Ausgesetzte Hündin muss mit Pfeil aus dem Blasrohr betäubt werden

dzTierschutz in Schwerte

Eine kalbsgroße Hündin ist auf einem Wanderparkplatz bei Schwerte-Ergste ausgesetzt worden. Sie ließ niemanden an ihre Leine heran. Die Rettungsaktion war dramatisch und dauerte stundenlang.

11.10.2020, 14:31 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Leine war einfach an die Schranke des Wanderparkplatzes Wannebach in Tiefendorf angebunden. Hilflos musste die Hündin im dunklen Wald zwischen Ergste und Letmathe ausharren, bis sie am Samstagmorgen gegen 7.20 Uhr von einem Spaziergänger entdeckt und der Polizei gemeldet wurde. So startete eine dramatische, fünfstündige Rettungsaktion.

Polizei und Feuerwehr riefen das Tierheim zur Hilfe

„Als die Polizei merkte, dass es wegen der Größe ein bisschen problematisch sein könnte, hat sie die Feuerwehr angerufen“, berichtet die Leiterin des Schwerter Tierheims, Catharina Seelig. Doch auch die Feuerwehr sei nicht weitergekommen, so dass sie das Tierheim zur Hilfe rief: „Das Mädchen kooperierte nicht.“ Es war auch ein sehr großes Mädchen. Eine beige Kanga-Hündin mit schwarzen Abzeichen, die eine Schulterhöhe von 80 Zentimetern erreichen kann. Die Rasse gehört zu den Herdenschutzhunden, die jahrhundertelang darauf gezüchtet wurden, Schafherden vor wilden Tieren zu verteidigen.

Hündin ließ niemanden in die Nähe der Leine

„Ich nehme an, sie war die ganze Nacht da draußen und hat gedacht, dass das jetzt ihr Territorium ist, das sie schützen muss“, erklärt sich Catharina Seelig das Verhalten der Hündin. Sie habe niemanden an ihre Leine herangelassen: „Sobald man in Richtung Halsband und Leine kam, war sie nicht mehr freundlich.“ Man durfte nicht riskieren, dass sich das Tier beim Rettungsversuch losreißen und in Panik davonrennen könnte. Genauso musste die Sicherheit aller Anwesenden gewährleistet werden. „Deshalb blieb nichts Anderes übrig, als sie für den Transport zu betäuben“, berichtet Catharina Seelig - per Pfeil mit einem Blasrohr.

Tierschützer wollen eine Strafanzeige stellen

Der Tierschützerin rief einen Jäger, der diese Art der Betäubung vornehmen darf. Nach zwei Pfeilen dauerte es immer noch eine Weile, bis die nach aller Aufregung mit Adrenalin vollgepumpte Hündin schließlich so ruhig war, dass man ihr einen Maulkorb aufsetzen konnte. Dann wurde sie in ein Auto gelegt, weil sie zu groß für den Käfig war: „Ich möchte der Feuerwehr ein großes Dankeschön sagen, weil sie die ganze Zeit dabei geblieben ist und auch beim Tragen geholfen hat.“

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Im Tierheim erholt sich die nicht mehr ganz junge Hündin jetzt von den Strapazen. Sie sei ein bisschen dünn, aber nicht offensichtlich verletzt, sagt Catharina Seelig. Am Sonntag sei sie schon besser auf den Menschen zu sprechen gewesen. Einen Namen haben ihr die Tierheim-Mitarbeiter noch nicht gegeben. Sie schauen erst einmal, welche Informationen sie zu der Hündin bekommen können. Mehrere Hinweise seien schon eingegangen. „Eine Anzeige bei der Polizei wird auch gestellt“, kündigt Catharina Seelig an.

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