Bayern will Corona-Tests für alle - unabhängig von Symptomen

Coronavirus

Bayern will Corona-Tests massiv ausweiten: Künftig sollen sich auch Menschen ohne Symptome testen lassen können. So will die Landesregierung große Infektionsgeschehen verhindern.

München

28.06.2020, 14:15 Uhr / Lesedauer: 2 min
Eine Mitarbeiterin am Institut für Virologie der technischen Universität München (TUM) bereitet Proben von Menschen mit Covid-19-Verdacht in einem Labor für die weitere Analyse vor.

Eine Mitarbeiterin am Institut für Virologie der technischen Universität München (TUM) bereitet Proben von Menschen mit Covid-19-Verdacht in einem Labor für die weitere Analyse vor. © picture alliance/dpa

In Bayern soll sich künftig jeder auf das Corona-Virus testen lassen können - ganz unabhängig davon, ob er Symptome hat. Die Tests sollen "massiv" ausgeweitet werden, wie Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) am Sonntag in München erklärte. Sie kündigte eine "Corona-Testoffensive" an: "Allen Bürgerinnen und Bürgern Bayerns wird deshalb zeitnah angeboten, sich bei einem niedergelassenen Vertragsarzt auch ohne Symptome testen zu lassen."

Reihe zusätzlicher Testmöglichkeiten auf Kassenkosten

Generell gilt: Im Kampf gegen das Virus sind inzwischen in ganz Deutschland Tests auch ohne akute Krankheitsanzeichen auf breiter Front möglich - besonders in sensiblen Bereichen wie Kliniken, Pflegeheimen, Schulen und Kitas.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte vor knapp drei Wochen eine Verordnung verkündet, die eine Reihe zusätzlicher Testmöglichkeiten auf Kassenkosten festlegt. Bis dahin gab es Tests auf Kassenkosten in der Regel nur bei Infektionsverdacht - also wenn man Symptome wie Fieber, Husten, Halsschmerzen oder Geruchs- und Geschmacksstörungen hatte.

Bayern ist aber das erste Bundesland, das künftig Tests für jedermann vorsieht. “Ein Eckpunkt unseres Bayerischen Testkonzepts ist, dass alle Personen, die auf eine Infektion auf SARS-CoV-2 getestet werden wollen, Gewissheit darüber erhalten sollen, ob sie sich infiziert haben”, betonte Huml. Wer die Kosten dafür trägt, blieb zunächst offen.

NRW: Lockdown in Gütersloh und Warendorf bis zum 30. Juni

In den Kreisen Gütersloh und Warendorf gelten wegen des Corona-Ausbruchs in dem Tönnies-Werk mit mehr als 1500 infizierten Mitarbeitern seit vergangenen Mittwoch wieder verschärfte Einschränkungen des öffentlichen Lebens. Alle Bürger können sich freiwillig testen lassen.

Von den Tests in der Allgemeinbevölkerung erhofft sich das Gesundheitsministerium ein Bild, inwieweit sich das Virus ausgebreitet hat. Da die verschärften Auflagen bis zum 30. Juni befristet sind, muss spätestens am Dienstag eine Entscheidung über Auslaufen oder Verlängerung fallen.

Nach den Vorfällen bei Tönnies muss die Fleischindustrie in Nordrhein-Westfalen künftig Beschäftigte auf ihre Kosten mindestens zwei Mal pro Woche auf das Coronavirus testen lassen. Die neue Vorgabe gilt ab 1. Juli für Schlachthöfe, Zerlegebetriebe und fleischverarbeitende Betriebe mit mehr als 100 Beschäftigten, wie das Landesministerium für Arbeit und Gesundheit in Düsseldorf mitteilte.

Schwerpunkt auf Fleischindustrie

Auch in Bayern soll ein Schwerpunkt der Tests auf Schlachthöfen und Fleischverarbeitungsbetrieben liegen. Ziel sei, "größeren Ausbruchsgeschehen wie in Gütersloh vorzubeugen", sagte die Gesundheitsministerin. In 33 weiteren ausgewählten Fleischbetrieben sollen die Mitarbeiter in Bayern reihenweise getestet werden.

"Dabei wollen wir auch herausfinden, ob die hohe körperliche Belastung oder die Arbeit bei ungünstigen Klimabedingungen mögliche weitere Risikofaktoren für eine Corona-Infektion darstellen", sagte Huml.

Bei den ersten umfassenden Corona-Reihentestungen von Mitarbeitern an 51 Schlachthöfen in Bayern waren nach Ministeriumsangaben insgesamt 110 Menschen positiv auf SARS-CoV-2 getestet worden.

RND/dpa

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