Anschlag vorgetäuscht: Anklage gegen Lokführer

Weil er einen Anschlag auf seinen Zug vorgetäuscht haben soll, ist ein Lokführer aus Bad Berleburg angeklagt worden. Die Staatsanwalt geht nach dem aufsehenerregenden Vorfall im Wittgensteiner Land im April 2019 davon aus, dass der damals 49-jährige Mann Gullydeckel von einer Brücke hinabhängen ließ - und seinen Regionalzug später absichtlich in die Falle steuerte. Er habe daher wegen Vortäuschens einer Straftat und gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr vor dem Amtsgericht Bad Berleburg Anklage gegen ihn erhoben, sagte Staatsanwalt Rainer Hoppmann am Dienstag. Die „Bild“-Zeitung hatte zuvor berichtet.

28.04.2020, 16:21 Uhr / Lesedauer: 1 min
Eine Statue der Justitia hält eine Waage in ihrer Hand. Foto: Copyright: pixabay.com/Decker & Böse Rechtsanwaltsgesel/obs/Symbolbild

Eine Statue der Justitia hält eine Waage in ihrer Hand. Foto: Copyright: pixabay.com/Decker & Böse Rechtsanwaltsgesel/obs/Symbolbild

Die Ermittler waren zunächst von versuchtem Mord ausgegangen. Mittels Spuren an den Gullydeckeln und der Seilkonstruktion fanden sie aber heraus, dass der Lokführer mutmaßlich selbst hinter dem vermeintlichen Anschlag steckte. Bei Wohnungsdurchsuchungen stießen sie außerdem auf diverse Schneidewerkzeuge, Handschuhe sowie ganz ähnliche Knoten wie an der Gullydeckel-Konstruktion am Brückengeländer. Der Angeklagte bestreitet die Vorwürfe.

Verletzt wurde damals niemand. Der Lokführer hatte den Zug der Hessischen Landesbahn frühmorgens als unbesetzte Leerfahrt vom nächtlichen Abstellplatz zum Startbahnhof gefahren. Die auf Höhe des Fahrerhauses angebrachten Gullydeckel hatten ein großes Loch in die Windschutzscheibe geschlagen. Der Zug war den Ermittlungen zufolge mit etwa 50 Stundenkilometern unterwegs, als er in das Hindernis fuhr.

Das Motiv für das mutmaßliche Vorgehen des Zugführers konnte nicht ermittelt werden. „Selbst Spekulationen fallen da schwer“, sagte Staatsanwalt Hoppmann.

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