

Denn die Sozialabgaben muss der Arbeitgeber weiter zahlen. Mit der Kündigung hätten die Mitarbeiter dann auch die Möglichkeit, neue Jobs anzunehmen. Schließlich kann man sich nebenbei nur mit einem 450-Euro-Job etwas dazu verdienen.

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Markus Buchwald muss sich selbst dann wieder neue Kräfte suchen, wenn er seine Diskothek wieder öffnen sollte. Auf einige seiner jetzigen Mitarbeiter könne er aber wohl wieder zählen, glaubt Markus Buchwald. Doch ob nach der Corona-Krise überhaupt wieder in der Nachtschicht, ehemals „Schnarchhahn“, gefeiert werden kann, ist heute schwer zu beantworten.

Jahrelang feierten die Werner im Schnarchhahn an der Kamener Straße 2. 2016 übernahmen Markus und Nicole Buchwald die Diskothek und nannten sie in Nachtschicht um.

Jahrelang feierten die Werner im Schnarchhahn an der Kamener Straße 2. 2016 übernahmen Markus und Nicole Buchwald die Diskothek und nannten sie in Nachtschicht um. © Vanessa Trinkwald (A)

„Wenn es nicht mehr geht, dann geht es nicht mehr. Natürlich steckt sehr viel Herzblut da drin. Wir sind alle sehr traurig über die aktuelle Situation“, sagt Markus Buchwald, der Mitgefühl für viele seiner Kollegen der Branche hat. „Es geht vielen so wie uns. Es ist eine Katastrophe!“

Bei der Eröffnungsfeier der Nachtschicht kamen viele Partyfreunde in die neue Diskothek. Nun steht die Zukunft der Nachtschicht auf der Kippe.

Bei der Eröffnungsfeier der Nachtschicht kamen viele Partyfreunde in die neue Diskothek. Nun steht die Zukunft der Nachtschicht auf der Kippe. © Bernd Warnecke (A)

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