Ist der ehemalige Marktplatz in Bork der richtige Standort für ein Altenheim? Vier Jahre, nachdem die Planungen begonnen hatten, meldet jetzt ein Bürgermeisterkandidat laut Zweifel an.

Bork

, 21.08.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Im Februar vor zwei Jahren hat ein 30-Tonnen-Bagger die Häuser am Borker Marktplatz in einen Berg Schutt verwandelt: „Aufbruch beginnt mit Abbruch“, titelten die Ruhr Nachrichten damals. Nur: Von dem Aufbruch zu einer neu gestalteten Ortsmitte in Bork ist seitdem nichts zu sehen: Stillstand statt Fortschritt.

Der einstige Marktplatz, den die Stadt Selm an den Caritas-Verband Lünen-Selm-Werne verkauft hatte, liegt wüst und leer da. Nichts zu sehen von der Wohnanlage der Caritas: drei parallel stehende Gebäude zwischen den Straßen Zur Spinnbahn und Nierfeld und einen kleineren Bau davor, 39 vollstationäre Altenheimplätze, acht barrierefreie Wohnungen und eine Tagesgruppe mit 13 Plätzen, wie es zuletzt hieß. Wenn es nach einem der sechs Bürgermeisterkandidaten geht, soll es auch so bleiben.

Video
Bürgermeister-Kandidat Michael Zolda im Video-Interview

„Ich als Bürgermeister würde mich dafür einsetzen, noch einmal über den Standort zu diskutieren“, sagt CDU-Kandidat Michael Zolda im Video-Interview. Er spricht von „erheblichem Diskussionsbedarf“ in der Bürgerschaft und schlägt vor, zusammen mit den Bürgerinnen und Bürgern und der Caritas einen anderen Standort zu suchen, der auf größere Zustimmung stößt.

Caritas nennt mehrere Gründe für die Verzögerung

Kritik an der Standortfrage ist nicht neu. Bislang war es aber die UWG im Rat, die sich stets gegen den Bau eines Altenheims auf dem ehemaligen Marktplatz ausgesprochen hatte. Michael Zolda gehörte zu der Mehrheit im Rat, die für Verkauf und Bebauung des Marktplatzes waren. Die Caritas selbst beteiligt sich nicht an der Diskussion über den richtigen Standort.

„Der Caritasverband Lünen-Selm-Werne möchte nach wie vor in Selm-Bork ein Seniorenzentrum bauen und betreiben, keine Frage“, sagt Thomas Middendorf , Sprecher der Verbandes. Er räumt aber auch ein, dass es seit dem Erwerb des Grundstückes auf dem ehemaligen Marktplatz „zu erheblichen Verzögerungen gekommen“ sei. Dafür gebe es mehrere Gründe.

Caritas zeigt „unverändert großes Interesse an dem Bauvorhaben“

Die Caritas habe zeitgleich drei weitere große Baumaßnahmen stemmen müssen: die Umbauarbeiten am Altenwohnhaus St. Josef in Selm, den Bau des neuen Seniorenzentrums an der Lippe und die Errichtung der Verbandszentrale „Haus der Caritas“, beides in Lünen. Außerdem sei die Änderung des Bebauungsplanes sehr zeitaufwändig gewesen. Die Bekanntgabe des entsprechenden Ratsbeschlusses sei erst Mitte Januar 2020 erfolgt. Und dann auch noch Corona.

„Wir hatten und haben in unserem Verband alle Hände voll zu tun, um die am stärksten gefährdeten, älteren Menschen, die sich uns anvertraut haben, auch unter Pandemiebedingungen sicher und liebevoll zu betreuen und vor einer Erkrankung zu schützen“, sagt Middendorf. Sein Chef, Caritasvorstand Hans-Peter Benstein, weiß: „Die Verzögerung ist gerade für die Borker Bürgerinnen und Bürger ärgerlich.“ Der Wohlfahrtsverband, der unverändert ein großes Interesse an dem Bauvorhaben habe - eine Verlängerung der Genehmigung des Kreises ist bereits beantragt und genehmigt - müsse aber noch einmal neu rechnen.

„Die Verzögerung ist gerade für die Borker Bürgerinnen und Bürger ärgerlich.“
Hans-Peter Benstein, Caritas-Vorstand

Die Zahlen von 2016 sind längst überholt. Damals hatte der Caritasverband vom Kreis Unna den Zuschlag bekommen, das Altenheim in Bork zu bauen. Georg Eskes, der sich auch darum bemüht hatte, hatte das Nachsehen bei der Kreis-Kommission. Die Preise im Bausektor sind seitdem massiv gestiegen.

„Um sicherzustellen, dass unser Vorhaben in finanziell vernünftigem Rahmen darzustellen ist, haben wir eine erneute Kalkulation in Auftrag gegeben“, sagt der Caritas-Sprecher Middendorf: „Wenn wir hieraus mit einem stimmigen Ergebnis Planungssicherheit haben, gibt es grünes Licht für den Beginn der Bauarbeiten an dem neuen Seniorenzentrum für Bork.“ Was ist, wenn das Ergebnis nicht stimmig sein sollte, sagt er nicht.

SPD-Bürgermeisterkandidat wundert sich über CDU

Dass ein Seniorenheim nach Bork kommen soll, stellt CDU-Kandidat nicht in Frage - anders als den Standort. Sein Kontrahent Thomas Orlowski hält das für das falsche Signal. „Wir müssen als Stadt ein verlässlicher Partner bleiben“ - für die Caritas und für andere Investoren ebenso.

Robin Zimmermann, der Kandidat für die FDP, begrüßt dagegen die Idee, den alten Marktplatz als Altenheimstandort zu überdenken. „ Das Grundstück hat enormes Potential.“ Außerdem habe die Caritas keine Anstrengungen betrieben, die Fläche aufzuwerten- entgegen der damaligen Versprechen. Zimmermann kann sich eine Wiederbelebung der Fläche als Marktplatz vorstellen und einen Ort für die Jugend.

In den Augen des unabhängigen Kandidaten Wilhelm Gryzkan-Wiese hat es sich nie um einen echten, gewachsenen Marktplatz gehandelt angesichts der innerörtlichen Randlage. Das Gelände sei für Wohnbebauung ideal - ob Wohnungen für Senioren oder andere.

„Allerdings“, sagt die Kandidaten der Grünen, Marion Küpper, dürfe die Bebauung nicht so massiv sein und müsse sich besser in die Ortslage einpassen. Da wünsche sie sich noch bessere Ideen. Ralf Piekenbrock wollte sich am Freitag noch nicht zu der Standortfrage äußern. Erst wolle er die Argumente abwägen.

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