Amerikanische Bomben auf Holzwickede

dzEnorme Sachschäden

Der Fliegerangriff auf Holzwickede war nicht der erste seit Beginn des Zweiten Weltkrieges aber der schwerste. Er galt dem Holzwickeder Güterbahnhof, zerstörte aber weite Teile der Gemeinde.

von Christian Greis

Holzwickede

, 23.03.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das damalige Reichsbahngelände erstreckte sich zur NS-Zeit zwischen den Unterführungen am Bahnhof und am Oelpfad sowie im Norden bis zur Stehfenstraße und im Süden bis zur Montanhydraulikstraße.

Bei der Reichsbahn waren dereinst mehr als 1000 Menschen beschäftigt – am Bahnhof, in Stückgut-Umladehallen oder im Bahnbetriebswerk. Güterbahnhöfe wie der Holzwickeder waren für die Wehrmacht strategisch wichtig. Durch die Bombardierungen sollte der Nachschub gekappt werden.

Als gegen 14 Uhr am 23. März 1945 alle Bomben niedergeprasselt waren, standen wohl mehr als 1500 beladene Güterwaggons auf dem Gelände. Die Zahl der Lokomotiven ist nicht bekannt. Wie viele der Waggons letztlich zerstört wurden – darüber gehen die Quellen auseinander.

Große Schäden in der Gemeinde

Die Zahlen schwanken zwischen 300 und 1500. Stellwerk, Bahnunterführung, Bahnmeisterei – zerstört. Große Schäden gab es in der nahen Zeche Caroline: Unterkünfte, Brikettfabrik, Kohlewäsche, Förderschächte teils oder gänzlich zerbombt.

52 Häuser wurden zerstört oder brannten ab. In und um den Bahnhof loderte ein Flammenmeer, es muss eine unerträgliche Hitze vorgeherrscht haben. Wie viele Bomben letztlich auf Holzwickede niedergingen – auch hierzu finden sich in Literatur und Zeitzeugenberichten unterschiedliche Angaben.

Klar ist, dass an dem Tag vorwiegend amerikanische B17-Bomber, auch „Fliegende Festungen“ genannt, zum Einsatz kamen. Vereinzelt war wohl auch der Typ B29 beteiligt, auch „Superfestung“ genannt. Schon vor dem eigentlichen Angriff kreisten Jäger vom Typ P-38 Lightning über das Ruhrgebiet.

Das Luftbild zeigt die zahllosen Bombentrichter, die fernab des Bahnhofs in und um das Alte Dorf einschlugen. Mittig ist die Kreuzung Goethestraße, Billmericher Weg, Massener Straße zu erkennen. Ober rechts wiederum die Bahnunterführung Am Oelfpfad von denen gen Westen die Gleise gen Bahnhof führen.

Das Luftbild zeigt die zahllosen Bombentrichter, die fernab des Bahnhofs in und um das Alte Dorf einschlugen. Mittig ist die Kreuzung Goethestraße, Billmericher Weg, Massener Straße zu erkennen. Ober rechts wiederum die Bahnunterführung Am Oelfpfad von denen gen Westen die Gleise gen Bahnhof führen. © Holzwickede – Das Alte Dorf Frühjahr 1945

Am 23. März 1945 starteten von England aus insgesamt 1100 Bomber und 750 Jagdflugzeuge gen Ruhrgebiet. Wie viele davon ihre tödliche Fracht innerhalb einer knappen Stunde über Holzwickede abwarfen, ist unklar. Die Zahlen reichen von 200 bis über 600. Daher lässt sich auch die Zahl abgeworfener Spreng- und Brandbomben schwerlich beziffern – die Kratereinschläge auf Luftbildern machen deutlich, dass es Tausende waren.

Zeitgleich zu Holzwickede gingen auch in Schwerte und Geisecke sowie in Unna Bomben nieder. Wer damals auf dem Haarstrang wohnte, sah sich von Bombeneinschlägen aus allen Himmelsrichtungen umzingelt.

Rund drei Wochen nach dem schweren Bombenangriff rückten amerikanische Soldaten auf Holzwickede zu. Am 12. April 1945 wurde die Gemeinde kampflos an die Amerikaner übergeben.

Der Artikel beruht auf 21 Zeitzeugenberichten aus der ortsgeschichtlichen Literatur, die Wilhelm Hochgräber ausgewertet, zusammengefasst und dieser Redaktion zur Nutzung überlassen hat. An dieser Stelle sei ihm als auch Herbert Reckwitz für die Zuarbeit gedankt.