Außergewöhnliche Verbrechen: Familiendrama in gutbürgerlichen Kreisen

dzZehn mal Werne

Es war eine Tat, die ganz Werne erschütterte. Die Opfer als Betreiber einer Fahrschule wohl bekannt, der Täter der eigene Sohn. Doch der Schein der gutbürgerlichen Familie trog.

Werne

, 16.10.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es war ein Verbrechen, das scheinbar in jeder Familie hätte passieren können. Doch spätestens im Prozess wurde klar, dass diese vermeintliche Vorzeigefamilie aus Werne in Wirklichkeit keine gewesen war.

Verbrechen im Verborgenen

Es gibt unzählige Verbrechen im Verborgenen, die meist unerkannt bleiben. Bis die Sache eskaliert. Bis Opfer zum Täter werden, und aus Tätern Opfer. Die Tat selbst erschütterte, doch die Gründe, wieso es dazu kommen konnte, noch viel mehr. Wobei bis zum Schluss nicht klar wurde, was tatsächlich in der Familie vorgefallen war.

Für das gesamte Umfeld muss jedoch eine Welt zusammengebrochen sein. Hätte man verhindern können, was passierte? Hätte man genauer hinsehen und Hilfe anbieten können, wenn nicht gar müssen? War es richtig, das, was man mitbekam, als die Sache anderer Leute abzutun und alles hinter dem Siegel „Privatsache“ verschwinden zu lassen? Viele werden sich nach der Tat vom 21. Juni 2007 genau diese Frage gestellt haben.

Brutale Tat kam durch Autounfall ans Licht

Denn mit einer brutalen Bluttat kam vieles ans Tageslicht, was einige im Ansatz mitbekommen hatten. Alles begann mit dem Auto-Unfall des damals 40-jährigen Sohnes auf der Steinstraße, bei dem ein Blechschaden entstand. Der Mann wirkte weggetreten, den Polizisten fielen die Blutflecken an seiner Kleidung auf. Später fanden Beamte in seinem Elternhaus die Leichen des Vaters (74) und der Mutter (69). Beide waren im Schlaf mit einem Vorschlaghammer brutal erschlagen worden.

Sicher war, dass der Sohn mehrfach in psychischen Kliniken zur Behandlung gewesen war. Er sprach dort von sexuellem Missbrauch durch den Vater in der Kindheit, aber auch Minderwertigkeitskomplexen im Vergleich zum Bruder kamen ans Licht. Im Prozess gab es Aussagen von Verwandten und Bekannten, dass der Sohn nie den erforderlichen Rückhalt und die Anerkennung der Eltern bekommen habe. Das Verhältnis sei angespannt gewesen. Mehrfach kam es zu Gewaltausbrüchen, einmal zertrümmerte der Sohn mit der Axt einen Schrank des Vaters.

Alkohol, Tablettensucht und psychische Krankheit

Die Aufenthalte in psychiatrischen Kliniken waren jedoch immer kurz. Zu kurz, wie Fachleute vor Gericht aussagten, um Dinge aufarbeiten zu können. Zudem entwickelte der zur Tatzeit 40-Jährige einen Hang zum Alkohol, auch von Tablettensucht war die Rede. Das Gericht ging schließlich aufgrund von Gutachter-Aussagen von einer schweren psychischen Erkrankung aus. Aufgrund der diagnostizierten Schizophrenie galt der Sohn letztlich als schuldunfähig.

Eine Strafe für die Tat gab es nicht, das Schwurgericht ordnete die unbefristete Unterbringung in der geschlossenen Psychiatrie an. Der Anwalt legte gegen das Urteil Berufung ein, sah allein im Alkohol die Schuld für die Tat, doch die Revision hatte keinen Erfolg. Der Täter kam in die geschlossene Psychiatrie, die er wohl Zeit seines Lebens nicht mehr verlassen wird.

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