Armin Laschet: „Linke ziehen nicht mordend durchs Land“

Ministerpräsident

Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident bekommt in Berlin einen Preis für sein Engagement für das Judentum. Die Chance nutzt er, um Grundsätzliches zu sagen.

Berlin

03.03.2020, 10:28 Uhr / Lesedauer: 2 min
NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) wurde in Berlin mit dem Israel-Jacobson Preis ausgezeichnet.

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) wurde in Berlin mit dem Israel-Jacobson Preis ausgezeichnet. © picture alliance/dpa

Migranten für den Antisemitismus in Deutschland verantwortlich zu machen, ist aus Sicht des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Armin Laschet falsch. „Mancher ist bei uns leicht bei der Hand, insbesondere auf der politischen Rechten, der sagt, der Antisemitismus ist eingewandert“, sagte Laschet am Montagabend in Berlin. „Er war aber immer da.“

Der CDU-Politiker wurde in der Neuen Synagoge mit dem Israel-Jacobson-Preis 2020 ausgezeichnet. Die Union progressiver Juden in Deutschland würdigte ihn damit für seine „große Verdienste für das liberale Judentum, für die Stärkung des jüdischen Lebens in Nordrhein-Westfalen in seiner ganzen Vielfalt sowie für seinen persönlichen Einsatz für Begegnung und Dialog zwischen den Religionen und Kulturen“.

Laschet zitierte in seiner Dankesrede Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die Staatsräson Deutschlands sei die Sicherheit Israels. „Aber sie geht noch weiter. Sie ist auch die Sicherheit der Juden in Deutschland“, so der CDU-Politiker, der sich um den Bundesvorsitz seiner Partei bewirbt.

„Das Judentum ist Teil Deutschlands, ist Teil der deutschen Kultur“

Laschet erinnerte daran, dass die jüdische Geschichte in Deutschland 1700 Jahre zurückreicht. „Das Judentum ist Teil Deutschlands, ist Teil der deutschen Kultur, hat die deutsche Kultur mitgeprägt, die Literatur und die Musik und vieles andere mehr“, so der nordrhein-westfälische Ministerpräsident.

Laschet kam auch auf aktuelle Diskussionen in seiner Partei zu sprechen und erwähnte in dem Zusammenhang ausdrücklich einen der früheren Preisträger: Vor zwei Jahren habe Bodo Ramelow den Israel-Jacobson-Preis diesen Preis bekommen, sagte er, um dann zur Frage überzuleiten, wie mit der Linkspartei umzugehen sei: „Ja, wir haben einen Beschluss, dass wir mit beiden Parteien nicht kooperieren dürfen. Aber ich finde, es gibt einen Unterschied“, sagte Laschet und plädierte für Differenzieren. „Linke vertreten vielleicht manche These, die ich nicht teile, aber sie ziehen nicht mordend durchs Land.“

Union progressiver Juden vergibt den Preis alle zwei Jahre

Die Antisemitismusbeauftragte des Landes Nordrhein-Westfalen, Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, sagte über die Entscheidung, Laschet auszuzeichnen: „Einen würdigeren Preisträger hätten Sie nicht finden können.“ Rabbiner Prof. Walter Homolka nannte ihn „einen verlässlichen Freund der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland und des Staates Israel“.

Laudator Abraham Lehrer, Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, betonte, es gebe gleich mehrere Parallelen zwischen Laschet und dem Namensgeber des Preises: Jacobson sei im 19. Jahrhundert ein Reformer gewesen. „Auch Sie haben den Ruf eines Reformers in Ihrer Partei.“ Laschet wolle andererseits wie Jacobson die Tradition bewahren, sei also konservativ und gleichzeitig kein Mensch, der sich in Theorien und schönen Formulierungen verliere - „ein konservativer Reformer mit Macherqualitäten“.

Die Union progressiver Juden vergibt den Preis alle zwei Jahre. Benannt ist die Auszeichnung nach Israel Jacobson (1768 - 1828), der zu den Begründern des liberalen Judentums in Deutschland gehörte.

dpa

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