Außergewöhnliche Verbrechen: Als ein Werner Geschäftsmann Brandstifter beauftragte

dz10 mal Werne

Es war ein Krimi, der sich im Jahr 2008 vor dem Dortmunder Landgericht abspielte – und zahlreiche Schaulustige anlockte. Dabei lagen die Verbrechen da schon zwei und fünf Jahre zurück.

Werne

, 22.10.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als die Werner Feuerwehr in den Jahren 2003 und 2006 zu zwei Bränden in der Innenstadt gerufen wurde, hätte wohl niemand erwartet, dass sich daraus einmal ein Kriminal-Spektakel erster Güte entwickeln würde. Denn hinter den Bränden im denkmalgeschützten Haus Westmauer 19 im August 2003 sowie in einem Backshop an der Lünener Straße im Februar 2006 steckte Brandstiftung – und zwar eine der schlimmsten Sorte. Der Drahtzieher der Angelegenheit hatte sich die Finger nicht selbst schmutzig gemacht, sondern die Brandstiftung in Auftrag gegeben. Doch wer war wofür verantwortlich?

Ehepaar landet vor Gericht - wird aber freigesprochen

Ins Visier der Fahnder kamen die Betreiber des Backshops, die später auch vor Gericht landeten. Doch eine Schuld konnte ihnen nicht nachgewiesen werden, im Gegenteil. Sie wurden von allen Vorwürfen freigesprochen und rehabilitiert. Nach vier Verhandlungstagen hatte auch die Staatsanwaltschaft einsehen müssen, dass „ein Motiv nicht zu erkennen“ gewesen war. Das Ehepaar hätte keineswegs finanziell von der später kassierten Versicherungssumme profitiert. Im Gegenteil: „Nach dem Brand ging es ihnen schlechter als vorher“, so die Staatsanwältin.

Ungeklärt bleibt, wer den Backshop an der Lünener Straße im Jahr 2006 verursachte.

Ungeklärt bleibt, wer den Backshop an der Lünener Straße im Jahr 2006 verursachte. © Archiv

Drei Männer im Fall von 2003 geständig

Doch drei andere Männer waren teils geständig – und gaben zu, für den Brand an der Westmauer verantwortlich zu sein. Gegen sie ging der Prozess weiter. Im Mittelpunkt: ein damals 52-jähriger Geschäftsmann aus Werne als Auftraggeber und der 45-jährige Brandstifter. Der dritte Angeklagte war ein Mittelsmann gewesen.

Fast zwei Monate lang hatte sich die 39. Strafkammer im Jahr 2008 mit den beiden mysteriösen Bränden befasst. Am Ende stand fest: Hinsichtlich des fast fünf Jahre zurück liegenden Feuers können klare Feststellungen getroffen werden. Doch wer 2006 den Bäckerei-Pavillon anzündete und in wessen Auftrag er dabei handelte, würde wohl ungeklärt bleiben. Zu viele Schlüssel für das Gebäude waren im Umlauf gewesen, als dass nachvollziehbar gewesen wäre, wie der Brandstifter an einen davon hatte herankommen können.

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Es war Betrug

An der Westmauer war die Sache klar: Der Besitzer des denkmalgeschützten Hauses, der Werner Geschäftsmann, hatte im Jahr 2003 seinen Hilfsarbeiter mit der Suche nach einem Brandstifter beauftragt. Der Hilfsarbeiter sprach einen obdachlosen Trinker an, der den Plan schließlich am 8. August 2003 in die Tat umsetzte. Ziel des Geschäftsmannes war es, das denkmalgeschützte Haus loszuwerden.

Der Richter stellte in der Urteilsbegründung klar: „Mit seinem Eigentum darf man grundsätzlich machen, was man will. Man darf auch sein Haus anzünden lassen.“ Doch den Schaden später bei der Gebäudeversicherung zu melden und von dieser rund 68 000 Euro einzustreichen, sei nicht mehr erlaubt. „Das ist Betrug“, erklärte der Richter und verurteilte den Geschäftsmann zu zwei Jahren Haft auf Bewährung – und damit von allen drei Beteiligten am härtesten.

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Das Geld der Versicherung musste überdies zurückgezahlt werden. Der Mittelsmann erhielt 18 Monate, der eigentliche Brandstifter 15 Monate Haft auf Bewährung. Da hatte der Brandstifter bereits sieben Monate in Untersuchungshaft verbüßt, der Geschäftsmann fast drei Monate.

Revision und neuer Prozess

Gegen dieses Urteil ging die Staatsanwaltschaft in Revision. Sie verlangte ein höheres Strafmaß, da sie den Geschäftsmann auch für den Drahtzieher hinter dem Backshop-Brand hielt. Von diesem Vorwurf war der Mann aber freigesprochen worden. Der Prozess ging tatsächlich in die zweite Runde, denn den Freispruch hob der Bundesgerichtshof in Karlsruhe auf.

Der Folgeprozess dauerte aber nur wenige Stunden. Der Brandstifter blieb unbekannt, anderweitig belastende Zeugen oder Indizien wurden nicht gefunden. Das Verfahren wurde daher mit Blick auf die rechtskräftige Verurteilung in Sachen Westmauer eingestellt. Allerdings wurde der Geschäftsmann nachdrücklich daran erinnert, die Versicherungssumme zügiger zurückzuzahlen.

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In unserem Serienformat „10 mal Werne“ blicken wir auf Ereignisse zurück, die in der Lippestadt für großes Aufsehen gesorgt haben - etwa weil sie schockierend oder besonders kurios waren. Dazu gehören unter anderem 10 außergewöhnliche Verbrechen.
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