Der B236-Ausbau von der Autobahn zur Ruhr wird von den Planern als ein Weg aus dem Dauerstau angepriesen. Doch selbst, wenn das stimmt, finden viele Bürger den Ausbau nicht richtig.

Schwerte

, 13.03.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Ob es der ungünstige Termin (Donnerstagmorgen, 9 Uhr) oder die Sorge wegen des Coronavirus war? Auf jeden Fall waren es nur knapp 30 Stadtvertreter, Nachbarn und zwei Journalisten, die den zahlreichen Vertretern von Straßen.NRW, Bezirksregierung und Ingenieursbüros gegenüber saßen. Dabei ging es wohl um die letzte entscheidende Eingriffsmöglichkeit auf die Planung der Ortsdurchfahrt Schwerter der B236. Die Bezirksregierung hatte zum Erörterungstermin ins Rathaus eingeladen.

Was wurde verhandelt?

Die Stadt, aber auch Bürger konnten Anregungen und Einwendungen zur Planung des B236-Ausbaus von der Autobahn bis zur Ruhrbrücke machen. Zu den Einwendungen durfte Straßen.NRW seine Auffassung vortragen. Versammlungsleiter Peter Ernst von der Bezirksregierung leitete die Versammlung und protokollierte die Argumente. Auf dieser Basis trifft die Bezirksregierung im Anschluss den Planfeststellungsbeschluss.

Was wurde diskutiert?

Vor allem jene Abschnitte der Planung die strittig sind. Die Stadt unterteilt die Straße grundsätzlich in zwei Abschnitte. Bis zur Kreuzung Karl-Gerharts-Straße sei man sich mit Straßen.NRW einig, dass hier der Verkehr beschleunigt werden müsse. Danach führe die Strecke durch die Stadt und müsse deshalb stadtverträglich ausgebaut werden.

Warum ist die Planung notwendig?

Die Straße ist erheblich zu hoch belastet. 20600 bis 24.500 Kfz sind auf der B236 jeden Tag unterwegs. Bis 2030 wird damit noch einmal gerechnet, dass 500 Autos täglich hinzu kommen. Durch den Ausbau soll die der Verkehrsfluss verbessert werden. „Weniger Stau bedeute auch weniger Abgase, argumentiert der Landesbetrieb. Frühestens 2026 kann die neue Straße fertig sein.“

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Die Nachbarn der Strecke fordern vor allem Lärmschutz

Vor allem Anwohner der B236 fordern aktive Lärmschutzmaßnahmen, wie etwa eine Lärmschutzwand vor den Grundstücken im oberen Bereich der Hörder Straße. Am liebsten wäre vielen, die Straße würde gar nicht ausgebaut. Ein anderer Nachbar aus dem südlichen Bereich bezweifelte die Pläne grundsätzlich. Er forderte, die Straße nicht in Schwerte auszubauen, sondern eine Umgehungsstraße zu planen. Sonntagabends nach Aufhebung des Fahrverbots für Lkw sei die Lautstärke nicht auszuhalten, so der Anwohner. Und das obwohl es ein Durchfahrtsverbot für Lkw gibt. Straßen.NRW betonte, dass man für die Durchsetzung nicht zuständig sei. Das ist nach Angaben der Stadt die Polizei. Eine Umgehungsstraße zu bauen, sei nicht der Auftrag des Landesbetriebs gewesen.

Und zum Lärmschutz: Der Lärm sei nicht so groß, dass man dort aktiven Lärmschutz brauche. Passiver Lärmschutz, also neue Fenster, sind in bestimmten Fällen möglich.

Nur mit sogenannten Passivsammlern werden nur noch Stickoxyde an der B236 noch gemessen. Nachbarn kritisieren das.

Nur mit sogenannten Passivsammlern werden nur noch Stickoxyde an der B236 noch gemessen. Nachbarn kritisieren das. © Foto: Björn Althoff

Thema Luftbelastung

Ein Vertreter einer Eigentümergemeinschaft, die zwei Objekte an der Hörder Straße besitzt, brachte das Thema Luftqualität auf die Tagesordnung. Die Luftqualität an der Hörder Straße werde nur an einer Stelle gemessen, mit einem Passivsammler. Wie will man da feststellen, ob sich die Qualität da verbessere? Der Ausbau der Straße folge nur dem Vorrang des Kfz-Verkehrs.

Der Gutachter verwies darauf, dass zum einen der Feinstaub auch so zurückgehe. Stop-und-Go-Vermeidung würde genauso zur Luftverbesserung führen wie technische Neuerungen.


Die Forderungen der Stadt

  • Thema Parkplätze: Die Stadt regte an, die Parkplätze Bethunestraße 6 bis 10 möchte man erhalten wissen. Außerdem müsste Parkraum geschaffen werden, weil viele Plätze entlang der Trasse wegfallen. Bei den Stellplätzen handelt es sich um schräge Parkboxen. Die dort zu belassen, hält der Landesbetrieb für zu riskant, weil die Parkenden dann über den Geh- und Radweg fahren müssten. Parken in Längsrichtung sei nicht machbar, weil damit die Sicht versperrt werde, so Straßen.NRW.
  • Kreuzung Ostentor: Am Ostentor bemängelte die Stadt die Situation für Radfahrer. Ausgerechnet dort, wo viele Schüler entlang fahren, sei der Radweg besonders eng. Ausgerechnet dort wo der Weg für drei Schulen herführt, habe man den schmalsten Abschnitt des Rad und Fußweges geplant. Man könne dort private Flächen kaufen, um den Weg zu verbreitern. Straßen.NRW betonte aber, dass man zum einen in der vorhandenen Trasse geplant habe und zum anderen die Fläche jetzt als Parkplatz und für Mülltonnen genutzt werde.
  • Radschutzstreifen an der Wittekindstraße erhalten: An der Einmündung Wittekindstraße sollen die Radstreifen wegfallen. Das entspricht auch der Empfehlung für Radverkehrsanlagen des Landes. Das räumte die Stadt auch ein. „Ich habe aber das Gefühl, dass es sich der Landesbetrieb hier einfach gemacht hat und den Radverkehr einfach an die Seite geschoben hat“, so Bürgermeister Dimitrios Axourgos. Auf der Basis eines Vorschlags der Stadt ist dort aber ein Kompromiss in Sicht.
  • Wer die Kosten trägt: Die Ortsdurchfahrt wird aus dem Bundesverkehrswegeplan finanziert. Aber für Parkplätze, Fuß- und Radwege in der Ortsdurchfahrt wird auch die Stadt zur Kasse gebeten. Ein Punkt, den die Stadt nicht einsieht. Vor allem, weil die meisten Einwendungen und Vorschläge der Stadt zu Problemen in diesem Bereich nicht berücksichtigt wurden. Besonders ärgerlich sei es, dass der Landesbetrieb Parkplätze überbaue und die Stadt auf eigenen Kosten für Ersatz sorgen müssen. Doch das Gesetz ist da eindeutig. Die Stadt muss in ihrem Bereich zahlen.
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