Anwohner der Bergstraße wollen endlich eine Lösung: Schwerlastverkehr macht Straße kaputt

dzWendemanöver

Das Bild wiederholt sich mehrmals am Tag in Lünen: Große Lkw befahren die Bergstraße in Richtung Kanalbrücke, bremsen plötzlich und versuchen dann zu wenden. Die Anwohner sind mehr als genervt.

Lünen

, 20.03.2020, 08:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das entbehrt nicht einer gewissen Ironie. „Wir haben´s drauf“ steht auf dem Auflader des Lkw, der gerade auf der Bergstraße zum Wenden ansetzt. Christoph Weischenberg beobachtet die Szene durchs Fenster seines Hauses. Es ist kein Einzelfall, dass ein wendender Brummifahrer über den Bürgersteig fährt und nebenbei noch den übrigen Verkehr für Minuten lahm legt.

Manch einer seiner Kollegen nimmt auch den großen Wendekreis durch die Vorgärten von Anwohnern. „Ein Nachbar hat deshalb schon drei große Natursteine dort hingelegt, nachdem Lkw den kompletten Rasen kaputt gefahren haben“, so Weischenberg.

Seine Nachbarn und er sind seit Jahren genervt von den Wendemanövern zahlreicher Lkw, die Firmen an der nördlichen Seite der Bergstraße beliefern. „Als wir 1990 hier eingezogen sind, liefen auf dem Grundstück gegenüber noch Hühner, Enten und Gänse herum. Für die wäre das heute lebensgefährlich“, so Weischenberg.

„Das erschüttert das Haus wie ein Erdbeben“

Als die Straße Buchenberg gesperrt war, rollten täglich noch mehr Laster über die Bergstraße. Auch Anwohner Peter Böing reicht es. „Wenn ich zuhause in meinem Büro sitze und die Lkw vorbei rasen, zwischen 7,5- und 35-Tonner, dann denke ich, ein Erdbeben erschüttert das Haus. Uns sind schon Fugen rausgefallen“, so Böing. Beschwerden bei der Stadt Lünen bewirkten nichts, so der Anwohner: „Es kam null Reaktion.“

Nachbarn haben große Steine in den Vorgarten gelegt, damit die Lkw nicht wieder den Rasen kaputt fahren.

Nachbarn haben große Steine in den Vorgarten gelegt, damit die Lkw nicht wieder den Rasen kaputt fahren. © Weischenberg

Nun soll bis zum Sommer 2021 die neue Brücke Gahmener Straße errichtet und installiert werden. Den Bewohnern der Bergstraße schwant da Übles: „Hoffentlich führt die Umleitung nicht wieder über unsere Straße.“

In der Sitzung des Ausschusses für Sicherheit und Ordnung (3.3.) wurde das Thema behandelt. Ein Vertreter der Stadt erklärte, man wolle mit versetzten Parkmarkierungen dafür sorgen, dass die Lkw nicht mehr so schnell durch die Bergstraße fahren. Das sei allerdings schon längst geschehen, so Böing im Gespräch mit unserer Redaktion. Geholfen habe es kaum.

Bürgersteig ist keine Ladefläche

„Was uns das Leben schwer macht, ist der Schwerlastverkehr, der zu den Firmen hinter dem Kreisverkehr will. Es sind nicht die Lieferanten für Lidl oder Blumen Risse, sondern für die Firmen gegenüber“, sagt Weischenberg. Die Lkw fahren bis fast zum südlichen Ende der Straße, dann wird gebremst und gewendet.

Vom Lärm abgesehen ruinieren die Lkw, so die Nachbarn, auch den Straßenbelag und die Bürgersteige bei ihren Manövern. Vor einer Firma, so Weischenberg, werde direkt auf dem Bürgersteig Ware geladen. „Auf dem Hof der Firma gibt es keine Ladefläche, aber der Bürgersteig ist definitiv auch keine“, sagt Weischenberg.

Jeden Tag rollen zahlreiche schwere Lkw über die Bergstraße und einige nutzen den Bürgersteig als Ladefläche.

Jeden Tag rollen zahlreiche schwere Lkw über die Bergstraße und einige nutzen den Bürgersteig als Ladefläche. © Christoph Weischenberg

Die im Ausschuss genannten Kosten für eine Wendefläche hinter Blumen Risse bezweifelt die genervte Nachbarschaft. „Selbst wenn - warum zahlen die nicht die Firmen, die von den Lkw angefahren werden?“ fragt Weischenberg und macht eine andere Rechnung auf. Wenn die Lkw auf Dauer die Straßenfläche und die Bürgersteige beschädigen, muss das Ganze saniert werden. „Und dann werden mit Sicherheit wir Anlieger zur Kasse gebeten.“

„Es muss endlich gehandelt werden“

Vom Asphaltaufbau sei die Bergstraße nicht für den Schwerlastverkehr geeignet, der tagtäglich über die Fahrbahn rollt. Die Verwaltung müsse das einsehen, nachdem die Anwohner schon seit langem immer wieder ihre Beschwerden dort vorgebracht haben.

Während im südlichen Bereich Parkzonen angelegt wurden, darf im nördlichen Bereich nicht mehr auf der Straße geparkt werden, damit die Lkw freie Fahrt haben - auch das ärgert die Anwohner. Weischenberg, Böing und ihre Nachbarn erwarten von Verwaltung und Politik, dass endlich gehandelt werde: „Man sollte erstmal feststellen, was das eigentlich für Lkw sind, die hier durchrauschen.“

Die Straßenschäden sind nicht zu übersehen.

Die Straßenschäden sind nicht zu übersehen. © Weischenberg

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