Arbeitgeber um 128.000 Euro betrogen - Ex-Geschäftsführer bereichert sich schamlos

dzGerichtsprozess

Massagen, Shoppingtouren oder Matratzen fürs Ehebett: Jahrelang führte der Ex-Geschäftsführer eines Herner Pflegevereins ein Leben auf Kosten seines Arbeitgebers. Jetzt muss er ins Gefängnis.

Bochum

, 02.09.2020, 09:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nach einem Untreue-Skandal bei einem Gesundheits- und Pflegeverein in Herne ist der ehemalige Geschäftsführer (51) am Dienstag am Bochumer Landgericht zu zwei Jahren und acht Monaten Haft verurteilt worden. In der Urteilsbegründung war unter anderem von „niederträchtigem Verhalten“ und „schamloser Bereicherung“ die Rede.

Dass sich der Ex-Geschäftsführer trotz seines letztlich doch noch vollumfänglich abgelegten Geständnisses am Ende keine Chance auf eine Bewährungsstrafe verdient habe, begründete die 13. Wirtschaftsstrafkammer mit dem „überdurchschnittlichen Maß an persönlicher Schuld und verfestigter krimineller Energie“. Außerdem sei bis jetzt nicht ein Cent Schadenwiedergutmachung geleistet worden.

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Das Gericht stellte fest, dass der 51-Jährige das Vermögen des Herner Pflegevereins in 261 verbliebenen Untreue-Fällen um mehr als 128.000 Euro geschädigt hat. Ursprünglich waren 337 Taten angeklagt gewesen. Aus prozessökonomischen Gründen waren am vorletzten Prozesstag aber noch alle Einzelfälle mit Schäden unter 100 Euro eingestellt worden.

„Maßloses übersteigertes Gewinnstreben“

Laut Urteil hat der damalige Geschäftsführer von 2014 bis 2018 über die vereinseigene Kreditkarte privat eingekauft, Bargeld vom Bankautomaten abgehoben, bei Amazon bestellt und für Urlaubsreisen, Massagebehandlungen, Bundesligakarten und Weihnachtsgeschenke für den Stiefsohn einfach seinen Arbeitgeber bezahlen lassen. „Die Art und Weise, wie er sich in nahezu allen Bereichen des privaten Lebens bereichert hat, offenbart ein maßloses übersteigertes Gewinnstreben“, sagte Richter Carsten Schwadrat in der Urteilsbegründung.

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Dass der 51-Jährige zur Rechtfertigung gegenüber misstrauisch gewordenen Mitarbeitern zum Schluss in seinem Dienstvertrag durch Manipulation eine Art „Selbstbedienungserlaubnis“ verankert hatte, „offenbart zusätzlich eine rechtsfeindliche Gesinnung“, urteilten die Bochumer Richter.

Der Angeklagte hatte in seinen letzten Worten vor der Urteilsberatung erklärt: „Ich sehe die schwerwiegenden Fehler ein, habe jedes Maß verloren und möchte mich zutiefst bei dem Verein und seinen Mitarbeitern entschuldigen“. Möglicherweise kann der 51-Jährige einen Teil der Gefängnisstrafe im offenen Vollzug verbüßen. Wie es im Prozess hieß, hat der 51-Jährige während des laufenden Prozesses nach einem anonymen Hinweis seinen erst kürzlich angetreten Geschäftsführer-Job in der Pflegebranche wieder verloren.

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