Bauboom verschafft Kampfmittel-Experten viel Arbeit

Der Bauboom sorgt in vielen Bundesländern für längere Wartezeiten bei der Abklärung möglicher Munitionsaltlasten und Blindgänger im Boden. In Hamburg gebe es wie in den anderen Bundesländern auch die Tendenz stark steigender Antragszahlen für die Auswertung von Luftbildern, sagte Referent Thomas Otto am Dienstag am Rande eines Symposiums von Luftbildauswertern in Kiel. Nach knapp 10 000 Anfragen 2019 würden im laufenden Jahr deutlich mehr als 11 000 Fälle erwartet. Für 2021 gehe er von etwa 16 000 Anfragen aus.

08.09.2020, 14:02 Uhr / Lesedauer: 1 min

Weil die Bearbeitungszeiten rapide ansteigen, soll in Hamburg das Personal der Luftbildauswertung aufgestockt werden. Aktuell beträgt die Wartezeit in der Hansestadt 16 Wochen. In Schleswig-Holstein sind es sogar 27 Wochen, in Nordrhein-Westfalen dagegen nur zwei bis drei Wochen.

„Wir haben in diesem Jahr bislang 30 Prozent mehr Anträge erhalten“, sagte der Dezernent des Kampfmittelräumdienstes Nordrhein-Westfalen, Kai Kulschewski. Über die Situation in NRW sagte er weiter, 2019 hätten die Experten in mehr als 20 000 Fällen Luftbilder ausgewertet. In diesem Jahr würden es voraussichtlich rund 25 000 werden. Ein Grund für den Anstieg sei der Breitband-Ausbau.

In Schleswig-Holstein und den anderen Ländern setzen die Kampfmittelräumdienste vor allem auf Luftbilder. „Wir haben 88 000 Luftbilder aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs“, sagte Alan Bock, Leiter der Luftbildauswertung beim Kampfmittelräumdienst Schleswig-Holstein. Das Archiv umfasse mittlerweile 90 000 Munitionsfunde im Norden aus dem Zeitraum 1940-2020.

Schleswig-Holsteins Landesregierung hat bereits angekündigt, die Zahl der Stellen im Kampfmittelräumdienst wegen des Bearbeitungsstaus bei Anträgen von Grundstückseigentümern 2021 um vier auf zwölf zu erhöhen. Dem muss der Landtag aber noch zustimmen. Im Norden müssen Eigentümer den Baugrund in 90 Kommunen, die durch bekannte Bombenabwürfe aus dem Zweiten Weltkrieg belastet sind, vor Beginn der Tiefbauarbeiten auf Altmunition untersuchen lassen. Im vergangenen Jahr hat es 5284 solcher Anträge gegeben, deren Zahl wird im laufenden Jahr mit mehr als 7000 prognostiziert.

Noch bis Donnerstag beraten im Kieler Rathaus 85 Experten aus fast allen Bundesländern über Kriegsluftbilder und ihre Auswertung. Dabei geht es beispielsweise auch um die Nutzung künstlicher Intelligenz in der Luftbildauswertung oder Techniken zur Auswertung von Nachtaufnahmen.

Weitere Meldungen