Bei Verfolgungsjagd in Lünen: Rapper warf Hundewelpen auf die Polizei

dzAmtsgericht

Ein Lüner Rapper ist im vergangenen Jahr in eine Polizeikontrolle geraten. Er floh und lieferte sich eine Verfolgungsjagd mir der Polizei. Dank eines Hundewelpen entkam er. Nun musste er sich aber vor Gericht verantworten.

Lünen

, 25.06.2020, 14:05 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ganz in schwarz gekleidet präsentierte sich der Angeklagte am Mittwoch (24. Juni) vor dem Lüner Amtsgericht. Seine Verfolgungsjagd mit der Polizei im vergangenen Jahr bescherte ihm eine lange Anklageliste in dem zweistündigen Prozess. Ein Hundewelpe ermöglichte das Entkommen vor der Polizei.

Geplante Kontrolle wird zur Verfolgungsjagd

Der bereits wegen mehrerer Delikte vorbestrafte Lüner Rapper „Erkek“ war am 29. Oktober 2019 mit dem Auto unterwegs, als eine Polizeistreife auf ihn aufmerksam wurde.

Die Beamten sahen, wie der 23-Jährige sein Handy benutzte, während er auf der Preußenstraße unterwegs war. Als die beiden Polizisten dem Mercedes folgten und zum Anhalten aufforderten, startete die Verfolgungsjagd.

„Ich bin geflüchtet, weil ich keinen Führerschein hatte“, räumte der Angeklagte ein, der sich direkt zu Beginn der Verhandlung bei allen Beteiligten entschuldigte. „Ich schäme mich und bereue das zutiefst. Das war der Tiefpunkt meines Lebens“, sagte er reumütig. „Ich bin in Panik geraten, weil ich Angst hatte, nie wieder einen Führerschein zu bekommen“, war seine Erklärung.

Der Flüchtende verlor während der Verfolgung in einer Kurve die Kontrolle, fuhr über den Gehweg und rammte dabei einen parkenden Mazda und einen Stromverteilerkasten. Der Schaden: mehrere Tausend Euro.

Flucht zu Fuß dank eines neunwöchigen Hundewelpen

Zwei Versuche der Polizeibeamten, das Fahrzeug des Rappers zum Stehen zu bringen, mündeten in einem Zusammenstoß mit dem Polizei-Bulli. Zwischenzeitlich verlor das Fluchtauto sogar das rechte Vorderrad und setzte die Fahrt mit „Funkenflug“ der Felgen fort, wie die Polizisten berichten.

Angekommen an einer Absperrschranke, sollte die Flucht zu Fuß weitergehen. Beim Versuch der Festnahme habe der Beschuldigte einen Gegenstand geworfen. Der „Gegenstand“ entpuppte sich als neun Wochen alter Hundewelpe. Der kleine Pitbull sorgte für kurzzeitige Verwirrung der Beamten, sodass der Verfolgte sich losreißen konnte. Dabei versuchte er – so ist das Gericht überzeugt – die 25-jährige Beamtin zu schlagen. Zwar entkam er, konnte später aber durch das zurückgelassene Auto identifiziert werden.

Der Angeklagte entschuldigte sich zwar vor Gericht auch bei ihnen, der 33-jährige Beamte ließ das allerdings nicht gelten: „Zehn Minuten vorher haben auf dem Gehweg Kinder gespielt“, habe er erfahren, „die wären jetzt tot.“

Verfahren wegen Betruges wurde eingestellt

Neben der Verfolgungsjagd musste sich der Angeklagte wegen eines Betrugsvorwurfs verantworten. „Erkek“ soll ein Fahrzeug mit gefälschtem TÜV-Gutachten verkauft haben, von dem er aber nichts gewusst haben will, da sich ein Freund darum gekümmert habe. Weil der Angeklagte den Kaufpreis von 1750 Euro dem Betrugsopfer noch vor Ort erstattete, wurde das Verfahren von der Richterin eingestellt.

Besonders brisant: Den Namen des Freundes wollte der Lüner nicht nennen. Der Verteidiger erklärte das damit, dass dieser Verbindungen zu einem Motorradgang habe und sein Mandant mit „Repressalien“ rechnen müsse.

Neun Monate auf Bewährung und Führerscheinverbot

Wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis, unerlaubten Entfernens vom Unfallort, Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte und versuchter Körperverletzung beantragte der Staatsanwalt eine Haftstrafe von neun Monaten, die zu drei Jahren auf Bewährung ausgesetzt werden sollte.

Dem schlossen sich Verteidiger und Richterin an. Zudem darf der Verurteilte zwei Jahre lang keinen Führerschein beantragen. Es war nicht das erste Mal, dass er ohne Fahrerlaubnis unterwegs war.

„Wer sich so verhält, hat im Straßenverkehr aber auch gar nichts zu suchen“, sagte die Richterin bei der Urteilsbegründung. Sie wies darauf hin, dass die Verfolgung auch schlimmer hätte verlaufen können: „Da können Sie dankbar sein, dass sie hier sitzen und nicht vor dem Landgericht.“

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