Arbeitslosigkeit gestiegen: Corona-Auswirkungen lassen nach

Die Arbeitslosenquote in NRW ist auch im Juli gestiegen. Corona hatte daran aber nicht mehr einen so großen Anteil wie in den vergangenen Monaten. Bei der Kurzarbeit lagen die Zahlen nicht so hoch wie zunächst angenommen.

30.07.2020, 10:41 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Folgen der Corona-Krise für den Arbeitsmarkt in Nordrhein-Westfalen haben sich im Juli abgeschwächt. „Der Anstieg der Arbeitslosigkeit, wie wir ihn in den vergangenen Monaten als direkte Auswirkung der Coronavirus-Pandemie erlebt haben, lässt nach“, sagte der Vorsitzende der Regionaldirektion NRW der Bundesagentur für Arbeit, Torsten Withake, am Donnerstag. Zudem gebe es eine wieder steigende Bereitschaft der Wirtschaft, neue offene Stellen zu melden und Personal einzustellen.

Dennoch stieg die Arbeitslosenquote mit 8,1 Prozent auf den höchsten Wert der vergangenen fünf Jahre. Die Regionaldirektion zählte im Juli knapp 794 000 Erwerbslose. Das waren etwa 23 000 mehr als im Juni und fast 148 000 mehr als ein Jahr zuvor. Der Anstieg sei sowohl auf die Auswirkungen der Corona-Pandemie als auch auf für die Jahreszeit übliche Faktoren wie das Ende der Ausbildung für viele Jugendliche zurückzuführen, hieß es. Zum Vergleich: Bundesweit liegt die Arbeitslosenquote bei 6,3 Prozent.

Ob sich auf dem NRW-Arbeitsmarkt schon eine Trendumkehr abzeichnet, ist nach Einschätzung von Experten unsicher. „Ich würde nicht sagen, dass es schon in Richtung eines Wiederaufschwungs geht, sondern dass der Rettungsschirm hält“, sagte Prof. Gerhard Bosch vom Institut Arbeit und Qualifikation der Universität Duisburg-Essen. Prognosen stünden „auf unsicherem Grund“, viel sei von der Entwicklung der Corona-Pandemie abhängig.

Die Regionaldirektion veröffentlichte auch einen genaueren Überblick über Kurzarbeit in Nordrhein-Westfalen. Nach einer Hochrechnung haben im April, auf dem Höhepunkt der Corona-Einschränkungen, rund 1,2 Millionen Beschäftigte verkürzt gearbeitet. „Dass die realisierte Kurzarbeit im April letztlich deutlich niedriger ausgefallen ist, als ursprünglich angezeigt worden war, ist ein gutes Zeichen“, sagte Withake. Mögliche Kurzarbeit angezeigt hatten die NRW-Betriebe zuvor für mehr als 2 Millionen Mitarbeiter.

Besonders betroffen von der Krise sind laut Withake junge Menschen. Bei den unter 25-Jährigen sei die Arbeitslosigkeit im Vergleich zum Juli 2019 stärker gestiegen als insgesamt. Generell beendeten im Juli viele ihre Ausbildung und meldeten sich arbeitslos. „Hinzu kommt ein Rückgang bei Stellen in der Zeitarbeit sowie der vorübergehende Wegfall vieler befristeter Stellen, die beim Berufseinstieg jeweils eine wichtige Rolle spielen“, sagte Withake. In diesem Jahr meldeten sich gut ein Viertel mehr unter 25-Jährige arbeitslos als im Juli 2019.

Zum traditionellen Beginn des Ausbildungsjahres am 1. August sind in NRW noch fast 39 000 Lehrstellen frei. Wegen der Corona-Krise habe sich der Endspurt am Ausbildungsmarkt um etwa sechs bis acht Wochen verschoben. Im Vergleich zum Juli 2019 gab es dieses Jahr rund acht Prozent weniger gemeldete Ausbildungsstellen, aber auch rund 11 Prozent weniger Bewerber. Aktuell suchen rund 32 250 junge Menschen eine Lehrstelle.

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