Amerikanerin aus Cappenberg hofft auf Sieg von Joe Biden

dzUS-Wahl

Trump oder Biden - dieses Duell beschäftigt in diesen Tagen nicht nur die Menschen in den USA. Jessica Lohmann lebt seit 25 Jahren in Deutschland, ist aber US-Bürgerin. Und hat gewählt.

Cappenberg

, 29.10.2020, 11:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Jessica Lohmann ist hin- und hergerissen. Einerseits hofft die Synchronsprecherin aus Cappenberg sehr, dass bei der Wahl am 3. November Joe Biden neuer Präsident der USA wird. Andererseits befürchtet sie, dass Donald Trump erneut gewählt wird. „Scheinbar ist das so bei uns, acht Jahre regieren die Demokraten mit Obama, acht Jahre dann die Republikaner.“

1995 zog Jessica Lohmann nach Deutschland - der Liebe wegen. Sie hatte in Atlanta (Georgia) ihren Mann kennengelernt, der dort während seines Informatikstudiums ein Auslandssemester absolvierte.

Staatsbürgerschaft

Noch hat sie ihren US-Pass. „Nicht-EU-Bürger dürfen neben der deutschen keine zweite Staatsbürgerschaft haben“, bedauert sie. Doch darüber nachgedacht, die deutsche Staatsbürgerschaft anzunehmen, hat sie oft. „Ich hab mich aber entschieden, noch zu warten. Auch, weil ich denke, dass die Demokraten dringend meine Stimme brauchen.“

Per Briefwahl hat sie ihre Stimme für Joe Biden schon vor fünf Wochen nach Georgia geschickt. Denn wählen müssen im Ausland lebende US-Amerikaner in dem Bundesstaat, in dem sie zuletzt gewohnt haben. Mit der Briefwahl hat sie vor zwei Jahren schlechte Erfahrungen gemacht. „Bei den Midterms sollte in Georgia eine Bürgermeisterin gewählt werden. Meine Stimme für die demokratische Kandidatin kam angeblich zwei Wochen zu spät an.“ Offenbar, so vermutet Jessica Lohmann, wurde da das Wahlergebnis manipuliert.

Rechtzeitig angekommen

Diesmal ist ihr Wahlzettel aber rechtzeitig an der richtigen Stelle angekommen, hat sie erfahren. Eine Organisation, die sich darum kümmert, dass Amerikaner, die im Ausland leben, auch wählen, hatte sie zwei mal angerufen. „Sie wollten mich ans Wählen erinnern und fragen, ob der Stimmzettel online angekommen ist.“

Ursprünglich stammt Jessica Lohmann aus Long Island (New York). Als sie 14 war, zog die Familie nach South Carolina, dann ging es für sie nach Atlanta.

Über Politik und Religion zu reden, sei in den Staaten eher verpönt, erzählt sie. „Und es gibt auch sehr verbohrte Leute, die streng Konservativen würden nie im Leben einen Demokraten wählen.“ Auch in ihrer eigenen Familie hat sie so einen Fall. „Mein Vater, der mit 72 Jahren immer noch als Selbstständiger arbeitet, ist absoluter Republikaner. Er sagt auch, warum soll ich Steuern zahlen, wenn davon einer Mutter bei der Betreuung ihrer Kinder geholfen wird.“ Dass viele ihrer Landsleute weniger das Wohl der Gemeinschaft als ihr eigenes im Sinn haben, sei leider weit verbreitet.

Jessica Lohmann ist skeptisch, was das Ergebnis der US-Wahlen betrifft.

Jessica Lohmann ist skeptisch, was das Ergebnis der US-Wahlen betrifft. © Gabriele Protze (Bildnis)

Zum Glück habe ihr Stiefvater ganz andere Ansichten, deshalb sei sie auch demokratisch in ihrer Erziehung geprägt worden, sagt Jessica Lohmann. Eigentlich wollte sie in diesem Jahr in die USA, doch Corona machte einen Strich durch die Rechnung. Vielleicht, überlegt sie, sei es sogar besser gewesen, nicht dort zu sein.

Vor vier Jahren war sie nämlich vor den Wahlen im September in den USA. Im Swingstate Florida, in dem 2016 Trump die Mehrheit bekam: „Ich habe es gehasst, es war schrecklich.“

Auch wenn viele Freunde in Deutschland mit ihr hoffen, dass Trump abgewählt wird, ist Jessica Lohmann skeptisch: „Ich vertraue meinen Landsleuten nicht. Viele wählen auch nicht den Menschen, sondern die Partei.“ Auch wenn sogar manche Republikaner Trump als dumm bezeichnen. „Aber sie betrachten ihn leider nicht als gefährlich.“

Sie steht offen zu ihrer Entscheidung, Joe Biden und damit die Demokraten gewählt zu haben. Das hat sie einige „Freunde“ im sozialen Netzwerk Facebook gekostet, denen ihre Posts und klare Haltung nicht gepasst haben.

Dass sein Missmanagement in Sachen Corona Trump die Präsidentschaft kosten könnte, bezweifelt Jessica Lohmann: „Bei dem Thema gehen die Republikaner in die Defensive, dann sagen sie, dass es doch andere Länder gibt, in denen es noch schlimmer ist.

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