Anwohner fühlen sich nach Krawall am Lippezentrum allein gelassen

dzRuhestörung

Nicht nur am Tobiaspark, auch gegenüber am Lippezentrum ärgern sich Anwohner über Halbstarke - und haben zum Teil Angst. Am Schlimmsten sei aber, dass es angeblich keine Hilfe gibt.

Lünen

, 21.07.2020, 20:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit Februar, so schildert eine Anwohnerin, gibt es in ihrer Straße Probleme mit Jugendlichen. „Das ist nicht nur am Tobiaspark so“, sagt die 35-jährige, die ihren Namen nicht öffentlich machen möchte. Sie wohnt an der Gartenstraße - und ist selbst schon mit den Jugendlichen aneinander geraten.

„Das sind immer die gleichen. Bis zu 16 junge Leute, und man kann die Uhr danach stellen, wann die kommen“, schildert sie. An einigen Tagen sei es schon nachmittags um 14.15 Uhr, an anderen kämen sie erst um 16.30 Uhr. „Doch dann geht es bis Mitternacht.“

Anwohnerin wäre früher getürmt

Sie selbst, so sagt die 35-jährige Mutter, sei früher auch nicht harmlos gewesen und habe über die Stränge geschlagen. „Aber wenn uns damals jemand mit der Polizei gedroht hat, dann sind wir getürmt und haben uns da nie wieder blicken lassen.“

Bei den Jugendlichen, die ihr und ihren Nachbarn auf den Geist gehen, sei das jedoch anders. „Wir hatten unseren Vermieter informiert, dann kam ein Security-Dienst. Der hat die verjagt - aber kaum war er weg, kam die Jugend zurück. Die sind echt penetrant.“ Und oft so laut, dass sie den eigenen Fernseher nicht mehr hören könne.

Die Anwohnerin weiß von Nachbarn, dass diese Angst vor den Jugendlichen haben und Umwege in die Stadt in Kauf nehmen, weil sie sich nicht mehr trauen, die Treppen an der Tiefgarage zu nutzen. „Da wurden auch tatsächlich Flaschen an der Hauswand zerschlagen. Da hab ich die Polizei gerufen“, sagt die Lünerin - doch als die nach 40 Minuten kam, sei nichts mehr festzustellen gewesen.

Keine Kleinigkeiten, die Ärger verursachen

„Das Schlimme ist jedoch, dass mir gesagt wurde, wir würden ja wegen jeder Kleinigkeit anrufen“, ärgert sich die Anwohnerin. „Wegen einer Kleinigkeit ruf ich die Polizei bestimmt nicht“, betont sie. Und nachdem sie eines morgens Unterwäsche vor der Haustür fand und gar als „Hure“ beschimpft wurde, traut sie sich nicht mehr, die Jugendlichen selbst anzusprechen. „Auch mein Mann, der sofort rausgehen würde, sagt, dass ihm 13 andere ein paar zuviel seien.“

An den Treppen zum Parkhaus halten sich die meist jugendlichen Ruhestörer gerne auf.

An den Treppen zum Parkhaus halten sich die meist jugendlichen Ruhestörer gerne auf. © Stephanie Tatenhorst

Das Problem für die Anwohner, so die Mieterin, sei die Regelmäßigkeit der Randale. „Und der Müll. Da liegen Pizza-Kartons, da wird uriniert, da wird gebrochen. Das ist echt ekelig. Und wenn man morgens die Tür aufmacht, sieht man die Ratten weglaufen“, ärgert sie sich. „Und die Polizei ist von uns genervt. Da fühlt man sich sehr hilf- und machtlos“, sagt die 35-Jährige.

Die Anwohner haben inzwischen Tonaufnahmen vom Krach erstellt und dem Vermieter übermittelt - ob es was bringt, weiß die Anwohnerin nicht. Sie hofft es, denn: „Wir brauchen hier Hilfe.“

Anwohner sollen weiter die Polizei rufen

Die Polizei kann in der Tat mehrere Einsätze am Lippezentrum bestätigen - in den Monaten Mai, Juni und Juli seien Personen durch Lärm und Müll aufgeallen. „Die Anwohner müssen und sollen solche Störungen nicht hinnehmen, sondern die Polizei rufen. Wir kommen dann raus“, betont Sprecher Peter Bandermann, dass die Polizei mitnichten von Anrufern genervt sei. „Sie können jederzeit die 110 wählen.“

Wie der Polizeisprecher erklärt, sei den Beamten vor Ort die Situation bekannt: „Dabei handelt es sich um Jugendliche und junge Erwachsene, die vom Tobiaspark gerne mal herüberwechseln.“

Aus Sicht der Mieter sei die Störung absolut nachvollziehbar. „Da hier auch Alkohol im Spiel ist, wird das natürlich zu einer Aufgabe für Polizei und Ordnungsamt“, so Bandermann.

Bereits im Zusammenhang mit den Lärmbelästigungen am Tobiaspark hatten Stadt und Polizei verschärfte Kontrollen angekündigt. „Damit gehen natürlich auch Kontrollen am Lippezentrum einher“, kündigt der Sprecher an.

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