Die Angst vor dem Coronavirus sorgt in einigen Städten für leere Wartezimmer in Arztpraxen. Auch in Werne ist das der Fall. Das hat einen bestimmten Grund.

Werne

, 01.04.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

In Städten wie Essen und Berlin hat die Angst vor dem Coronavirus dafür gesorgt, dass Patienten die Arztpraxen meiden. Auch in Werne bleiben die Wartezimmer in den Arztpraxen dieser Tage weitestgehend leer, sagt der Allgemeinmediziner und Sprecher der Werner Ärzte Dr. Hans Piepenbrock. „Die Leute scheuen sich, in die Praxis zu kommen. Wer jetzt nicht unbedingt zum Arzt muss, der geht auch nicht“, sagt Piepenbrock.

Mit Ende dieses Quartals seien nun auch die Routineuntersuchungen in seiner Praxis während der Corona-Krise zu Ende. Für die kommenden Monate rechnet Dr. Piepenbrock weiter mit einem „abgespeckten“ Betrieb in der Praxis. Denn das sei von der Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) genau so gewollt.

Normalerweise säßen morgens rund zehn Leute im Wartezimmer, dazu komme die Schlange vor dem Labor. Doch in der Corona-Krise sitzen gerade einmal ein oder zwei Personen im Wartezimmer. Ab drei Personen warteten die Patienten dann schonmal lieber draußen, sagt Piepenbrock.

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„Kollegen haben schon Stühle aus dem Wartezimmer rausgestellt, sodass nur noch vier Stühle drinstehen.“ Insgesamt seien die Patienten sehr diszipliniert, was das Einhalten des Sicherheitsabstandes zueinander angehe, so Piepenbrock.

Aber die aktuelle Situation bringe auch einen Vorteil mit sich: „Es ist angenehm ruhig und die Leute, die jetzt kommen müssen, haben den Vorteil, dass man sich Zeit für Sie nehmen kann.“

Coronavirus: Seit Kontaktverbot weniger Patienten in Praxen

Seit das Kontaktverbot von mehr als zwei Menschen am 22. März inkraftgetreten ist, habe sich auch die Anzahl der Patienten vom einen auf den anderen Tag reduziert, sagt Piepenbrock. „Wir sind hier noch relativ gut abgesichert“, sagt der Allgemeinmediziner mit Blick auf die Selbständigkeit und finanzielle Situation der Praxis. Andere Kleinunternehmer säßen da schon in ganz anderen Booten.

Um die Hausarztpraxen zu entlasten und eine zentrierte Lösung für den Umgang mit dem Coronavirus und Atemwegserkrankungen anzubieten, hat die KVWL 35 regionale Behandlungszentren in der Region eröffnet.

Verdachtsfälle werden von den Hausärzten via Video- oder Telefonsprechstunde identifiziert und dann bei den Behandlungszentren vorab angemeldet. Weitere Ansprechpartner für die Patienten sind das örtliche Gesundheitsamt, der ärztliche Notfalldienst (Tel. 116 117).

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Nach der Anmeldung der Patienten durch diese Stellen erhalten die Betroffenen per SMS oder Anruf einen zeitnahen Termin für einen Test. In den Zentren wird dann auch entschieden, ob ein Patient weiter ambulant behandelt oder in ein Krankenhaus eingewiesen wird.

Typische Symptome eines Infektes mit dem Coronavirus sind laut KVWL Husten, Schnupfen, Durchfall, Halskratzen und Fieber. Kommt hinzu, dass sich jemand in den letzten 14 Tagen in einem Risikogebiet aufgehalten hat oder Kontakt zu einem Corona-Erkrankten hatte, ist laut KVWL eine ärztliche Abklärung nötig.

Coronavirus: Vorsicht bei Kurzatmigkeit, Fieber und Husten

„Wenn jemand sagt, Herr Doktor, ich bekomme keine Luft mehr, dann sollte man eine Krankenhaus-Ambulanz aufsuchen“, so Piepenbrock. Hinzu kommen Schwierigkeiten beim Treppensteigen und Fieber. Der Besuch muss allerdings vorab beim Krankenhaus angekündigt werden.

Bei einfachen Erkältungserscheinungen schreibt Dr. Piepenbrock die Patienten auf Anraten der KVWL ohne direkten Kontakt für eine Woche krank. Gesunde Angehörige können die Bescheinigung dann in der Praxis für die erkrankte Person abholen. Wie auch in Werner Geschäften hat sich die Praxis mit einem Spuckschutz aus Plexiglas beholfen, um den direkten Kontakt zwischen Patienten und Praxis zu unterbinden.

Bei unklarer Symptomlage habe der Allgemeinmediziner auch schon einen Hausbesuch gemacht. Allerdings sei das schwierig, da noch keine neue Schutzkleidung geliefert worden sei, so Piepenbrock. Noch habe man begrenztes Material, außerdem habe eine Patientin der Praxis dankenswerterweise einige selbst genähte Masken gebracht.

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Die Knappheit an medizinischer Ausrüstung sieht Piepenbrock als eine Folge der Rabattverträge, die etwa Krankenkassen mit Arzneimittel-Herstellern abschließen. Dadurch werden die Hersteller zum exklusiven Lieferanten von Medikamenten, die Krankenkassen bekommen dafür Rabatte. Auch der Herberner Medizinprodukte-Händler Joachim Raguse hatte diese Verhältnisse kritisiert.

Um derartige Knappheiten in Zukunft zu vermeiden, sieht Piepenbrock auch ein Umdenken in der Bundesregierung für nötig. Hier müsse die Regierung bessere Lösungen anbieten. „In Zukunft wird man darauf achten müssen, dass der Nachschub an Schutzkleidung in Europa sichergestellt ist und man dann vielleicht auch vorlagern muss“, sagt Piepenbrock. Denn die nächste Infektionswelle komme bestimmt.

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