Angst vor Beschädigung: Britische Gemeinden wollen Statue von Pfadfinder-Gründer entfernen

Rassismus

Drei britischen Gemeinden wollen die Statue des Gründers der Pfadfinder vorübergehend entfernen. Dieser soll rassistische und homophobe Ansichten vertreten haben. Die Gemeinden sind besorgt.

Poole

12.06.2020, 08:22 Uhr / Lesedauer: 1 min
Großbritannien, Poole: Anwohner stehen um eine Bronzefigur des britischen Kavallerie-Offiziers Robert Baden-Powell am Hafen von Poole und zeigen ihre Anerkennung.

Großbritannien, Poole: Anwohner stehen um eine Bronzefigur des britischen Kavallerie-Offiziers Robert Baden-Powell am Hafen von Poole und zeigen ihre Anerkennung. © picture alliance/dpa

In Großbritannien soll eine Statue des Pfadfinder-Gründers Robert Baden-Powell (1857-1941) aus Sorge vor Beschädigung möglicherweise vorübergehend entfernt werden. Das teilte der Bezirksrat der südenglischen Gemeinden Bournemouth, Christchurch und Poole am Donnerstag mit. Das Denkmal im Hafen von Poole stehe auf einer Liste möglicher Ziele von Rassismusgegnern, hieß es zur Begründung. Das Abräumen der Statue wurde wegen der soliden Verankerung jedoch bis auf Weiteres verschoben. Sie soll nun rund um die Uhr bewacht werden.

Baden-Powell war Ende des 19. Jahrhunderts als Offizier für das britische Empire im Krieg gegen die Buren im südlichen Afrika im Einsatz. Dort kam er auf die Idee, Kinder als Späher, Botschafter und Fährtenleser einzusetzen. Zurück in England entwickelte er daraus die Pfadfinderbewegung, die jungen Menschen bei Aktivitäten im Freien die Gelegenheit geben soll, selbst Verantwortung zu übernehmen. In Poole veranstaltete er 1907 das erste Pfadfinder-Lager. Die Bewegung hat weltweit viele Millionen Anhänger.

Einige Angehörige sind sauer, dass die Statue von Pfadfinder-Gründer Robert Baden-Powell entfernt werden soll.

Einige Angehörige sind sauer, dass die Statue von Pfadfinder-Gründer Robert Baden-Powell entfernt werden soll. © picture alliance/dpa

Baden-Powell wird jedoch auch vorgeworfen, rassistische und homophobe Ansichten vertreten sowie freundschaftliche Beziehungen zu Vertretern der Hitlerjugend unterhalten zu haben. Zudem gibt es den Vorwurf, der Brite sei im heutigen Simbabwe an der unrechtmäßigen Hinrichtung von Kriegsgefangenen beteiligt gewesen.

Im Zug der Proteste gegen den gewaltsamen Tod des Afroamerikaners George Floyd hatten Demonstranten am vergangenen Wochenende in Bristol die Statue des Sklavenhändlers Edward Colston (1636-1721) vom Sockel gerissen und ins Hafenbecken geworfen. Die Skulptur wurde inzwischen geborgen und soll nun in einem Museum aufgestellt werden. Auch in Oxford und anderen Städten wurden Forderungen laut, Denkmäler umstrittener Persönlichkeiten aus der Kolonialzeit zu stürzen.

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