Arzt unter Totschlags-Verdacht: Klinikum Lippe will prüfen

Im Fall des unter Totschlagsverdachts stehenden Oberarztes der Uniklinik Essen will nun auch das Klinikum Lippe als früherer Arbeitgeber dessen Arbeit überprüfen. Wie das Klinikum am Dienstag auf dpa-Anfrage mitteilte, war der Arzt von Mitte Juni 2004 bis Ende 2010 dort beschäftigt - zunächst als Assistenzarzt, später als Facharzt für Anästhesiologie. Er habe das Haus auf eigenen Wunsch verlassen. Derzeit habe man keine Hinweise auf ein Fehlverhalten. „Dennoch wird das Klinikum Lippe den Zeitraum der Tätigkeit von Herrn B. auf besondere Vorfälle analysieren“, hieß es weiter.

24.11.2020, 19:22 Uhr / Lesedauer: 1 min

Der 44 Jahre alte Mediziner soll laut Polizei zwei todkranken Männern (47 und 50 Jahre alt) in deren letzter Lebensphase vorsätzlich und rechtswidrig Medikamente verabreicht haben, die zum sofortigen Tod führten. Seit vergangenem Donnerstag ist er in Haft. Eine Mordkommission ermittelt wegen Totschlags. Der Mann war laut Staatsanwaltschaft auf einer Station tätig, auf der ausschließlich Covid-19-Patienten behandelt wurden. In einem der beiden Fälle hat er laut Polizei angegeben, dass er das weitere Leiden des Patienten und seiner Angehörigen habe beenden wollen.

Bevor er im Februar nach Essen kam, hatte er über neun Jahre lang an der Uniklinik Heidelberg gearbeitet. Die Uniklinik hatte am Montag angekündigt, dass sie die Arbeit des Arztes „auf medizinische Korrektheit überprüfen“ werde. Unter anderem sollen dort Todesfälle im Wirkbereich des Arztes systematisch aufgearbeitet werden.

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