Bei jedem VfL Bochum-Heimspiel: Mitarbeiter plündert Bier und Bratwurst-Kasse

dzProzess um Unterschlagung

Jahrelang hat ein Servicemitarbeiter bei Heimspielen des VfL Bochum Bargeld aus der Bier- und Wurst-Kasse abgezwackt. Und so rund 75.000 Euro unterschlagen. Mit einem simplen Trick.

Bochum

, 23.07.2020, 18:42 Uhr / Lesedauer: 1 min

„Ich habe bei jedem VfL-Heimspiel einen Geldbeutel einfach beiseitegelegt und nicht zum Zählen geben – so einfach ging das.“ Mit dieser lapidaren Erklärung hat ein Ex-Mitarbeiter (53) einer Servicefirma am Donnerstag (23.7.) eine perfide Serie von Unterschlagungen mit einem Gesamtschaden von knapp 75.000 Euro zugegeben. Das Bochumer Schöffengericht verurteilte den untreuen Mitarbeiter kurz danach zu zehn Monaten Haft auf Bewährung.

Begonnen hat alles im Jahr 2014 mit einem Freundschaftsspiel des VfL Bochum gegen den Bundesligisten Schalke 04. „Ich hatte mich von meiner Frau getrennt und musste Unterhalt zahlen“, erinnerte sich der Angeklagte. Da habe er zum ersten Mal ein so genanntes „Safepack“ mit Münz- und Scheingeld einfach beiseitegeschafft und später zu Hause aufgerissen. „Dann habe ich es mir davon ein bisschen gut gehen lassen.“

Jahrelang Unterschlagung bei jedem Heimspiel

Brezel, Bier Bratwurst: Alle Geldbeutel von den verschiedenen Verkaufsständen im Stadion an der Castroper Straße waren dem Angeklagten stets im Anschluss an das Spiel durch eine Sicherheitsklappe in sein Büro in den Stadionkatakomben gereicht worden. Und weil dieses erste Mal ihm rund 1.500 Euro in die private Kasse gespült hatte, machte der 53-Jährige anschließend jahrelang bei jedem Heimspiel weiter und weiter.

Bis zum 23. Februar 2019. „Da hatte ich leider nicht mehr die Chance, die Abrechnung zu korrigieren, weil ich plötzlich ins Krankenhaus gekommen bin“, berichtete der Angeklagte. Zuvor habe er es über all die Jahre hinweg immer geschafft, im Firmensystem die Zahlen nachträglich noch so zu verändern, dass niemand Verdacht geschöpft habe.

Urteil lautet auf 53-fache veruntreuende Unterschlagung

Mit dem Urteil entsprach das Gericht dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Der zuvor unbestrafte 53-Jährige, der zuvor auch bereits nach 25 Jahren in dem Serviceunternehmen seinen Job verloren hatte, ist zusätzlich verpflichtet worden, die 73.000 Euro, soweit es ihm künftig möglich ist, zurückzuzahlen. Das Urteil lautet auf 53-fache veruntreuende Unterschlagung.